03.06.2017, 08:00 Uhr

Heimische Weidekühe liefern höhere Milchqualität

Wollen das Bewusstsein für hochwertige Milchprodukte stärken: LK-Präsident Josef Hechenberger, Christine Gastl, Bezirksbäuerin Margreth Osl, Christine Lintner und Bezirksbauernobmann Hans Gwiggner (v.l.).

Zum Weltmilchtag machen die Vertreter der Bauern darauf aufmerksam, wie hochwertig die heimische Milchproduktion ist und, dass ausländlische Billigprodukte die heimische Milchwirtschaft gefährden.

WÖRGL (bfl). Die heimische Milch macht's! Anlässlich des 60. Weltmilchtages am 1. Juni veranstalteten die Bauern der Region eine Verteilaktion an drei Verkaufsstandorten im Bezirk. Unter dem Motto "Tiroler Kühe haben Familienanschluss und Urlaub“ verteilten die Bauernvertreter gratis Milch und "Milch-Gläser". Die Bauern wollten aber auch ein höheres Bewusstsein zur heimischen Milchwirtschaft unter die Leute bringen. Was viele Konsumenten nicht wissen: Die Haltung von Kühen auf der Weide oder der Alm ist eine Besonderheit, die die heimische Milch gegenüber Mitbewerbern im In- und Ausland auszeichnet, denn diese halten die Kühe oft "nur" im Laufstall. Ein vermehrter Griff zu Billigprodukten durch die Konsumenten und Auflagen von außen könnten die heimische Milchwirtschaft gefährden.

Weidehaltung ist optimal
Die heimische Haltungsform kombiniert das Halten im Stall während des Winters und die freie Haltung auf der Heimweide oder der Alm im Sommer. "Das ist die optimalste Form für die Tierhaltung", sagt Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Hechenberger. Das zeige auch das im Vergleich hohe Durchschnittsalter der heimischen Kühe. "Eine Haltung auf der Weide hat einen höheren Stellenwert als eine Laufstallhaltung," sagt der Bezirksbauernobmann Hans Gwiggner. Denn die Milch sei durch die Weidenhaltung in ihrer Zusammensetzung gesünder und qualitativ hochwertiger.
Die Haltung auf der Weide hat aber auch für die Gesellschaft und den Tourismus einen hohen Stellenwert. Dieses Markenzeichen der Kühe auf den Weiden müsse man in Tirol erhalten, sind sich die Landwirtschaftsvertreter einig. "Es ist nicht logisch, dass, wenn ich immer zum Billigsten greife, unsere Landschaft dauerhaft so aussehen wird wie sie es jetzt tut," sagt der LK-Präsident.
Im knallharten Wettbewerb, so die Bauernvertreter, gerate dieser Aspekt oft in den Hintergrund. "Wir müssen unsere Landwirtschaft transparenter machen. Wir brauchen keine Scheinwelt", sagt Hechenberger und geht dabei auf die in vielen Werbungen vermarktete Laufstallhaltung ein. Dies seien zum Teil realitätsfremde Werbekampagnen. "Letztendlich entscheidet der Konsument mit dem Griff ins Regal, ob wir auch zukünftig eine Landwirtschaft haben, oder nicht."
Um ein höheres Bewusstsein für die Qualität der heimischen Milch zu schaffen, veranstalten die Bäuerinnen verschiedene Aktionen mit Kindern, wie beispielsweise "Schmatzi", "Landwirtschaft macht Schule" und "Schule am Bauernhof".
"Die Kinder sind die Konsumenten von morgen, wir müssen ihnen das vorleben," sagt Bezirksbäuerin Margreth Osl.

Starke Milchwirtschaft
Die Milchwirtschaft im Bezirk Kufstein und Tirol hebt sich nicht nur im Ländervergleich mit Deutschland sondern auch innerhalb Österreichs stark ab. Von den 1.625 landwirtschaftlichen Betrieben im Bezirk Kufstein sind 955 Milchlieferanten. Mit 81 Millionen kg Milch pro Jahr steht Kufstein bei den Milchproduzenten auf Platz eins. Dabei findet die ganze Milchproduktion in klein strukturierten Familienbetrieben statt, die im Vergleich zu großen Produzenten besonders viel Wert auf das Wohl der Tiere legen.
Preislich ergibt sich für den Konsumenten im Geschäft meist ein Unterschied von rund 25 Cent, wenn er anstatt Billigmilch eine qualitativ hochwertige "Tiroler" Milch kauft. Der höhere Preis, so Hechenberger, entstehe durch die höheren Produktionskosten.
Das Besondere an der heimischen Milchwirtschaft ist aber vor allem die Weidehaltung: 57 Prozent der Kühe in Tirol werden in der Region noch auf Almen gehalten. Auch hier liegt man im Ländervergleich ganz vorn, bringen doch Bundesländer wie Kärnten oder Steiermark nur drei bis fünf Prozent ihrer Kühe auch auf die Alm. Über 100.000 Hektar Almfutterflächen stehen in Tirol zur Verfügung, die nur offen gehalten werden können, wenn Tiere auf den Almen weiden.
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