17.07.2017, 15:35 Uhr

Erste Hilfe bei Kontakt mit Quallen

Berührungen mit Quallen können heftige allergische Reaktionen hervorrufen (Foto: Panthermedia/Mcalec)

Endlich Ferien und vermutlich können Sie es schon gar nicht mehr erwarten, sich endlich ins kühle Nass zu werfen und den Tag am Meer zu verbringen. Doch es kann vorkommen, dass Ihnen der Spaß verdorben wird, und zwar durch Quallen.

Gerade schwimmen Sie noch seelenruhig im Meer und plötzlich durchfährt Sie ein starker Schmerz im Bein – vermutlich hatten Sie gerade Kontakt mit einer Qualle. In den allermeisten Fällen verlaufen die Vernesselungen verhältnismäßig harmlos. „In der Nord- und Ostsee, im Mittelmeer und Roten Meer begegnet man zum Beispiel häufig Feuerquallen“, sagt Prof. DDr. Martin Haditsch, Facharzt für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin sowie Reisemediziner im Travel Med Center in Leonding. Feuerquallen besitzen giftige Nesselkapseln, die auf der Haut schmerzende Rötungen, Schwellungen und Blasen sowie ein Jucken hinterlassen. „Es fühlt sich an wie der Kontakt mit Brennnesseln. Die Beschwerden klingen meist rasch wieder ab. Bei empfindlichen Personen und nach wiederholtem Kontakt können aber auch heftige allergische Reaktionen mit Herz-Kreislauf-Störungen bis zum Kollaps auftreten. Es können außerdem striemenförmige Narben zurückbleiben“, sagt der Mediziner.

Verschiedene Quallenarten auch im Mittelmeer


Im Mittelmeer kann man neben der Feuerqualle, auch Leuchtqualle genannt, die Haarqualle, Kompassqualle und in seltenen Fällen auf die äußerst gefährliche portugiesische Galeere treffen. Letztere kann schwerste Hautschäden und sogar Todesfälle verursachen. „Auch die Seeanemone gehört zu den Nesseltieren und kann bei Kontakt Rötung, Brennen, punktförmige Blutungen, eventuell Blasen und starken Juckreiz auslösen“, sagt DDr. Haditsch. „Gefährliche Vernesselungen mit der Würfelqualle oder der erdnussgroßen Carukia-barnesi Qualle – Irukandji-Syndrom genannt – werden insbesondere aus Australien, dem Indischen Ozean, Südpazifik und Hawaii berichtet“, sagt DDr. Haditsch.

Vorbeugung von Quallenvernesselungen


Zur Vorbeugung rät der Mediziner, den in Hochrisikoregionen oder -saisonen üblichen dünnen Neoprenanzug, den sogenannten stinger suit, zu tragen. „Achtung bei T-Shirts, denn die Quallen können sich darin verhängen.“ Schwimm- oder Taucherbrille bieten einen guten Gesichtsschutz und ermöglichen es aufmerksamen Schwimmern, unter dem Wasser treibende Quallen rechtzeitig zu sehen. „Es gibt einen Wirkstoff mit oder ohne Kombination mit Sonnenschutzmittel, der vor Quallenvernesselungen schützt. Das Präparat namens Safe Sea muss auf die gesamte Haut aufgetragen werden, auch unter der Badehose und dem Badeanzug“, sagt DDr. Haditsch. Vermeiden Sie auch die Berührung von toten, angespülten Tieren, denn deren Nesselkapseln können immer noch aktiv sein.

Erste Hilfe bei Kontakt


Gehen Sie sofort aus dem Wasser, um der Gefahr des Ertrinkens vorzubeugen. Das ist nämlich die häufigste Todesursache nach Quallenkontakt!

Wunde auf keinen Fall mit Süßwasser spülen, denn so werden die restlichen giftigen Nesselkapseln (und das sind zirka 90 Prozent), die im anhaftenden Schleim sind, auch noch aktiviert – dies würde also die Giftwirkung dramatisch verstärken. Man kann die verbliebenen Nesselkapseln etwa mit Rasierschaum oder Essig, den man auf die Haut aufträgt, inaktivieren. Auch können Sie verbliebene Anhaftungen mit feuchtem Sand abreiben oder etwas Scharfkantigem, wie etwa mit einer Kreditkarte, abschaben. Kühlen Sie die Haut danach mit Essigkompressen oder Meerwasserwickel zur Schmerzlinderung und trinken Sie viel Wasser. Lässt der Schmerz nach mehr als einer Stunde nicht nach, suchen Sie einen Arzt vor Ort auf. Sollte dies nicht möglich sein, sind Eigentherapieversuche mit topischen/lokalen oder systemischen antiallergischen Medikamenten und/oder Schmerzmitteln durchaus vertretbar.

Treten Schwindel, Übelkeit oder Atemnot auf, gehen Sie unbedingt sofort zum Arzt!
Neueste Ergebnisse zeigten, dass die im Nesselgift enthaltenen Toxine hitzeempfindlich sind. Manche Personen empfinden es als deutlich schmerzlindernd, wenn sie die vernesselte Extremität bis zu 20 Minuten lang in maximal 42 Grad heißes Wasser tauchen – nicht heißer, sonst drohen Verbrühungen. Diese Methode ist jedoch umstritten.
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