14.11.2017, 11:39 Uhr

Niederösterreichs Weg nach oben: Gute Straßen im gar sehr ‚weiten Land‘

Straßenbau als Brücke in die Zukunft: Wie hier die B37 „Kremser Straße“ bei Moritzreith in der Gemeinde Gföhl im Waldviertel. (Foto: Land NÖ)

Die große Bezirksblätter-Serie Teil 2: Wie hat sich das NÖ Straßennetz seit 1989 entwickelt?

NÖ. Niederösterreich als "weites Land" hatte immer schon ein großes Augenmerk auf ausreichende Versorgung mit guten Straßen. Aber Straßenbau als nie endende Geschichte erfuhr um die "Zeitenwende" mit dem Fall des Eisernen Vorhangs und der EU-Osterweiterung zusätzliche Impulse.

Weil sich, wie es im Politsprech heißt, die "Rahmenbedingungen" verändert haben. Ausdruck dessen ist, dass das ROP (Raumordnungsprogramm) für Verkehr noch aus den 80er-Jahren nicht mehr der Realität genügte und daher auch legal außer Kraft gesetzt wurde. Eine Glanztat aus dieser Zeit, noch unter der Ära des Straßenbaureferenten Landeshauptmann Siegfried Ludwig, war der weit vorausblickende Bau der Kremser Schnellstraße S33 von St. Pölten, damals noch nicht Landeshauptstadt, nach Krems. Wobei das Land dieses Projekt der Bundesverwaltung "abtrotzte". Im Bundesbudget, woraus damals noch die Autobahnen und Schnellstraßen finanziert wurden (mittlerweile finanziert dies die ASFiNAG aus den Mauteinnahmen), war für dieses Extrawürstel aus Niederösterreich kein Geld da. Niederösterreich ließ nicht locker und gab dem Bund für die S33 Kredit. Mit der Eröffnung der Donaubrücke "St. Georg" bei Traismauer im Oktober 2010 wurde die S33 schließlich perfekt vollendet.

Neue Konzepte für NÖ

Schon in den 90er-Jahren war klar: Niederösterreich braucht eine moderne Verkehrspolitik. Das "weite Land“, in dem Hunderttausende zu ihren Arbeitsplätzen pendeln, gab sich ein ambitioniertes Verkehrskonzept, das stetig weiterentwickelt wurde und in den vergangenen 27 Jahren viele Früchte getragen hat. Heute baut Straßenbaudirektor Josef Decker mit seiner Abteilung bereits am „Mobilitätskonzept Niederösterreich 2030plus“.

Geplant, gebaut, gefahren

Seit 1989 wurden im höherrangigen Straßennetz (A, S) 145 km gebaut: A5 Nordautobahn, S5 Stockerau-Grafenwörth, S1 Vösendorf-Schwechat sowie Korneuburg-Süßenbrunn, S6 mit dem Semmeringtunnel und S33 mit der Donaubrücke Traismauer. (1990 umfasste dieses Netz 374,1 km , 2017 sind es 510,7.) Dazu kamen 178 km Spurzulegungen. An den Landesstraßen kamen 140 km Ortsumfahrungen hinzu: mehr Lebensqualität für 100.000 Menschen. Rund 3.470 Kilometer des NÖ Straßennetzes verlaufen durch Ortsgebiete, davon wurden rund 1.200 Kilometer saniert bzw. für höhere Sicherheit und Lebensqualität um- und ausgebaut. Über die Donau führen drei neue Brücken (Tulln, Pöchlarn, Traismauer). Um das alles richtig betreuen zu können, gibt es 29 neue Straßenmeistereien.

Das erfolgreiche Achsenkonzept

Das Verkehrskonzept aus den 90ern skizziert der damals leitende Raumplaner Friedrich Zibuschka: "Wir haben Verkehrsachsen definiert, Ring um Wien, die Achsen kombiniert mit Gebieten für wirtschaftliche Entwicklung, in sehr breitem Konsens verhandelt und beschlossen als Achsenkonzept. Im Waldviertel zwei Achsen, die Horner und die Zwettler, die Nordautobahnachse, die Achse Hollabrunn, die starke Südachse, bis Bruck die Achse im Osten, und auch in die Täler hinein bis zu den Hauptorten. Nach diesem Achsenkonzept wird noch immer vorgegangen." Den Raumplaner freut es, dass damit auch aktive Wirtschaftspolitik gelingt. Zibuschka: "Wir konnten an den Achsen die Abwanderung stoppen, zum Beispiel an der Zwettler Achse haben wir eine leichte Zuwanderung. Wir haben damit auch Regionalentwicklung betrieben."


Niederösterreichs Meilensteine

2000: Autobahnen breiter
Im Jahr 2000 wird forciert mit „Spurzulegungen“ bereits zu eng gewordener Autobahnen und Schnellstraßen begonnen. Insgesamt bis 2017: 178 Kilometer.

2002: Aus "B" wird nun "L"
Die Bundesstraßen B sind nun landesverwaltet. Bei Baumaßnahmen (etwa Umfahrungen) hat das Land jetzt freiere Hand.

2004: Durch den Semmering
Mit dem Semmering-Scheiteltunnel (3,5 km) ist die letzte Lücke der Schnellstraße S6 geschlossen. Bis dahin rollte der gesamte Verkehr über die alte ehrwürdige Semmering-Passstraße.

2010: Donaubrücke St. Georg
Wesentliche Erleichterung für den Verkehr in der Landesmitte durch die Donaubrücke "St. Georg" bei Traismauer. Die eigentliche Strombrücke ist 356 Meter lang.

Mehr zum Thema:  Interview mit Straßenbaulandesrat Ludwig Schleritzko
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