12.01.2018, 13:48 Uhr

Promis, Leberkäse und Kaffeetratsch – Der Wahlkampf der Volkspartei Niederösterreich

Mit kreative Volksnähe statt untergriffiger Kampagnen versuchen Landesgeschäftsführer Bernhard Ebner und Digitalchef Florian Krumböck möglichst viele Wähler zu mobilisieren (Foto: VPNÖ)

Die Volkspartei Niederösterreich zeigt sich kreativ, wenn es um möglichst viel Nähe zur potenziellen Wählerschaft für die anstehende Landtagswahl, am Sonntag 28. Jänner geht.

"Taxi blau-gelb" - was wie die Wiederbelebung scheinbar verstaubter Reality-TV-Formate klingt, ist der neueste Clou im digitalen Wahlkampf der niederösterreichischen ÖVP.

Im Taxi mit Mikl-Leitner

Fernsehkommissarin und Neo-Niederösterreicherin Kristina Sprenger chauffiert, gemeinsam mit einer (scheinbar) locker-lässigen Landeshauptfrau am Beifahrersitz, im passend gefärbten Mietwagen eine bunte Schar an Prominenz durch das Land.

Zwischen Mikl-Leitners Heimat Klosterneuburg und der Landeshauptstadt St. Pölten steigen Mama Leitner, Schauspiel-Ikone Waltraut Haas, die Hitparadenstürmer FlowRag sowie die beiden Fußballer Andi Herzog und Toni Pfeffer zu.

Angelehnt an amerikanische Trendformate wie "Carpool Karaoke" oder dem ORF-Erfolg "Wahlfahrt" wird getratscht, gelacht und gesungen. Smalltalk nach Skript, aber mit Charme.


Der kulinarische Kampf um jede Stimme

Doch der vermehrte Einsatz prominenter Gesichter soll nicht vom Kernthema der Volkspartei ablenken. Immer wieder betonen Vertreter der ÖVP, dass das ausgerufene "Miteinander" nicht erst im Landtag, sondern bereits beim Gespräch mit Bürgern jedem Alters und jeder Schicht beginnt.

Passend dazu reist derzeit auch der blau-gelbe Food-Truck durch Niederösterreich.  Eine, derzeit ebenfalls höchst beliebte und trendige, mobile Variante einer Imbissbude. Liebe geht bekanntlich durch den Magen, gut möglich, dass der Kampf um Wähler ähnlich funktioniert.



Knapp 100 Stopps quer durch das Land wird der umgebaute Mercedes-Bus in der intensiven Phase des Wahlkampfs anvisieren. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von rund 70 km/h ein zeitlich und nervlich aufwändiger Akt.

An öffentlichen Plätzen oder vor Betrieben werden kraftgebende Leberkässemmeln und zuckersüße Kipferl verteilt. Beim Besuch im Innenhof der Straßenmeisterei Neulengbach genießen zufriedene Männer die wohlverdiente Jause. Die nebenbei verteilten Werbegeschenke in stechendem blau und knalligen gelb nehmen sie dankend an.

Die ältesten des Landes als Stimmengarant

325.353 Menschen in Niederösterreich sind laut einer Statistik 65 Jahre alt oder älter. Das weiß auch die Volkspartei und vergisst, neben für jüngere Generationen attraktiven Formate wie dem "Promi-Taxi" oder Foodtruck, nicht darauf, auch die reiferen Semester zu umwerben.

Rund 230 Veranstaltungen vom und für den Seniorenbund Niederösterreich wird es im Zuge des Landtagswahlkampf geben. 15.000 bis 20.000 Menschen will man damit erreichen.



Beim "WIR"-Café in Obergrafendorf, einer "roten Gemeinde", wie uns einige der rüstigen Gäste mitteilen, tritt Landesgeschäftsführer Bernhard Ebner als "Star-Gast" auf. Er betont, wie schon beim Wahlkampfauftakt in Tulln, dass die ÖVP unter Johanna Mikl-Leitner, keine Schmutzkübelkampagnen führen wird. Trotz der Häme anderer Parteien, werde der neue harmonische Stil, das "WIR", das "MITEINANDER", fortgeführt, so Ebner.

"Wenn es sein muss, bohren wir auch in Granit"

Die "WIR"-Cafés finden in Gasthäusern, Stadtsälen oder großräumigen Kaffeehäusern statt. "Das schwierigste ist es ja oft, überhaupt ein Gasthaus zu finden, wo wir alle Platz haben", spricht Gertrude Beyerl, mit 74 Jahren eine der ältesten Kandidatinnen auf der Landesliste und gern gesehener Gast bei den "WIR"-Cafés, mit ein wenig Humor das leidige Thema des Wirtshaus-Sterbens an.

Beyerl ist es auch, die den größten Applaus in Obergrafendorf erfährt. Ihre kurze aber präzise Ansprache an Altersgenossen wirkt authentisch und motivierend. "Die Rechte der Pensionisten einzufordern ist nicht immer einfach. Aber wir sind hartnäckig, wenn es sein muss, bohren wir auch in Granit", schließt die 74-jährige ihre Rede.

Der bürgernahe Wahlkampzug der Volkspartei ist also am Rollen. So nah wie möglich am Wähler will man sein, natürlich nicht, ohne auf eine ansprechende Inszenierung zu vergessen.
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Karl Maurer aus Krems | 13.01.2018 | 12:50   Melden
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Karl Maurer aus Krems | 13.01.2018 | 12:51   Melden
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