30.09.2014, 19:17 Uhr

Nicaragua: Ein wunderschönes Land mit vielen Facetten

Nicaragua: Ein Land, dessen Bewohner Nationalstolz besitzen und wo die Landschaft nicht mit Grün geizt.

Ein Erlebnisbericht mit Eindrücken zu den wichtigsten Stichworten, Bildern und Videos.

Der Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg veranstaltete eine zweiwöchige Reise nach Nicaragua. Dort sahen sich die Studenten nicht nur das Land, sondern auch die Medienhäuser an, um einen Vergleich zu Österreichs Medienlandschaft zu ziehen. Immerhin unterhält unser Land mehrere Städtepartnerschaften mit Nicaragua, beispielsweise jene von Wels mit Chichigalpa oder Salzburgs mit León. Dieser Artikel soll allen Interessierten Eindrücke in das Leben des lateinamerikanischen Landes geben. Darin verrate ich meine persönlichen Eindrücke zu den wichtigsten Stichworten.

Managua

Der erste Eindruck von der Hauptstadt war, wie ich mir eine nicaraguanische Stadt erwartet hatte. Am Flughafen angekommen, kam ich sofort in den Genuss der hohen Luftfeuchtigkeit. Auch um 21 Uhr hatte es noch mindestens 25 Grad. Der Transport zum Hotel verlief überraschend problemlos. Auf der Fahrt dorthin konnten berets erste grundlegende Unterschiede zum gewohnten Österreich festgestellt werden. Am Straßenrand stehen winzige Hütten, in denen die Menschen in dieser Hauptstadt leben. Aus Lehm, Eisen, Holz oder einer Kombination aus allem. Ein Mechaniker eröffnet hier beispielsweise keine Werkstatt, er gilt bereits als solcher, wenn er sich einen Wagenheber in die winzige Wiese hinter dem Haus stellen kann. Auch eine solche Wiese kann sich kaum jemand leisten. Nur sehr selten ist in dieser Hauptstadt, die immerhin rund ein Viertel aller Einwohner des Landes beherbergt, ein mehrstöckiges Haus zu finden. Touristen jedoch können sich in schönen Hotels einquartieren, das geht bis zu einem Hilton-Komplex mitten in der „etwas besseren“ Gegend mit Supermarkt. Offiziell gibt es hier kein Stadtzentrum, das ist für eine Hauptstadt weltweit einzigartig. Das ist der erste Grund, aus dem sich Touristen in der Dunkelheit von den Straßen fernhalten sollten. Neben dem Fehlen von Orientierungsppunketn mit erhöhtem Menschenaufkommen gibt es aber auch noch die Kriminalität, die dem Aufenthalt in Managua, zumindest in den Abendstunden, ein gewisses Unwohlsein beileben lassen. Es gibt in dieser Hauptstat jedoch auch Orte, die sich von der grauen Masse abheben. Beispielsweise wurde ein Bereich am Managuasee nur für Touristen erstellt. Dort sind einige Gaststätten und auch eine Bühne aufgebaut. Allerdings zeigten sich dort außer uns nicht viele Besucher. Vor dem Gelände standen Wachen mit Gewehren. Außerdem scheuen die wenigen Touristen die Straßen von Managua, da zieht es sie eher in ein anderes Gebiet des Landes als in ein für Touristen erstelltes „Sperrgebiet“. Allerdings muss bei all dem Negativen auch beachtet werden, dass bei einem verheerenden Erdbeben im Jahre 1972 mehr als 90 Prozent der Bausubstanz zerstört wurden. Der Wiederaufbau hält immer noch an, daher geizt die Hauptstadt mit Leckerbissen für das Auge.

Straßenverkehr

Interessant sind vor allem die Verkaufsstände, die auf den Grünflächen zwischen den Fahrbahnen stehen. Zusätzlich gehen die Händler auch auf verkehrsreichen Straßen, vor allem in Kreuzungsbereichen, von Fahrzeug zu Fahrzeug und bieten Waren an. Zu großen Teilen sind die Straßen erstaunlich gut ausgebaut, eine fünfstündige Busfahrt durchs Nichts war also kein Problem. Gehupt wird ständig, auch schon mal um Passanten zu erschrecken. Außerdem hört man andauernd Alarmanlagen, ohne dass jemand das betroffene Auto angefasst hatte. Oft haben die Fahrzeuge auch beim Rückwärtsfahren einen Alarmton aktiviert. Es gibt keine strenge Regelauslegung im Straßenverkehr, so kann auch schon einmal ein Fahrzeug mit gänzlich verdunkelten beziehungsweise kaputten Scheiben und Scheinwerfern am Verkehr teilnehmen. Solange das Auto fährt, wird es benutzt, da kann auch der Auspuff auf der Straße dahingleiten. Ebenso sitzen teilweise drei Leute im offenen Kofferraum und lassen die Füße baumeln. Dennoch war ich in diesen zwei Wochen kein einziges Mal Zeuge eines Verkehrsunfalls. Sollte man mit dem Taxi irgendwo hin, sollte vor Fahrtantritt der Preis festgelegt werden. Beim Bus ist prinzipiell einiges an Verspätung einzurechnen. Wir sind die meiste Zeit von einem von Loro Trips organisierten „Chicken Bus“ kutschiert worden, einer alten Blechkiste mit buner Innen- und Außengestaltung. Dazu eine starke Musik-Anlage mit Flat-TV. Dieser Fahrer war stets pünktlich und hatte eine seiner Freundinnen dabei, mit der er stets im Bus übernachtete. Etwaige Koffer unserer rund 50 Teilnehmer wurden am Dach festgebunden.

Nicaraguaner

Die Arbeitsmoral hält sich in diesem Land oft in Grenzen. Einerseits ist man zufrieden mit der Gegenwart, andererseits könnte ich mir auch nicht vorstellen, bei dieser Hitze täglich 8-10 Stunden an meine Leistungsgrenze zu gehen. Somit entstehen Wurschtigkeit und Faulheit. In einem Restaurant sind, selbst wenn es nur Arbeit für einen gibt, stets mehrere für den gleichen Bereich zuständig, ohne sich groß zu bewegen. Einfache Kopfrechnungen werden mithilfe des Taschenrechners gelöst. Jeder Mensch ist dort mit der südländischen Gemütlichkeit ausgestattet.

Medien

Wir besuchten diverse Medienstationen, darunter Radio-, TV- und Zeitungsunternehmen, um deren Arbeitsweisen und -bedingungen kennenzulernen. Bei der besuchten TV-Station stach ins Auge, dass es kaum Zensur von Fernsehbildern gibt. Ein eigenes Programm beschäftigt sich nur damit, bei Unfällen sofort zur Stelle zu sein und exklusive Bilder und Aufnahmen zu ergattern. Je grausamer, desto senstationeller. Radiostationen senden meist nicht für die Allgemeinheit. Die meisten Dörfer interessieren sich ausschließlich für das, was in ihrer unmittelbaren Umgebung passiert. Bei einem besuchten Radiosender beispielsweise verstand man partout unsere Frage nicht, ob es denn Gebühren für die ausgestrahlte Musik zahle. Da wären wir wieder bei der fehlenden Professionalität im Lande. Ein Dschungel-Radio wird von den Bewohnern der Umgebung genutzt, um Nachrichten darüber zu einer bestimmten Person gelangen zu lassen. Viele haben kein Telefon und haben nur diese Möglichkeit, über weitere Distanzen zu kommunizieren.

Cerro Negro

Eines der beeindruckendsten Erlebnisse stellte ohne jeden Zweifel die Cerro-Negro-Tour dar. Der Aufstieg zu diesem schwarzen Vulkan dauerte etwa eine Stunde, Windböen von bis zu 180 km/h machten uns das Weiterkommen zeitweise unmöglich. Auf dem zweitaktivsten Vulkan des Landes riecht es nach Schwefel, rundherum ist alles grün. Zum Abschluss ging es mit dem Holzbrett geradeaus durch die Asche in etwa einer Minute nach unten. Ein starkes Erlebnis, das es für CNN auf Platz zwei der Dinge schaffte, die man vor seinem Ableben gemacht haben muss.

Chichigalpa

In der Welser Partnerstadt wechseln Licht und Schatten einander ab. Auf der Zuckerrohrplantage werden die Arbeiter ausgebeutet, in der zugehörigen Rumfabrik strahlt alles in amerikanischem Selbstbewusstsein und Glamour. Dort gehört in der Partnerschaft auf jeden Fall der Stift angesetzt! Arbeiter verdienen dort pro Tonne etwa einen Euro und bekommen so wenig Wasser zu trinken, dass zirka zwei Drittel von ihnen an chronischem Nierenversagen erkranken und daran sterben. Sie lassen Frau und Kinder zurück, welche dann ohne Geld dastehen. Nur wer es sich leisten kann, bekommt Medikamente gegen die Schmerzen. Geheilt werden die Betroffenen jedoch nicht davon.

Universitäten

Neben der privaten Universität in Managua besuchten wir eine öffentliche in León. Schon beim Betreten wurden die Unterschiede klar. Die private UCA (Universidad de Centroamericana) hatte nicht nur einen beeindruckenden Campus, sondern auch einen technisch gut ausgestatteten Hörsaal. In der UNAN jedoch fanden wir kleine Klassenräume mit Tafeln. Die UCA können klarerweise nur Kinder von reichen Eltern besuchen. Diese werden in der Regel um Jahre schneller mit ihrem Studium fertig als Studenten von der UNAN, da diese nebenbei meist arbeiten.

Video von Hubert Neufeld mit Einblicken in die Reise:

Preise

Für unsereins sind die Preise in Nicaragua sehr niedrig. Im Vergleich zu den dortigen Löhnen jedoch sind sie noch zu hoch. Der Großteil der Einheimischen kann sich demnach kaum etwas leisten, viele leben in Armut.

Städtepartnerschaften

Österreich steckt einen großen Teil seiner Entwicklungsarbeit in Nicaragua. Dazu werden Städtepartnerschaften angelegt. Wels kooperiert mit Chichigalpa, Ansfelden mit Condega, Linz ging mit San Carlos eine Partnerschaft ein. Salzburg mischt in Form einer der wichtigsten Städte mit, nämlich León.

Musik

In den Radios läuft fast ausschließlich südamerikanische Musik in spanischer Sprache. Dem Costa-Ricaner Marc Anthony gehört dabei ein Großteil der Sendezeit. Der eine oder andere Song des Künstlers schafft es Monate nach seinem Erscheinen auch nach Österreich.

Nachtleben

Hier fällt auf, dass hauptsächlich junge Männer am Abend weggehen. Wenn sich eine Frau darunter befand, dann war sie meist bereits höheren Alters. Dementsprechend erfreut waren die Nicaraguaner, als sie sahen, dass bei unserer Gruppe viele junge Frauen dabei waren.

Sicherheit

Bedenken kamen nur in der Hauptstadt Managua auf. Alle anderen bereisten Städte und Orte schienen völlig sicher. Es standen, vor allem in León und Granada, abends und nachts an fast jeder Ecke Sicherheitsbeauftragte. Das zeugt zwar von erhöhter Alarmbereitschaft, passiert ist jedoch nicht das Geringste. Ebenso ist es eine Sicherheitsmaßnahme, dass Frauen nicht alleine auf den Straßen gehen, was aber ebenfalls vor allem in Managua notwendig schien.

Rio San Juan

Nun soll aber auch mal über die (überwiegenden) schönen Teile des Landes geschrieben werden. Bis auf die Hauptstadt gab es selten einen Fleck, der diesbezüglich viel zu wünschen übrig lassen. Der Rio San Juan fließt 199 Kilometer weit. Einen Teil davon überquerten wir mit dem Boot, an den Rändern ist immer alles grün. Immer wieder sind vereinzelt Häuser oder sogar (Dschungel-)Dörfer zu sehen, die teils von der restlichen Zivilisation nicht sehr viel mitbekommen.

León

Nach Managua ist dies die einflussreichste Stadt Nicaraguas. Mit seinen antiken Gebäuden, Stadtplätzen und seiner Gastronomie ist sie auch für Touristen durchaus interessant und aufgeschlossen. Unweit davon gab es einen Badesee, der in einem Vulkan eingeschlossen war. Das war eines der schönsten Erlebnisse der Tour.

Granada

Meiner Meinung nach die schönste Stadt mit den prächtigsten Gebäuden. Vor allem die Bootsfahrt zu den "Isletas" im Nicaragua-See war beeindruckend. Dies sind mehr als 300 oft nur wenige Quadratmeter kleine Inseln, welche vor etwa 20.000 Jahren der mittlerweile inaktive Vulkan Mombacho ausgespuckt wurden. Ein Großteil der Inseln ist von ungewöhnlicher Vegetation bedeckt und Lebensraum wichtiger Vogelarten. Einige davon sind aber auch Urlaubs-Residenzen von reichen Personen, welche sich diejenige Insel gekauft haben.

Gastronomie

Reis mit Bohnen. So lautete das simple Rezept für Gallo Pinto, das traditionelle Gericht in Nicaragua und Costa Rica. Sonstige Spezialitäten sind Tacos, Hühnerfleisch und Nudelgerichte. Alles in allem muss sich ein Österreicher jedoch auf eine gewürzarme Gastronomie einstellen. Aber wo isst ein Österreicher schon besser als daheim? Normale Getränke sind zuckersüße Fruchtsäfte, aber großteils will man bei der Hitze ohnehin nur Wasser trinken. Das Bier ist aber durchaus besser als in vielen europäischen Ländern. Das traditionelle alkoholische Getränk ist der Flor de Caña-Rum gemischt mit Cola.

Touristenaufkommen

Es hat sich noch nicht sehr weit herumgesprochen, dass Nicaragua ein wundervolles Land für Reisen ist. Am meisten überraschte es unsere Gruppe, als wir an einem sehr schönen Strand nahe León fast alleine waren. Auch sonst waren nur sehr selten Touristen anzutreffen.

Unterkünfte

Mit Ausnahme von Managua fand jede unserer Übernachtungen in einem Hostel statt. In Managua verblieben wir die ersten drei Nächte in einem Hotel inklusive Frühstück und Pool. Luxus also, von dem man nicht ausgeht, wenn man die Stadt gesehen hat. Das Flughafenhotel in der letzten Nacht unserer Reise war eine riesige Anlage, in der man sich gar in einem anderen Land wähnte. Die Hostels waren damit natürlich nicht zu vergleichen. Weder gab es 24 Stunden Wasser, noch konnte man Toilettenpapier aufgrund des mäßig ausgebauten Kanalsystems in der Toilette entsorgen. Auch muss man sich darauf einstellen, immer und überall Insekten und Kleintieren begegnen zu können. Allsamt Begebenheiten, auf die man sich einstellen muss, wenn man dieses Land bereist. Was es allerdings in jedem Hostel gab: W-Lan. Weniger als 20 Prozent der Bevölkerung sind online, doch den Touristen wird der Anschluss ans Netz stets gewährleistet.

Während und nach der Reise hielten wir unsere Gedanken in folgendem Blog fest:

KowiFieldtrip
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