23.05.2017, 00:00 Uhr

Kampf den Unfallzonen – Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko im Interview

Auf Tour: Ludwig Schleritzko besucht derzeit die 58 Straßenmeistereien des Landes. "Ich würde mir mehr Wertschätzung für die Mitarbeiter wünschen. Etwa Geduld, wenn man einmal warten muss." (Foto: NLK)

Es geht um die Sicherheit: Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko will 20 Unfallstellen pro Jahr entschärfen.

Niederösterreich ist das Land der Pendler und Autofahrer. Was kann ein Politiker tun, dass der Verkehr sicherer wird?
Man kann etwa bauliche Maßnahmen setzen. Kreisverkehre in Niederösterreich sind so ein Beispiel. Pro Jahr werden wir zehn Kreisverkehre errichten. Denn wir wissen, dass Kreisverkehre um 80 Prozent sicherer sind als Ampelanlagen.

Was sind weitere Schwerpunkte?
Wir werden weiterhin Unfallhäufungsstellen sanieren. Da setzen wir etwa 20 Projekte im Jahr um.

Wie wählt man die Stellen aus, welche entschärft werden?
Wir werten Statistiken aus und arbeiten eng mit Einsatzorganisationen, Kommunen und der Bevölkerung zusammen. Wir haben hier auch im Rahmen einer Finanzsonderaktion ein Budget reserviert, das etwa in den Bau von Gehsteigen investiert wird.

"Wir haben in den vergangenen 25 Jahren 71 Prozent weniger Todesfälle auf Niederösterreichs Straßen. Das kann aber nur ein Zwischenerfolg sein."
-Ludwig Schleritzko


Zeigen diese Maßnahmen eine Wirkung?
Natürlich. Wir haben in den vergangenen 25 Jahren 71 Prozent weniger Todesfälle auf Niederösterreichs Straßen. Das kann aber nur ein Zwischenerfolg sein.

Das Land investiert auch massiv in Ortsumfahrungen. Ist das ein Lebensqualitäts-Thema oder dient das auch der Sicherheit?
Natürlich geht es hier um Lebensqualität und Sicherheit. Wir haben da einige große Sicherheits-Projekte. Im Waldviertel etwa die Umfahrung Zwettl, die gerade umgesetzt wird. Im Mostviertel wird die Umfahrung Wieselburg und im Weinviertel jene in Laa an der Thaya und Drasenhofen umgesetzt. Und im Industrieviertel entsteht die Umfahrung Wiener Neustadt Ost. Hier stehen wir den Kommunen zur Seite und beteiligen uns wesentlich.

Wie viel investiert das Land in die baulichen Maßnahmen zur Verkehrssicherheit?
Insgesamt sind das inklusive ASFINAG 1,3 Milliarden Euro bis 2020 – also eine sehr große Summe.

Was sind die großen Herausforderungen, die anstehen?
Die liegen sicher im Verkehrsaufkommen. Wir müssen uns jetzt schon überlegen, wie wir auf das autonome Fahren vorbereitet sind. Das kann natürlich zu deutlichen Steigerungen im Individualverkehr führen. Und darauf bereiten wir uns mittelfristig vor.

Worauf muss man da für die Zukunft achten?
Es geht um eine sinnvolle Verschränkung zwischen Individual- und öffentlichem Verkehr. Da geht es auch um die Errichtung von Park&Ride- oder Park&Drive-Anlagen. Und ein weiteres Zukunftsthema ist auch der sinnvolle Umgang mit Ressourcen. Da rede ich nicht nur um Flächenverbrauch, sondern auch um Asphaltrecycling oder die Wiederverwendung von Streusplitt. Da haben wir in Herzogenburg eine neue Anlage eröffnet. Aber da ist noch viel Luft nach oben.

"Man muss ja Straßen auch erhalten und betreuen. Mir wäre wichtig, dass auch die Autofahrer diese Wertschätzung teilen."
-Ludwig Schleritzko


Stichwort Streusplitt: Der Winterdienst ist ja auch ein Thema der Verkehrssicherheit ...
Absolut. Die 3.400 Mitarbeiter des Streckendienstes streuen pro Jahr 75.000 Tonnen Splitt und 120.000 Tonnen Salz. Außerdem betreuen sie rund 14.000 Straßenkilometer in NÖ und leisten großartige Arbeit für die Verkehrssicherheit. Darum bin ich auch gerade auf Tour durch die 58 Straßenmeistereien. Da geht es ebenso darum, eine Wertschätzung zu zeigen. Denn Straßen bauen alleine ist es nicht. Man muss ja Straßen auch erhalten und betreuen. Mir wäre wichtig, dass auch die Autofahrer diese Wertschätzung teilen. Dass sie vielleicht einmal mehr Geduld aufbringen, wenn man bei einer Baustelle einmal ein paar Minuten warten muss, weil ein Lkw reversiert.

Wie stehen Sie als Horner zum Thema Waldviertelautobahn?
Ich sage dazu nicht Ja oder Nein, aber ich sage, reden wir darüber. Ich verschließe mich dem Thema nicht. Man muss die Region hören, die Wirtschaftstreibenden, die Pendler und die Anrainer. Das ist kein Thema, das am grünen Tisch in St. Pölten entschieden werden soll, das muss in der Region entschieden werden. Wenn hier ein Bedarf besteht, dann erwarte ich, dass die Region mit Vorschlägen zu mir kommt.

Fahren Sie eigentlich gerne im Auto durch Niederösterreich?
Ja, sehr gerne. Ich fahre selbst so zwischen 30.000 und 40.000 Kilometer pro Jahr.

Was ärgert Sie da am meisten?
Mittelspurfahrer auf der Autobahn. Und wenn jemand abbiegt ohne zu blinken.

Schon einmal einen Unfall gehabt?
Ja, aber ohne Verletzungen. Nur ein Blechschaden.

Welches Auto fahren Sie privat?
Einen Skoda Oktavia Baujahr 2003. Es ist ein sehr treues Auto, praktisch unkaputtbar.
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