26.10.2016, 19:03 Uhr

Kann man in einem Tag Kufstein besuchen?

Kufstein: Festung Kufstein |

12. Teil: Die Reise in meine Vergangenheit.


Um die Stadt zu erkunden, sind wir früh aufgestanden. Vielleicht war ich neugierig, was an Anmut von Kufstein noch erhalten ist: der Obere- und untere Stadtplatz, die historischen Gebäude, die engen Gassen und die Häuser mit den Lüftlmalereien. Auf der Festung Kufstein gibt es wahrscheinlich noch immer Spannendes zu erleben, denn die alten Mauern der altehrwürdigen Festungsanlage zählen noch immer zu den beliebtesten Ausflugszielen. Wie fügt sich heute die moderne Shopping- und Kulturstadt dazwischen?

Es soll sich ja in Kufstein so viel verändert haben, erzählte man uns stolz. Die bedeutsame Geschichte Kufsteins habe ich in der Schule gelernt und war stolz darauf, ein Kufsteiner zu sein. Kufsteiner erkennt, oder besser, hört man überall der Welt. Einmal hat mich ein Fremder in London darauf angesprochen. Er hat an meiner Aussprache gehört, dass ich kufsteinerisch spreche.

Dass die Stadt einen regen Tourismus kennt, kommt vielleicht deshalb, dass man noch immer an zahlreichen Ecken etwas Historisches entdeckt. Auf den ersten Blick hat sich am Oberen- und Untere Stadtplatz wenig verändert. Das Post-Sparkassengebäude war noch in seiner Pracht vorhanden. Das Rathaus hat einen zweiten Eingang erhalten, was ich praktisch finde. Die Feuerwehr war nicht mehr mitten in der Stadt, schade, denn für uns Schüler in den Klassenzimmern oberhalb, war es immer eine interessante Unterbrechung, wenn Brand in Kufstein war. Das Egger-Kino gibt es nicht mehr: wie viele spannende Filme konnten wir da erleben. Und das Stadtcafé Lamsché, wenn ich nicht irre, gibt es nicht mehr. Der Untere-Stadtplatz wurde neu eingeteilt. Die Annasäule war noch auf ihrem Platz und für die Touristen gibt es eine Pferdekutsche. Es wird gebaut oder viel verbaut. Mir bekannte Geschäfte fehlen, meist neue, moderne Auslagen kann man heute sehen, nicht immer passend zu den alten Fassaden. Es ist auch nicht immer leicht, den alten Stil durch moderne Architektur zu ersetzen.

Bietet Kufstein genug Platz für Modernes? Ich glaube, bis jetzt ist es gelungen. Gefühlvoll wurde Altes renoviert und das Neue überwiegt noch nicht so, dass es erdrückend ist. Jedenfalls strahlt die Stadt in neuem Putz.

Unten am Inn liegt die Römerhofgasse. Die kleine Gasse mit Kopfsteinpflaster könnte wie aus alter Zeit wirken, wären nicht die aufdringlichen Souvenirläden. Dann oh Schreck, das Batzehäusl, Kufsteins ältestes Weinhaus, ist geschlossen. Es wurde vor mehr als 530 Jahren erbaut, zurzeit wird ein Pächter gesucht.
Daneben steht das berühmte Auracher Löchl. Die Fassaden sind mit Malereien und bunten Erkern geschmückt und kunstvoll gefertigte Schilder geben dem Fotografen die Möglichkeit, sich auszuleben. Mancher Reisende sieht erst zuhause, was er zu sehen bekam.

Wir nahmen den Weg zurück zum alten Rathaus, denn es war an der Zeit. Wie jeden Tag um 12 Uhr (im Juli und August auch um 18 Uhr) wird in Kufstein die größte Freiorgel der Welt bespielt. Seit 1931 ist die weltgrößte Freiluftorgel im Bürgerturm der Festung untergebracht.

Wer dort ist, darf sich auf keinen Fall das Konzert der Heldenorgel entgehen lassen. Aus 4307 Pfeifen und 46 Registern schallt Musik. Das beste Hörerlebnis hat man am überdachten Vorplatz zur Festung. Da war aber abgeschlossen, ein Hindernis, der Weg dahin führte durch eine Halle mit einer Kassa. Konnte man nun nicht mehr frei aufsteigen zur Festung? Muß man heute für alles bezahlen? Da wir auf alle Fälle mit dem Schrägaufzug hinauf wollten, bezahlten wir und durften unterm Dach sitzen und genießen. Es gab Zuhörer, die mit- dirigierten und beim Operettenteil kamen reihenweise Zuhörer ins Schunkeln. 20 Minuten dauert diese außergewöhnliche Musikvorführung, die wie immer mit dem Stück „Der gute Kamerad’“ endet
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Mit dem Schrägaufzug ging es anschließend hinauf auf die Festung. Heute kann man das Wahrzeichen Kufsteins so leicht erobern!

Anfang des 16. Jahrhunderts hatte Kaiser Maximilian I damit noch mehr Schwierigkeiten: 1504 rief der Habsburger Herrscher zum Sturm auf die Wehranlage. Damit ihm das gelang, mussten schlussendlich sogar die zwei stärksten Kanonen des Kaisers mit den Namen Purlepaus und Weckauf von Innsbruck mit dem Floß nach Kufstein gebracht werden. Nach der Eroberung ließ Maximilian die Burg zur Festungsanlage ausbauen.

Unser Interesse an der Festung ging aber mehr ins Kulinarische. Im Festungshof gibt es ein ausgezeichnetes Restaurant mit freundlicher Bedienung. Es war ein warmer föhniger Tag, als wir feststellten, Kufstein an einem Tag zu erleben ist unmöglich. Wir hoffen auf ein Wiedersehen.

Der Bericht geht weiter.
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Erika Bauer aus Bruck an der Mur | 26.10.2016 | 19:36   Melden
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Herbert Reiterer aus Deutschlandsberg | 26.10.2016 | 20:45   Melden
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Renate Spreizer-Neuhold aus Weiz | 26.10.2016 | 21:08   Melden
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Franz Binder aus Weiz | 27.10.2016 | 14:06   Melden
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Petra Maldet aus Neunkirchen | 27.10.2016 | 19:52   Melden
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