26.08.2016, 14:48 Uhr

Erdbeben: Wie gefährdet ist Niederösterreich?

Schäden durch das Erdbeben in Ried am Riederberg im Jahr 1590. (Foto: ZAMG/Hammerl)

Droht Niederösterreich eine ähnliche Katastrophe wie Italien? Dr. Wolfgang Lenhardt von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) klärt auf.

Das schwere Erdbeben - Stärke 6,2 - in Mittelitalien verwandelte die idyllische Region um Amatrice und Accumoli in ein Trümmerfeld.
Bereits 1590 sorgte ein ähnlich schweres Erdbeben in Ried am Riederberg für massive Gebäudeschäden und zahlreiche Todesopfer.
Dass ein derart starkes Beben, wie jenes im benachbarten Italien, in naher Zukunft auch bei uns auftreten könnte, schließt Österreichs führender Seismologe* Wolfgang Lenhardt jedoch aus.

"Wir haben eine bessere Bausubstanz als Italien"
-Dr. Wolfgang Lenhardt


"Zuallererst möchte ich anmerken dass es hier mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Erdbeben der Stärke 6,2 geben wird!" hält Lenhardt eine Katastrophe wie jene in Italien für unwahrscheinlich.
Zusätzlich betont er dass unser Land im Vergleich zu den mittelalterlichen, oft noch aus Felsstein errichteten Gebäuden in Mittelitalien eine bessere Bausubstanz besitzt.
"In Österreich sind Erdbeben-Experten auch bei jeder Aktualisierung der Baunorm involviert." erklärt Lenhardt.
So würde zum Beispiel ein Beben der Stärke 5,2 mit Epizentrum in Wiener Neustadt, bei den meisten Häusern höchstens mittelstarke Schäden (Mauerrisse, Balkonabstürze) verursachen.

"Das Erdbeben von Seebenstein 1972 war bis nach Wien zu spüren. Durch den Bruch der Erdkruste unter dem Wiener Becken, kann so etwas alle 50 bis 100 Jahre passieren."
-Dr. Wolfgang Lenhardt


In Niederösterreich werden im Durchschnitt keine zehn Erdbeben pro Jahr wahrgenommen.
Beben, die zu leichten Schäden führen können, ereignen sich etwa alle neun Jahre.
In den letzten 50 Jahren waren die stärksten Erdbeben jene in Seebenstein (16.April 1972) und Ebreichsdorf (11.Juli 2000).
Schuld an diesen Vorfällen ist laut Lenhardt eine Bruchlinie in der Erdkruste von Seebenstein über Wiener Neustadt und Ebreichsdorf bis nach Schwadorf.

Um im Falle einer Katastrophe bestens vorbereitet zu sein, ist die ZAMG auch in ständigem Kontakt mit Landes- und Bundesorganisationen, mit denen regelmäßige Erdbebenübungen durchgeführt werden.

"Für diese Übungen erstellen wir realitätsnahe Situationen um Einsatzkräfte bestmöglich auf den Ernstfall vorzubereiten. Wir sind auch Teil des Katastrophen- und Krisenmanagement Österreich, sind bei der Aktualisierung der Baunorm involviert und pflegen Kooperationen mit internationalen Erdbebendiensten." so Lenhardt, der auch Präsident der ESC (Europäische Kommission für Seismologie*) ist.


*Seismologie: Die Seismologie ist die Lehre von Erdbeben. Sie ist die wichtigste Methode, um den inneren Aufbau der Erde zu erforschen.
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Friederike Neumayer aus Tulln | 01.09.2016 | 13:51   Melden
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