15.11.2017, 08:00 Uhr

Verkehrslandesrat Karl Wilfing: "Wien-St. Pölten in 24 Minuten"

"Unsere Busdienste und auch den Autoverkehr richten wir danach aus, dass die Menschen zu den Hauptverkehrsachsen kommen." 16/10/17, St. Poelten, Lower Austria, Austria, politics. Pictueres from from an interview with country counsellor Karl Wilfing. Image shows Karl Wilfing. (Foto: SEPA Media)

Landesrat Karl Wilfing über den Ausbau des öffentlichen Verkehrs in NÖ

Das derzeit gültige Verkehrskonzept für NÖ setzt programmatisch ganz auf den Begriff "Multimodalität", was ist das?
KARL WILFING: Das bedeutet, dass wir alle Fortbewegungsarten von Zu-Fuß-Gehen bis hin zur dritten Piste am Flughafen alles miteinbeziehen wollen und nachdenken, wie wir am besten die Nahtstellen überbrücken, zusammenführen und damit den Menschen am besten die Mobilität garantieren können.

Das beginnt wo und wann und geht bis?
Wir fördern daher ganz bewusst auch die sportliche Mobilität, vom Kindergarten an. Bei größeren Distanzen konzentrieren wir uns auf den öffentlichen Verkehr, die einzelnen Hauptbahnlinien werden als Verkehrsadern des Landes betrachtet. Und unsere Busdienste aber auch den Individualverkehr wollen wir darauf ausrichten, dass die Menschen zu den Hauptverkehrsachsen hinkommen. Das führt dazu, dass wir mit Fahrplanwechsel am 10. Dezember mittlerweile 30 Millionen Bahn-Kilometer im Jahr anbieten und über weitere Verdichtungen nachdenken, um vor allem zu den Stoßzeiten das ständig steigende Fahrgastaufkommen zu schaffen. Derzeit gibt es knapp 38.500 P+R-Stellplätze, mehr als alle anderen acht Bundesländer zusammen haben. Diesen sehr erfolgreichen Weg werden wir fortsetzen.

Welche Aufgaben stehen unmittelbar in Ihrem Ressort an?
Wir wollen die Bahnen weiter sehr modern gestalten. Gerade mit den neuen Cityjets verbessern wir das rollende Material, komfortgerecht mit Heizung und klimatisiert im Sommer. Das geht weiter mit der Bahnhofsausbauinitiative. Große Infrastrukturprojekte gibt es etwa mit der Pottendorfer Linie und Nordbahn. Die Bahnen sollen so verkehren, dass alle Nachfragen erfüllt werden können. Aber: Mehr als maximal 25 Züge pro Stunde geht auf keiner Bahntrasse. Wir brauchen daher weitere Gleisstrecken in den Süden. Mit dem Neubau der Pottendorfer Linie schaffen wir diese zusätzlichen Ressourcen. Gleichzeitig braucht es eine zusätzliche Stammstrecke durch Wien, um mehr S-Bahnen ins Wiener Umland auf Schiene zu bringen. Wir bauen auch gerade den Marchegger Ast aus, um Wien mit Bratislava bahntechnisch verbinden zu können.
Wir sind auch in konkreten Verhandlungen, um die Franz-Josefs-Bahn schneller zu machen.

Was sind die neuen Akzente des Mobilitätskonzepts 2030plus?
Dass wir eben diese neue Welt der Digitalisierung und Technisierung ganz stark ins Bewusstsein der Menschen rücken. Um das zukunftsfit zu machen, geht es darum, alle Mobilitätswünsche miteinzubeziehen und darauf zu achten, dass die Taktknoten funktionieren. Das war eine sehr große Anstrengung, was auch bedeutet hat, dass wir manche Trassen schneller machen mussten und manche Halte aufgeben mussten. Jeder, der die Bahn in NÖ benützt weiß, dass innerhalb von zehn Minuten der Anschluss in die jeweilige Richtung angeboten wird. Das hat dazu geführt, dass wir in den vergangenen Jahren eine Fahrgaststeigerung von acht Prozent pro Jahr verzeichnen konnten, weil damit der öffentliche Verkehr wirklich attraktiv geworden ist. Gerade entlang der Westbahn haben wir viele Strecken, die mit dem Individualverkehr – d. h. mit dem Auto in der Zeit nicht mehr möglich abzufahren sind. Wien-St. Pölten in 24 Minuten, Wr. Neustadt-St. Pölten in nur mehr 52 Minuten. Auch das ist mit dem Auto nicht machbar.
Interview: H. Leschanz


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