30.09.2014, 06:41 Uhr

Alle Weichen stehen auf Zukunft: Produktionsstandort Niederösterreich

Pro Produktionsstandort Niederösterreich: Peter Voithofer (KMU Forschung Austria), WKNÖ-Direktor Franz Wiedersich, Spartenobfrau Gewerbe und Handwerk Renate Scheichelbauer-Schuster, Spartenobmann Industrie Thomas Salzer und Herwig Schneider (Studienautor, Industriewissenschaftliches Institut – IWI) (Foto: WKNÖ/Kraus)

Die Wirtschaftskammer präsentiert eine umfassende Standort-Studie. Fazit: Weniger Bürokratie und mehr Innovation ist nötig

Fast 160.000 Beschäftigte zählt der produzierende Sektor in Niederösterreich, rund 45 Prozent beträgt dessen Anteil an der gesamten Wertschöpfung des größten österreichischen Bundeslandes.

Niederösterreich, das allgemein als das Agrarland Nummer Eins bezeichnet wird, liegt damit deutlich über dem Österreichschnitt.
„Der Anteil des produzierenden Bereichs an der Wertschöpfung ist fast zehnmal so groß wie jener der Landwirtschaft“, so Franz Wiedersich, der Direktor der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ).

Produktionsstandort am Wendepunkt

Mit dieser Feststellung will man, wie die WKNÖ betont, nicht polarisieren, sondern vielmehr aufzeigen, dass sich dieser Sektor aktuell sehr verändert.

„Der Produktionsstandort Europa befindet sich an einem Wendepunkt“, betont Wiedersich. „Viel wird davon abhängen, inwieweit es jetzt gelingt die richtigen wirtschaftspolitischen Weichenstellungen vorzunehmen.“ Und Thomas Salzer, der Obmann der Sparte Industrie in der WKNÖ: „Europaweit nimmt das Bewusstsein für die Bedeutung der Industrie wieder zu. Das Schlagwort von der Reindustrialisierung ist in aller Munde.“

Tiefgreifendste Untersuchung zum Produktionsstandort NÖ

Auf Salzers Initiative hat die WKNÖ das Industriewissenschaftliche Institut (IWI) und die KMU-Forschung Austria beauftragt, den gesamten blaugelben Produktionssektor zu analysieren. Es handelt sich dabei um die tiefgreifendste Untersuchung, die jemals über den Produktionsstandort Niederösterreich durchgeführt worden ist. Die Kernergebnisse:

Niederösterreichs Produktionswirtschaft steht für 35 Prozent der Beschäftigten und 45 Prozent der Wertschöpfung der marktorientierten Wirtschaft in Niederösterreich.
Ein Investitionsvolumen von einer Million Euro im NÖ Produktionssektor steht für rund 14 Arbeitsplätze, bis zu 920.000 Euro Wertschöpfung und einen Produktionswert von bis zu 2,2 Millionen Euro.

Bereit für den Wettbewerb

„Grundsätzlich sollte die reichhaltige wirtschaftliche Substanz Niederösterreichs dafür reichen, das österreichische Wirtschaftswachstum positiv zu beeinflussen“, sagt IWI-Geschäftsführer Herwig Schneider. Gerade in den letzten beiden Jahren sei aber eine unterdurchschnittliche Entwicklung im gesamten blaugelben Produktionssektor zu beobachten. Dieser musste seit 2008 stärkere Einbrüche hinnehmen als dies im gesamtösterreichischen Durchschnitt der Fall war. Insgesamt verlaufe die Erholung eher zaghaft.

Niederösterreich baue zwar auf einem soliden Fundament auf, stehe aber vor großen Herausforderungen, unterstreicht denn auch Industrie-Spartenobmann Salzer. „Neben zeitgemäßer Infrastruktur und einer entsprechend flexiblen Arbeitswelt sind vor allem leistbare Energie und ein innovatives Umfeld ganz entscheidend, damit unsere Industrie im internationalen Wettbewerb bestehen kann.“  Als Beispiel für Verbesserungspotenzial führt Salzer den zu geringen niederösterreichischen F&E-Anteil in der Höhe von 1,5% an.



Klein- und Mittelständler haben Krise gut gemeistert

„Die KMU sind vergleichsweise besser durch die Krise gekommen als Großunternehmen, es gelte hier aber ebenso die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern“, erläutert Wiedersich. „Die betriebswirtschaftliche Entwicklung ist hier als stabil einzustufen“, so Peter Voithofer, der Direktor der KMU-Forschung Austria. Angesichts der sich stark verändernden Rahmenbedingungen sei allerdings der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit im KMU-Bereich ebenfalls von prioritärer Bedeutung.

„Nur mit Qualitätsarbeit und Innovation kann gewerbliche Produktion punkten und ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten“, sagt Renate Scheichelbauer-Schuster, Obfrau der Sparte Gewerbe und Handwerk in der WKNÖ. „Laufend entwickeln unsere Betriebe neue Lösungen, um ihre Marktposition zu behaupten.“ Dabei bereite der Mangel an qualifizierten Fachkräften größte Probleme, so Scheichelbauer-Schuster. Ein ebenso großes Problem: „Die wachsende Bürokratieflut, die für den klein-und mittelständischen Produktionsbereich ein unerträgliches Ausmaß angenommen hat.“

„Die Wirtschaft schafft`s“

Gleichzeitig mit der Präsentation der Untersuchung zum Produktionsstandort Niederösterreich erfolgt der Startschuss zur landesweiten WKNÖ-Aktionswoche „Die Wirtschaft schafft`s“. Um das Image des Unternehmertums in der breiten Öffentlichkeit weiter zu verbessern setzt die WKNÖ von Montag, 29. September 2014 bis Sonntag, 5. Oktober 2014 eine Reihe von Aktivitäten, um die vielfältigen Leistungen der niederösterreichischen Betriebe aufzuzeigen.

Den Auftakt macht am Montag die Vorstellung der Studie über die Bedeutung des Produktionssektors für den Wirtschaftsstandort Niederösterreich. Es folgt am Dienstag die Förderveranstaltung „Unternehmertum braucht Finanzierung“, am Mittwoch das NÖ Unternehmerinnenforum „Nachhaltig erfolgreich durch verantwortungsvolle Unternehmensführung!“ von Frau in der Wirtschaft, am Donnerstag findet der „Tag des Handels“ statt und am Freitag veranstaltet die Sparte Gewerbe und Handwerk ihre Meisterfeier, während die Sparte Information und Consulting über die „Digitale Revolution“ informiert.
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