03.09.2014, 10:00 Uhr

Hilfsbereitschaft und Sorgen

Die Flüchtlinge leben sich im Gasthof Post ein und sind dankbar für die Hilfe.

In Landl ist die Verunsicherung groß, aber die Menschen wollen den Flüchtlingen ebenso helfen.

THIERSEE (ck). Über eine Woche nach der sehr kurzfristigen Unterbringung von 44 Flüchtlingen im Gasthof Post in Landl (Gemeinde Thiersee) durch den Bund wird deutlich: Die Bereitschaft, den Flüchtlingen zu helfen, ist bei vielen in der Bevölkerung groß, doch der Blick in die Zukunft ist auch mit Bedenken verbunden.

Sorge vor Dauereinrichtung
Der Kontakt zwischen der Gemeinde Thiersee und Land sowie Bund ist nach wie vor minimal, wie Bürgermeister Hannes Juffinger gegenüber dem Bezirksblatt Kufstein kritisiert: "Nein, Land und Bund haben keinen Kontakt mit uns gesucht, sondern ich habe mich mit einigen Verantwortlichen in Verbindung gesetzt." Juffinger zur derzeitigen Flüchtlingszahl: "Mit dem Status Quo können wir uns für einige Zeit arrangieren. Die Notwendigkeit Flüchtlinge unterzubringen ist verständlich, aber der Gasthof in Landl ist ein ungeeigneter Ort. Ich würde mir wünschen, dass der Gasthof bald wieder touristisch genützt wird." Juffinger hat die Bürger vergangene Woche mit einem zweiseitigen Gemeindeschreiben über die Ereignisse informiert.
In der Bevölkerung gebe es die Sorge, dass die Unterbringung nach der derzeitigen Befristung von drei Monaten fortgesetzt wird und der Gasthof "zu einer Dauereinrichtung" wird, erklärt der Bürgermeister. NR Carmen Gartelgruber (FPÖ) stellt das Sys-tem von privaten Unterkünften für Flüchtlinge in einer Aussendung in Frage: „Man muss sich die Frage stellen, inwiefern eine Privatunterbringung überhaupt sachdienlich ist, schließlich hat der Bund dafür zu sorgen, dass ausreichend Infrastruktur in dem Bereich zur Verfügung steht!“

Weitere Flüchtlinge?
Die zuständige Landesrätin Chris-tine Baur (Grüne) lässt noch offen, wie es in Thiersee weitergeht: "Ein Lokalaugenschein am 10. September wird zeigen, ob die Unterbringung von weiteren Flüchtlingen im Gasthaus zur Post infrastrukturell möglich ist. (...) Grundsätzlich müssen wir aber schon darauf achten, dass die Gemeinden auch infrastrukturell nicht überfordert werden und Integration gelingen kann." Auf die Frage, ob im Bezirk weitere Quartiere gesucht werden, antwortet Baur ausweichend: "Wir stehen derzeit tirolweit mit circa zehn bis 15 privaten Anbietern im Gespräch."

So können Sie helfen!
Bürgermeister Juffinger, der sich vor Ort selbst ein Bild von der Unterbringung der Flüchtlinge gemacht hat, berichtet aber auch von der Hilfsbereitschaft, die spürbar ist. Die Krabbelgruppe war etwa ebenfalls bei den Flüchtlingen, und die Kinder spielten gemeinsam. Auch die Betreuer vor Ort, unter ihnen die Ebbserin Anni Salzburger, berichten von großer Hilfsbereitschaft. Sie erzählt von zahlreichen Sachspenden, die bereits vorbei gebracht wurden: "Die Menschen haben nichts und freuen sich über unsere Hilfe."
Wer helfen will, kann das sehr einfach mit Sachspenden tun. Gebraucht werden vor allem Winterkleidung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie Spielsachen. Diese können beim Roten Kreuz Kufstein abgegeben werden. "Bitte beim Abgeben dazusagen, dass die Spenden nach Landl gehen sollen. Wir kümmern uns dann um den Transport", so Peter Mader vom Roten Kreuz.
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