27.03.2017, 10:19 Uhr

TSD-"Prestigeprojekt": Junge Geflüchtete auf Lehre vorbereiten

Andrea Treffer, Hubert Leitner, Sebastian Kolland (alle Gde Ebbs), Florian Stolz und Georg Mackner (beide TSD) in Waldeck.

Im Ebbser Ortsteil Waldeck sollen 15 bis 20 Jugendliche fit für eine Mangelberuf-Lehre gemacht werden.

EBBS (nos). Im Ebbser Ortsteil Waldeck – näher an Kufstein als am Dorfzentrum gelegen – will die "Tiroler Soziale Dienste GmbH" (TSD) ein Internat für 15 bis 20 Geflüchtete einrichten, die dort beruftsfit gemacht werden sollen, um eine Lehre in "Mangelberufen" beginnen zu können. Eine Belastungsprobe für die 80 Bewohner der "Enklave", meinen die Vizebürgermeister Hubert Leitner und Sebastian Kolland (beide VP).

"Improvisation ist unser tägliches Brot", meinte Georg Mackner (TSD) beim Vort-Ort-Termin in Waldeck, "wir hoffen auf das beste Einvernehmen". Auf einem ehemaligen Betriebsgelände plant die TSD ein Internat für 15 bis 20 junge Menschen im Alter von 15 bis 21 Jahren. In diesem Alter können auch Menschen ohne positiven Asylstatus in Österreich eine Berufsausbildung in jenen Feldern beginnen, wo Fachkräfte dringend gesucht werden – in Waldeck sollen die Geflüchteten auf eine Lehre als Maurer, Elektrotechniker oder Metalltechniker vorbereitet werden. "Wir müssen hier natürlich Vorarbeit leisten. Die Jugendlichen sollen hier vorbereitet werden, damit sie die Berufsausbildung dann auch positiv abschließen können", erklärt Florian Stolz (TSD).

"Glücklich ist die gemeinde nicht, dass wir dieses Proekt hierher bekommen", meinte Vizebürgermeister Hubert Lechner, "die Anrainer sind sicherlich nicht amüsiert, Waldeck ist eigentlich eine Enklave der Gemeinde Ebbs." Allerdings gibt er ebenso wie sein Vize-Bgm-Kollege Sebastian Kolland zu bedenken: "Das Projekt bietet sicher einen Weg der zielführend ist und Ergebnisse bringen wird." Auch Kolland findet den Standort "schwierig" und hält fest: "beworben haben wir uns nicht darum!" Derzeit sind insgesamt 25 Geflüchtete in Ebbs untergebracht, 14 leben bereits in Waldeck, 50 Meter vom nun geplanten Internat entfernt. "Das funktioniert eigentlich reibungslos", ist Kolland überzeugt. Zudem wolle man von seiten der Gemeinde darauf pochen, "dass dieses Projekt ständig begeleitet wird".

Die TSD muss ihre Schützlinge ohnehin ständig betreuen, wenn es sich um Minderjährige handelt, hielt Florian Stolz fest. Die Tagesstruktur sei "ganz anders als in Erwachsenenunterbringungen", der Internatsbetrieb sei streng geregelt. "Die Jugendlichen werden ein straffes Korsett haben, um den Ansprüchen zu entsprechen", so Stolz. Er betonte auch, dass die 15 bis 20 "Internatsschüler" nicht zufällig ausgewählt würden: "350 würden in Tirol die Anforderungen erfüllen, wir werden hier die Besten aussuchen!"
Noch brauche das Projekt rund zwei Monate Vorlaufzeit bis zum Start, die ersten "Internen" sollen bis Herbst fit für eine Lehre gemacht werden.

Kufsteins WK-Geschäftsführer Peter Wachter und Bau-Innungsobmann Anton Rieder jun. sehen auf die Betriebe große Aufgaben zukommen, die sich allerdings mit Blick auf den Fachkräftemangel rentieren sollen. "Für uns ist es wichtig, dass jeder Flüchtling in Beschäftigung gebracht wird, unabhängig vom Status", erklärte Wachter, "wenn die Leute zum Nichtstun verdammt sind, dann wird es schwierig." Die WK sei bereits mit zahlreichen Betrieben in der Region im Gespräch und habe viele "an Bord" holen können, meinte Wachter weiter. Anton Rieder stellte 100 zusätzliche Lehrplätze in Tirol im Bausektor in Aussicht und sieht im Waldecker Internat "ein Pilotprojekt in Tirol". Kammer und Innung haben aber noch Vorarbeiten zu leisten, so Rieder: "Wir müssen auch unsere Mitarbeiter darauf vorbereiten, damit sie mit den Jungen gut zusammenarbeitne können."

Andrea Treffer, Obfrau des Ebbser Sozialausschusses, befürchtet ein Ungleichgewicht im Ort. Auch die Waldecker hätten Ängste, zumal die neuen Mitbewohner überwiegend junge Burschen und Männer sein dürften – Branchenbdingt.
"Egal wo wir Projekte umsetzen wollen, es wird immer Kritik geben", meinte Florian Stolz auf die Frage, wie sinnvoll der Standort in Waldeck sei. Die Siedlung ist zwar einigermaßen vom Ebbser Zentrum entfernt, dafür aber nahe an Kufstein. Stolz versicherte neben der 24-Stunden-Betreuung vor Ort auch zu "in einem offenen Dialog auf die Ängste der Bürger einzugehen" und auch, dass "jemand, der hier Schwierigkeiten macht, nicht im Projekt bleiben", werde. Auch würde die bereits bestehende Unterkunft in Waldeck nicht erweitert oder nachbelegt. Derzeit leben 14 Menschen – junge Familien mit Kleinkindern und Paare – in der Siedlung.

Die Meinung in Waldeck ist gespalten. Einige Anrainer rüsteten bereits massiv auf, legten sich Videokameras und allerlei Abschreckendes zu. Andere sehen die Entwicklung durchaus entspannter. Am Freitag um 14 Uhr fand eine öffentliche Anrainerversammlung für die rund 80 Waldecker statt. Kritik an der Informationsbereitschaft der TSD äußerten auch die Gemeindevertreter im Gespräch mit TSD-Mitarbeitern vor Ort.
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