29.10.2016, 19:18 Uhr

Reise durch das Reich des Glaskristalls

Rattenberg: Rattenberg |

13. Teil: Die Reise in meine Vergangenheit.


Mit Wehmut haben wir Abschied von Kufstein genommen. Der Aufenthalt auf dem Bauernhof war zu kurz. Noch Vieles wäre zu besuchen gewesen. Zum Beispiel ein Besuch von Enddach und Sparchen, wo ich einst gewohnt habe oder eine Stippvisite bei der Firma Pirchmoser, wo ich den Beruf Zimmermann erlernte.
Unser Tagesziel war Innsbruck, über die Autobahn wäre es schnell erreichbar gewesen. Wir aber wollten eine gemächliche Reise machen. Auf der Landstraße über Schwoich, Bad Häring, Wörgl und Kundl fuhren wir nach Rattenberg.

Stadt Rattenberg

Mit mittelalterlichem Charme und moderner Architektur, Glaskunst vom Feinsten, ist die kleinste Stadt Österreichs ganz groß. Das beschauliche Städtchen Rattenberg hat scheinbar nur 440 Einwohner auf knapp 10 Hektar. Doch man sollte sich nicht täuschen lassen! In den verwinkelten Gassen und hinter alten Mauern gibt es richtig viel zu entdecken. Schließlich hat das Städtchen eine lange Geschichte vorzuweisen: 1254 wird Rattenberg das erste Mal urkundlich erwähnt. Im Mittelalter war die Stadt ein regionaler Verkehrsknotenpunkt und erlangte dadurch wirtschaftliche und politische Bedeutung. Zusätzlich gab es eine eigene Anlegestelle für die Innschifffahrt und die Stadt diente als wichtige Zollstation.
Heute ist Rattenberg nicht umsonst als Glaszentrum und Glasstadt bekannt. Der Kunst, um aus Sand + Blei = Bleikristall zu machen, kann man nachgehen. Man kann es erleben, wie das Glas aus dem glühend heißen Ofen genommen, bearbeitet wird und so seine endgültige Form erhält. Wie durch die Kunst des Schleifens Glas den besonderen Wert bekommt, kann man auch anschauen. Die Bemalung des Glases mit feinen Pinseln ist auch eine Kunst. Glasfiguren, Glasvasen in allen Formen, Glaskrüge und die mundgeblasenen Gläser gibt es in der Stadt zu kaufen. Zahlreiche Betriebe bieten Glaskunst in höchster Qualität an.
Aber es gibt mehr zusehen in Rattenberg: als Beispiel die Nagelschmiedhäuser. Das doppelgiebelige, in den Felsen gebaute Haus am West-Eingang von Rattenberg ist nicht nur ein schönes und beliebtes Fotomotiv. In den Häusern aus dem 12. Jahrhundert wurden bis 1912 tatsächlich Nägel geschmiedet. Rund 2000 Nägel am Tag mussten es sein, damit der Nagelschmied davon leben konnte. Statt Nägeln befindet sich heute dort das Handwerkskunstmuseum mit Krippen, Holzstuben, original eingerichteten Schlafräumen, Antiquitäten und Informationen zur Innschifffahrt.
Von der Burgruine aus hätte man einen tollen Blick auf die Stadt, könnte man sehen wie klein Rattenberg wirklich ist. In der bewegten Geschichte Rattenbergs war die Burg ursprünglich als reine Militäranlage geplant. Mehrmals wurde die Burg, die unter bayrischer Herrschaft stand, an Tirol verpfändet, bevor sie unter Kaiser Maximilian I. 1504 endgültig zu Tirol kam.

Wir hätten die Burg sehen können, wenn wir nicht durch ein Aushängeschild vor der Stadtsbäckerei: „Hier gibt es die besten Brezen der Welt“ verleitet worden wären. Wir konnten nicht wiederstehen. Auf der sonnigen Terrasse davor, bei Kaffee und der besagten „Brezen“ verzichteten wir auf „Burgruine und die Aussicht“. In der Stadt gab es nämlich auch noch so viel zu sehen.

Weiter ging die Fahrt. Auf einem Felsvorsprung hoch über dem Inntal bei Jenbach, thront mächtig und doch gleichzeitig märchenhaft romantisch, ein spätgotisches Schloss-Juwel – das Schloss Tratzberg.
Wir wechselten auf die andere Talseite und fuhren Richtung Vomp. Meine Patentante hatte einst in Vomp gelebt. Beim Vorbeifahren sahen wir gegenüber die Silberstadt Schwaz. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten zeugen noch heute davon, daß im Silberbergwerk die finanzielle Grundlage für die Weltmacht der habsburgischen Herrscher lag. Auch Schloss Freundsberg ist, weithin sichtbar. Auf einem steilen Hügel südlich von Schwaz gelegen, war es der Stammsitz der Ritter von Freundsberg.
Auf unserem Weg war das Stift Fiecht, die heute eine Marien-Wallfahrtskirche mit einem Gnadenbild der Mater Dolorosa aus dem 15. Jahrhundert ist. Da es gerade Mittagszeit war, lockte uns das Gasthaus gehörend zum Stift Fiecht, wegen der gesunden Wallfahrerskost.
Weiter ging´s in Vomp vorbei an Schloss Sigmundslust. Das ehemalige Jagdschloss von Erzherzog Sigismund dem Münzreichen wurde im Jahr 1473 fertiggestellt und erinnert an die jahrhundertealte Jagdtradition der Gemeinde Vomp.


Swarovski Kristallwelten


Der berühmte Riese in Wattens, am Eingang der Kristallwelten besitzt riesige Anziehungskraft für Touristen aus aller Welt.
Im Jahre 1895 zog Daniel Swarovski nach Wattens in Tirol. Der Name steht heute für die Erzeugung feinsten Kristalls und präziser Optik. 1995 ließ Swarovski zum 100. Geburtstag der Firma die Swarovski Kristallwelten durch Künstler wie André Heller, Brian Eno, dem Studio Azzurro u.a. einen Ort des Staunens erschaffen. Im inneren des wasserspeienden alpinen Riesen betritt der Gast mit allen Sinnen das Phänomen Kristall. Strenge geometrische Formen lösen sich in Farben und Musik auf. Anlässlich eines weiteren Jubiläums wurden die Kristallwelten erneuert. Künstlerinnen aus aller Welt interpretieren geschliffenes Glas auf ihre Art. Die Koreanerin Lee Bul, das britische Designer-Duo Fredrikson & Stallard und der holländische Designer Tord Boontje locken nun die Besucher.
Das Prinzip der Wunderkammer wird nun jetzt auch im Freien weitergesponnen. Eine monumentale Wolkenformation aus Maschendraht mit 800.000 von Hand montierten Kristallen stammt vom franko-vietnamesischen Künstlerduo Cao Perrot.

Zwischen Kunst und Kommerz.

Was ist das Geheimnis des Erfolges der Kristallwelten? Die einen reduzieren es auf die perfekte Kombination von Kunst und Kommerz, denn im Herzen des aufwändig gestalteten Museums befindet sich ein riesiger Swarovski Shop. Die anderen setzen auf den uralten Mythos des Kristalls, der den Besucher in seinem Innersten berührt.

In einer, zwischen dem Mythos und Kommerz, geteilten Stimmung, verließen wir die Wunderwelt. Draußen war es grau geworden, dass Wetter wurde unbeständig.

In Innsbruck geht es weiter.

Von der Kristallwelt konnte ich keine Fotos machen.
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Hanspeter Lechner aus Enns | 29.10.2016 | 19:27   Melden
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Erika Bauer aus Bruck an der Mur | 29.10.2016 | 22:36   Melden
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