20.03.2017, 16:59 Uhr

Der Fischotter könnte auch in Oberösterreich ins Visier geraten

Der Fischotter kommt beinahe in ganz Europa vor. (Foto: Sven Rausch/Fotolia)

Für die Fischereiverbände ist der Fischotter ein „Problemkind“. Seit dem Wiedererstarken seiner Population in ganz Österreich wird er für den Rückgang der Fischbestände mitverantwortlich gemacht.

In Oberösterreich gibt es seit 2015 den „Fischotter-Managementplan“. Dieser beinhaltet auch die mögliche „Entnahme“ einzelner Tiere bzw. einer festgelegten Zahl – wie aktuell in Niederösterreich: 40 Tiere sollen dort bis 2018 getötet werden, so der Beschluss der Landesregierung – die Tierschutzorganisationen laufen Sturm. In Oberösterreich könnte dieser Vorstoß die Otter-Diskussion erneut anheizen.

Wöchentliche Beschwerden

Die Problematik um das unter Naturschutz stehende Raubtier besteht jedenfalls, wie der Hinterstoderer Siegfried Pilgerstorfer in seiner Funktion als Landesfischermeister deutlich macht: „Mehrmals wöchentlich erreichen uns Beschwerden von Teichwirten, die Schäden durch Fischotter enthalten.“ Bei „erheblichen Schäden“ ist laut EU-Richtlinie selbst bei geschützten Arten eine „Entnahme“ – also Tötung – möglich. Derzeit werde laut Pilgerstorfer geprüft, wie „erheblich“ die Schäden im ganzen Land wirklich seien und ob auch oberösterreichische Fischotter auf die Abschussliste gesetzt werden könnten.
„Es wird wohl auch in Oberösterreich nicht ohne Maßnahmen gehen“, meint der Kirchdorfer Bezirksjägermeister Herbert Sieghartsleitner, „wenn Menschen Wildtiere einsetzen, muss mit Entnahmen gerechnet werden“.

„Verkehrt und zwecklos“

Tierschützer argumentieren mit anderen Faktoren, die auf die Entwicklung des Fischbestandes einwirken. So würden beispielsweise der Gewässer-Verbau im Rahmen von Kraftwerksprojekten und des Hochwasserschutzes sowie unökologische Fischbesatzungsmaßnahmen, aber auch der klimabedingte Temperaturanstieg in Flüssen und Seen eine bei weitem größere Rolle spielen als der zum Sündenbock erkorene Fischotter. Jedenfalls fehle für die geplanten Abschüsse jegliche fundierte Wissensbasis, so Experten von WWF und Vier Pfoten. Zwar teile man die Sorge um den Rückgang der Fischbestände, die natürlichen Feinde zu „regulieren“ sei aber völlig verkehrt und zwecklos. Nutzfische seien Haustiere, wie z. B. Hühner und müssen laut Tierschutzgesetz vor Raubtieren geschütz werden. Fischteiche müssten daher ebenso eingezäunt werden, wie Hühnerställe nachts zum Schutz vor Fuchs und Marder verschlossen werden.
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