09.06.2016, 13:05 Uhr

Niederösterreich setzt auf Mobilität in allen Formen

Landeshauptmann Erwin Pröll beim Baustart für die Umfahrung Zwettl im Oktober 2014 (Foto: NLK/Burchhart)

Landeshauptmann Erwin Pröll im Gespräch mit Bezirksblätter Redakteur Christian Trinkl zum Thema Mobilität in Niederösterreich

Herr Landeshauptmann, Sie sind ja viel unterwegs und kennen Niederösterreichs Straßennetz wahrscheinlich auswendig. Welche Veränderungen haben Sie in den letzten 20 Jahren beobachtet, wie fährt es sich heute?
Die Veränderungen sind zum einen im Umfang festzustellen. Seit 1992 wurden im Autobahnen- und Schnellstraßen-Netz rund 140 Kilometer neugebaut und rund 150 Kilometer Spuren dazugelegt, also beispielsweise von zwei auf drei Spuren ausgebaut. Im Bereich der Landesstraßen haben wir im selben Zeitraum 140 Kilometer neugebaut, vor allem im Zuge von Umfahrungen. Zum anderen zeigen sich die Veränderungen in der Qualität. Unsere Standortqualität hat davon profitiert. Die Verkehrssicherheit hat sich wesentlich erhöht. Die Umfahrungen hat sich die Lebensqualität in den entlasteten Ortsgebieten erhöht. Und die Fahrzeiten für die Pendler haben sich verkürzt. Etwa die Strecke Mistelbach – St. Pölten ist heute um 40 Minuten schneller zu bewältigen als noch vor 20 Jahren.

Das Wort „Infrastruktur“ wird ja oft und gerne verwendet, aber was heißt es für den Endkonsumenten – den Autofahrer – genau? Worin wird investiert?

Wir haben eine dreifache Stoßrichtung bei unseren Investitionen: Zum einen wollen wir verkehrssichere Straßenverbindungen gewährleisten. Zum zweiten wollen wir die Erreichbarkeit der Regionen verbessern. Und auf der dritten Seite wollen wir die Situation für die verbessern, die auf das Auto angewiesen sind bei ihrem Weg zur und von der Arbeit. Dazu gehört neben den Straßenbaumaßnahmen auch die Errichtung von Park-&-Ride-Anlagen sowie der Park-&-Drive-Anlagen.

Niederösterreich ist ein großes, ländlich geprägtes Bundesland. Wie schwierig ist es, auch entlegene Gebiete an hochrangige Straßen anzubinden. Und provokant gefragt: „Rentiert" sich dies überhaupt?
Niederösterreich hat zwei besondere Herausforderungen zu meistern. Erstens, durch den früheren Eisernen Vorhang wurde jahrzehntelange nicht in die Infrastruktur in Richtung Grenzregionen investiert. Diesen Nachholbedarf arbeiten wir Schritt für Schritt ab. Zum zweiten sind natürlich die großen Distanzen in unserem Land eine Herausforderung. Aber auch hier arbeiten wir konsequent. Nehmen Sie nur das Beispiel Waldviertel. Seit dem Jahr 2013 haben wir im Waldviertel knapp 100 Millionen Euro in den Straßenausbau investiert. Und der Ausbau geht weiter. Bis 2018 werden nochmals 110 Millionen Euro im Waldviertel umgesetzt, mit dem Ziel, die Erreichbarkeit zu verbessern und der Wirtschaft zu helfen.

Es geht ja beim Straßenbau nicht nur um bequemes Autofahren und schöne Raststätten sondern auch um handfeste wirtschaftliche Interessen. Welches Verkehrsnetz braucht Niederösterreichs Wirtschaft?
Infrastruktur ist ein Grundbedürfnis für die Wirtschaft, um Rohstoffe und Waren zu transportieren und um die Mobilität von Mitarbeitern und Kunden sicherzustellen. Was die Wirtschaft braucht, liegt auf der Hand: ein dichtes Netz mit leistungsfähigen hochrangigen Achsen und mit weit verzweigten funktionstüchtigen Verbindungen im untergeordneten Bereich. Wichtig sind auch ein hoher Verkehrsfluss und wenig neuralgische Punkte. Daher werden wir unsere Umfahrungsoffensive weiter fortsetzen. Die wichtigsten Projekte dafür sind Umfahrungen für Zwettl oder Wieselburg.

Stichwort „Land der Pendler“: Die Niederösterreicher sind so mobil wie wenige andere in Österreich. Es wird in andere Bezirke gependelt oder gleich nach Wien. Wie hat das Land Niederösterreich darauf reagiert?
Indem wir den Pendlern so gut wie möglich helfen. Dabei geht´s darum, die Pendlerströme verkehrssicher zu leiten. Oder die Verknüpfung von Individualverkehr und Öffentlichem Verkehr zu verbessern, um den Umstieg vom Auto auf die Schiene zu ermöglichen, etwa durch die Errichtung von Pendlerparkplätzen und Park-&-Ride-Anlagen. Besonders wichtig ist aber auch, das Angebot des Öffentlichen Verkehrs laufend zu verbessern und auszubauen. Die neue Westbahn und die S2 ins Weinviertel waren in der Vergangenheit wichtige Errungenschaften. Nächster Schritt ist die Attraktivierung der Franz-Josefs-Bahn ins Waldviertel.

Die grüne Welle macht auch gerade vor dem Verkehr nicht halt: Wie kann man die gewünschte totale Mobilität des Einzelnen mit dem Ökogedanken, der sich eher an öffentlichen Verkehrsmitteln orientiert, verbinden?
Fakt ist, dass die Mobilitätsbedürfnisse auch künftig wachsen. Umso wichtiger ist es, dass wir Individualverkehr und Öffentlichen Verkehr nicht als Konkurrenz betrachten sondern als Partner. Wir brauchen beide Bereiche, um diese Herausforderungen zu bewältigen. Dennoch ist klar: Ein wesentliches Ziel muss sein, möglichst viel Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Dabei gilt es, die Angebote des Öffentlichen Verkehrs zu erweitern, Bewusstsein für den Umstieg auf die Öffis zu schaffen und umweltfreundliche Mobilität zu forcieren.

Alles redet über Elektromobilität als DIE Zukunft der Fortbewegung. Hand aufs Herz: Glauben Sie daran?
Ich gebe zu, es wird noch eine Zeit dauern, aber langfristig glaube ich schon, dass sich, auch wegen der technischen Weiterentwicklungen, die E-Mobilität behauptet. In Norwegen zum Beispiel entfiel im Vorjahr jede vierte Auto-Neuzulassung auf ein E-Auto. Wir sind in Österreich noch nicht soweit, aber auf einem guten Weg, wobei Niederösterreich im Vergleich der Bundesländer mit knapp 2.000 E-Fahrzeugen die meisten E-Fahrzeuge auf den Straßen hat. Auch der NÖ Straßendienst hat einen Teil seines Fuhrparks bereits in E-Autos umgestellt. Derzeit sind es 17 E-Fahrzeuge. In vielen Gemeinden wird der Fuhrpark ebenfalls mit E-Autos ergänzt.

Welche Vision steht hinter dem Ausbau des niederösterreichischen Verkehrsnetzes?
Infrastruktur ist ein wesentlicher Schlüssel zur erfolgreichen Entwicklung des Landes. Beim weiteren Ausbau der Verkehrswege geht es darum, die Mobilitätsbedürfnisse der Bevölkerung, die Anforderungen des Wirtschaftsstandortes und die Rücksicht auf die Umwelt unter einen Hut zu bringen. Wir orientieren uns dabei am Grundsatz: „Verkehr vermeiden, Verkehr verknüpfen, Verkehr verlagern.“ Unser Verkehrsnetz muss gewährleisten, dass wir möglichst schnell, bequem und umweltfreundlich von A nach B kommen, dass dabei aber weder Menschen noch Natur, im wahrsten Sinn des Wortes, unter die Räder kommen.
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Karl Maurer aus Krems | 09.06.2016 | 19:12   Melden
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