20.04.2016, 14:28 Uhr

Bank für Gemeinwohl: Jetzt mitgründen

Veronika Falbesoner und Martin Pobitzer beim Vortrag in Wörgl. (Foto: Spielbichler)
WÖRGL (vsg). Österreich ist bis jetzt ein weißer Fleck in der Landkarte der ethischen Banken in Westeuropa. Das will eine engagierte Initiative nun ändern – die in Gründung befindliche Bank für Gemeinwohl soll Österreichs erste Bank werden, die gesellschaftliche Verantwortung in den Mittelpunkt ihrer Geschäftsphilosophie stellt. Am 19. April 2016 stellte die Koordinatorin der Regionalgruppe Tirol Veronika Falbesoner das Projekt im Tagungshaus Wörgl vor gut 80 Interessierten vor und lud ein, Mitgründer der Bank zu werden.

"Geld soll Mittel und nicht Zweck sein"

3.389 Genossenschaftsmitglieder und ein Kapital von 2,4 Millionen Euro – das ist der aktuelle Stand des Bankgründungsprojektes. Angepeilt sind 40.000 Genossenschaftsmitglieder und die Erreichung von 15 Millionen Euro Stammkapital - 10,9 Millionen Euro sind für die Lizensierung als vollwertige Bank erforderlich.
Was die Bank für Gemeinwohl unterscheiden wird, erläuterte Veronika Falbesoner auf Einladung des Unterguggenberger Institutes, des Tagungshauses, der Grünen Bildungswerkstatt Tirol und der Wörgler Grünen beim Vortrag: „Geld soll wieder Mittel und nicht der Zweck sein. Diese Bank für Gemeinwohl wird fair und transparent agieren, auf Finanz-Spekulation verzichten und ausgesuchte regionale Projekte mit günstigeren Krediten fördern.“

Demokratisierung des Finanzwesens

Der Startschuss zur erstmaligen Gründung einer Bank durch Bürger in Österreich fiel nach der 2008 ausgebrochenen globalen Finanzkrise. Beim Kick-off in Wien waren 2010 bereits 110 Interessenten dabei, die Gemeinwohlorientierung statt Gewinnmaximierung in den Mittelpunkt der ursprünglich als „Demokratische Bank“ gestarteten Initiative verwirklichen wollten. Zurück zur Realwirtschaft, keine Spekulationsgeschäfte, eine Genossenschaft als Basis - diese Grundpfeiler wurden erweitert um den selbst erteilten Bildungsauftrag, der mit der BfG-Bildungsakademie bereits umgesetzt wird. Informiert wird über Geld, Zinsen, Vermögens- und Einkommensverteilung und die Demokratisierung des Finanzwesens.
Nach der Umbenennung in „Projekt Bank für Gemeinwohl“ 2013 erfolgte 2014 die Eintragung ins Firmenbuch sowie die Entscheidung, eine freie Genossenschaft zu werden. Im Mai 2015 folgte der Kapitalmarktprospekt, im Juli startete das Online-Zeichungstool und seit der Zertifizierung „fit & proper“ im Herbst 2015 läuft die Anwerbung von Genossenschaftsmitgliedern in ganz Österreich, wobei zeichnungsberechtigt aufgrund der Nachfrage auch deutsche und schweizer Staatsbürger sind.

Keine Boni, kein Gebäude

Was Österreichs erste ethische Bank noch von anderen unterscheidet, ist die Organisationsstruktur. Zu der zählt auch ein Gremium unter dem Motto „Hüterin der Vision“ sowie die Organisationsform der Soziokratie. Und die Festlegung der Gehaltsspreizung mit 1:5, was bedeutet, dass das höchste Gehalt maximal das Fünffache des niedrigsten ausmacht. Den Gipfel dieser Spreizung erreichen übrigens derzeit US-Banken mit dem 350.000fachen!
Boni gibt es bei der BfG keine, auch kein eigenes Bankgebäude wird gebaut. Die GenossenschafterInnen können zudem die weitere Entwicklung der Bank aktiv mitgestalten und mitbestimmen.
Mitgründen geht ganz einfach

Ab 200 Euro ist man mit im Boot

Zur Erreichung der Bankenkonzession bei der Finanzmarktaufsicht ist ein Eigenkapital von 6 Millionen Euro erforderlich. „Damit können wir voraussichtlich ab Anfang 2017 den Zahlungsverkehr anbieten“, erklärte Falbesoner, von Beruf Psychologin und Soziologin und wie rund 500 Menschen in ganz Österreich ehrenamtlich für das Bankgründungsprojekt im Einsatz. Auch von den 80 in der Wiener Zentrale tätigen Leuten arbeiten 90 % ehrenamtlich mit.
Der Zeitpunkt der Bankeröffnung hängt von der Erreichung des nötigen Eigenkapitals ab. Genossenschaftsmitglied kann man bereits ab 200 Euro Einlage werden, nach oben ist die Summe mit 100.000 Euro gedeckelt. Jedes Mitglied hat eine Stimme, unabhängig von der Höhe der gezeichneten Anteile. Gemäß der Gesetzeslage ist damit im Fall einer Insolvenz das „Nachschießen“ in Höhe der Einlage und eine nachrangige Haftung in dieser Höhe nach Austritt für 3 Jahre verbunden. Zur Diskussion steht weiters eventuell ein jährlicher Mitgliedsbeitrag von maximal 15 Euro.
Online-zeichnen ist auf www.mitgruenden.at/zeichnen ganz einfach möglich, ohne Internet geht´s mit ausgedruckten Beitrittserklärungen.

So wird die Bank für Gemeinwohl arbeiten

Gestartet wird mit einer Filiale in Wien sowie mobiler Kreditberatung, Call Center und Info-Büros in den Regionen. Zielgruppe sind Klein- und Mittelbetriebe, Einpersonen-Unternehmen, NGO´s und Privatpersonen. Zum Zahlungsverkehr kommt bei vollem Bankbetrieb das Kredit- und Einlagengeschäft. Geplant ist weiters eine Crowdfunding-Plattform unter dem Dach der Bank, die die Bonitätsprüfungen für die dort vermittelten Projekte vornimmt, sowie Ethische Fonds.
Für die Kredit- und Bonitätsprüfung werden derzeit die Kriterien der Gemeinwohlprüfung entwickelt. Ins Auge gefasst ist die Finanzierung von Wohnbau, ökologischer Landwirtschaft, alternativer Energie, Schulen, Kindergärten oder Kulturprojekten, wobei die Förderung solcher das Gemeinwohl unterstützender Initiativen durch ermäßigte Kreditzinssätze erfolgt. Bei der Prüfung ethischer Investments wird u.a. mit einer von der GLS-Bank empfohlenen Ethik-Bank-Ratingagentur zusammengearbeitet.

FMA setzt EU-Richtlinie um

Die Genossenschaft ist Träger und gesellschaftlicher Akteur der Bank für Gemeinwohl und wird 100 % der Aktien der zu gründenden Bank halten. Auf die Rechtsform der Aktiengesellschaft bestand die österreichische Finanzmarktaufsicht, die damit eine Richtlinie der EZB für Bankneugründungen umsetzt. Derzufolge dürfen neue Banken nur mehr als Aktiengesellschaften gegründet werden.

Mitmachen bei der Regionalgruppe Tirol

Interessierte haben am 20. Mai 2016 ab 19 Uhr beim Dinnerclub im Caritas Integrationshaus in Innsbruck die Möglichkeit, direkt mit der Tiroler Regionalgruppe der Bank für Gemeinwohl in Kontakt zu treten, die ab Juli 2016 ein Info-Büro in der Mariahilfstraße 48 in Innsbruck eröffnet. Öffnungszeiten erfährt man unter rg_innsbruck@mitgruenden.at sowie telefonisch unter 0681-10352545.
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