05.10.2016, 08:00 Uhr

Wer soll künftig für Wörgl sprechen?

Braucht Wörgls Stadtamt eine Pressestelle?

Stadtgemeinde will Pressestelle einrichten, Opposition meint "unnötig" und "Luxus"; Ausschreibung laut Bürgermeisterin Hedi Wechner "nicht notwendig".

WÖRGL (nos). Die Stadtgemeinde Wörgl braucht ein zentrales Kommunikationsorgan, das jedenfalls glauben die Gemeinderäte der Bürgermeisterin-Fraktion und der Freiheitlichen. Sie stellten in der Gemeinderatssitzung vom 27. September den Antrag auf Einrichtung einer Pressestelle im Stadtamt. Diese Stelle soll Presseaussendungen und -konferenzen der Stadt organisieren, als Ansprechpartner für Medienanfragen und Schnitstelle zu Stadtmarketing und den Tochterunternehmen der Stadt fungieren, die "Vermarktung der Tätigkeiten des Gemeinderats, Stadtrats und der Bürgermeisterin" übernehmen und auch die Kommunikation nach außen vereinheitlichen. "Sie hat sich natürlich auch mit den social media auseinanderzusetzen", erklärte Bürgermeisterin Wechner einleitend zum Antrag. "Gemeinden wie Telfs, Kufstein und Lienz haben bereits eine derartige Pressestelle eingerichtet", ist in der Begründung zu lesen.
Anders als in der Festungsstadt, wo seit Oktober 2014 die Pressestelle direkt im Stadtmarketing angesiedelt wurde, hält man in Wörgl allerdings nichts von diesem Synergieeffekt: "Eine Pressestelle im Stadtmarketing ist nicht zielführend", glaubt die Bürgermeisterin zu wissen.

Pressestelle: "Luxus" oder "Notwendigkeit"?

In der Gemeinderatssitzung kochten die Wogen dann durchaus hoch. Während die Bürgermeisterin den "Beschluss fassen und dann auch anstellen" wollte, sparten zahlreiche Mandatare nicht mit Kritik an der geplanten Stelle und auch den Begleitumständen der Personalsuche. Mit der knappen Mehrheit von 12 zu neun Stimmen wurde die Einrichtung schließlich gebilligt.

"Es mag ja ganz nett und bequem sein eine Pressestelle zu haben", meinte Grünen-GR Richard Götz, "aber gibt es nichts Wichtigeres in der Stadt?" Er kritisierte die Pressestelle als "Luxus" und beklagte den zeitgleichen Personalmangel in der Stadtgemeinde, etwa im Bauhof. "Wie wir wissen, schwimmen wir nicht gerade im geld", gab Götz zu bedenken und rechnete vor, dass die Stelle über eine sechsjährige Legislaturperiode hinweg immerhin rund 300.000 Euro koste. Den selben Betrag bezahlt die Stadt jährlich für die Leistungen des Stadtmarketings.
Auch "Junge Wörgler"-GR Michael Riedhart sieht die Stelle "auf der Prioritätenliste nicht ganz oben" und fragte: "Wo würden Mitarbeiter dringender gebraucht werden?" "Das Standesamt ist mittelfristig mit nur einer Person besetzt", beklagte Hubert Aufschnaiter. Andreas Taxacher hält die Stelle für "bedenklich" und hielt seinen Gemeinderatskollegen auch den Spiegel vor:
"Durch besonders gute Arbeit ließe sich das sparen!"

Taxacher wollte auch Auskunft darüber, was die kolportierten Kosten von 20.500 Euro pro Jahr umfassen, wann und in welcher Form die Stelle ausgeschrieben werde und welche Art von Dienstvertrag hier vorgesehen sei. Zudem bemängelte nicht nur er, dass bereits Gerüchte in der Stadt die Runde machten, an wen die Stelle gehen solle.
"Die Gerüchte sind wahr, es ist bereits jemand vorgesehen", meinte Hedi Wechner in der Sitzung. Auch gegenüber den BEZIRKSBLÄTTERN bestätigte die Bürgermeisterin bereits in der Vorwoche die geplante Besetzung.

Halbtagsstelle mit Ausbaumöglichkeit

"Wir wollen zunächst klein angfangen", erklärte Wechner zur Einrichtung. Deshalb plane man vorerst mit einer Halbtagsstelle im Umfang von 20 Wochenstunden, vorerst – "wie alle unsere Stellen" – auf sechs Monate befristet. Ein Büroraum, EDV, Schreibtisch und Stühle seien vorhanden, so die Bürgermeisterin. Die Kosten von 20.500 Euro beträfen rein das Personal. Mittelfristig sei angedacht, das Stundenausmaß auf 30 Stunden oder eine Vollzeitstelle zu erhöhen, so Wechner weiter.
Eine Stellenausschreibung, glaubt die Bürgermeisterin, sei hier nicht erforderlich. "Das ist ja keine leitende Position, darum müssen wir sie auch nicht ausschreiben", erklärt Wechner die Rechtsauffassung der Stadtgemeinde.
"Einen faden Beigeschmack", erkennt darin Michael Riedhart: "Wenn öffentliche Gelder verwendet werden bin ich schon dafür, dass hier der Gleichheitsgrundsatz gelten sollte." Auch Aufschnaiter "würde anbieten, dass wir die Stelle ausschreiben".
Für GR Walter Hohenauer hingegen ist die Stelle "kein Luxus, sondern eine absolute Notwendigkeit". Bürgermeisterin Wechner fand es "irritierend, dass hier mit dem Bauhof gegengerechnet wird" und stellte zudem fest, dass es "ständig Personalerhebungen in der Stadtgemeinde" gäbe. Vizebürgermeister Mario Wiechenthaler unterstützte den Antrag "vollinhaltlich" und stellte einen Personalnotstand im Bauhof in Abrede. FPÖ-Parteikollege Christian Huter sieht "die Stadt als Unternehmen" und meinte sinngemäß, dass es keine Ausschreibung brauche, wenn ein passender Kandidat zur Hand sei. Riedhart betonte, eine Ausschreibung sei im Sinne der Gleichbehandlung möglicher Bewerber.

Stadtratsbeschluss notwendig

Schon Wochen vor der Gemeinderatssitzung wurde in Wörgl wild rund um die Besetzung der Pressestelle spekuliert, wobei besonders zwei Kandidatinnen immer wieder ins Spiel gebracht wurden. Auch von bereits fixen Zusagen und der Präsentation der neuen Mitarbeiterin im Gemeinderat war bereits die Rede, bevor dieser überhaupt den Beschluss zur Schaffung der Stelle fassen konnte.
Nun muss sich der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung im Oktober mit der Besetzung befassen.
Ob Bürgermeisterin Hedi Wechner danach ihre neue, stadteigene Pressesprecherin bereits vorstellen kann, oder wider Erwarten doch eine Ausschreibung notwendig wird, liegt dann im Ermessen der Gemeinde – oder der Tiroler Gemeindeaufsicht. Für den städtischen Bauhof sucht Wörgl inzwischen per Inserat nach einem Mitarbeiter.
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