10.09.2014, 20:00 Uhr

"Radler sogar im Kongo"

Markus Liebl und Andreas Hunger (l.).

Markus Liebl und Andreas Hunger, Vorstandsmitglieder der Brau Union, im Interview.

BezirksRundschau: Ist im Sommer genug Bier getrunken worden?
Markus Liebl:
Genug kann es nie sein. Wir haben ein interessantes Jahr hinter uns. So volatil wie noch nie. Die ersten vier Monate waren sehr gut. Der Mai war schlecht. Dann war ein toller Juni. Da waren wir auch positiv gestimmt nach der Fußball-WM und wegen des tollen Wetters. Der Juli war mäßig und der August war unmäßig, aber in die falsche Richtung. Wir sind ein wenig hinter den Prognosen. Da sieht man, wie stark das Biergeschäft vom Wetter abhängig ist.

Beim Mineralwasser gab es ja teils starke Einbrüche.
Liebl: Das stimmt. Mit der gesamten Situation müssen wir zurechtkommen. Das Minus ist gering und das kann auch noch leicht ausgeglichen werden. Abgerechnet wird am Ende des Jahres. Unsere Innovationen haben sich jedenfalls bewährt.

Welche?
Liebl: Speziell der Radler und das alkoholfreie Bier. Radler machen bereits acht Prozent des Bierumsatzes aus. Mehr als jeder zweite Radler österreichweit ist von der Marke Gösser. Und auf Platz zwei sind dann Radler der Marke Zipfer. Wir haben da eine herausragende Stellung am Markt. Und die Qualität vom Gösser Radler ist hervorragend.

Wie entwickeln sich die alkoholfreien Biere?
Liebl: Da haben wir schon vor längerer Zeit gesagt, dass diese einen Aufschwung erleben werden. Da haben wir ebenfalls eine starke Stellung am Markt. Obwohl fast jede Brauerei in Österreich ein alkoholfreies Bier im Sortiment hat. Das große deutsche alkoholfreie Bier ist mittlerweile mehr als halbiert worden. Der Marktanteil zum Halbjahr liegt bei 2,5 Prozent vom gesamten Brau Union-Umsatz.

Will die Brau Union die Geschwindigkeit bei den Innovationen beibehalten?
Liebl: Das ist generell ein Trend, der auch noch anhalten wird und zwar in allen Branchen. Wir haben heuer zwei neue Produkte auf den Markt gebracht, die sich übrigens besser als erwartet verkauft haben. Bei Heineken wird übrigens weltweit Radler unter dem Markennamen Radler produziert, sogar im Kongo. Der Radler-Hype hat sich sozusagen weltweit durchgesetzt. Wir werden auf jeden Fall auch nächstes Jahr wieder neue Produkte hervorbringen.
Andreas Hunger: Eine Studie besagt, dass nur elf Prozent des Bierkonsums im Zeitraum von 6 bis 14 Uhr erfolgt. Wir wollen mit den Innovationen auch das Mittagsgeschäft deutlich "bieriger" gestalten.

Wie hoch ist das Potenzial beim Radler und bei alkoholfreiem Bier?
Liebl: Beim Radler sind wir ziemlich am Plafond. Bei alkoholfreiem Bier wird der Anteil in drei Jahren auf fünf Prozent steigen.

Wie schaut es am Rohstoffmarkt aus, auch im Hinblick auf die Regionalität?
Liebl:
Ganz gut. Wir versuchen so viele Rohstoffe wie möglich aus Österreich zu verwenden. Bei der Gerste sind das etwa 85 Prozent. Beim Hopfen liegen wir bei 60 Prozent, haben den aber von 40 Prozent angehoben.
Hunger: Wir sind seit Kurzem auch Partner vom Genussland Oberösterreich. Das war zwar nicht so einfach, aber wir haben alle Kriterien erfüllt.

Gibt es Überlegungen, den Bierpreis zu erhöhen?
Liebl:
Wir schauen uns das immer im Spätherbst an. Das werden wir dann entscheiden.

Wie beurteilen Sie den Wirtschaftsstandort Österreich und im Speziellen Oberösterreich?
Liebl:
Bier ist ein relativ regionales Produkt. Wir haben seit Jahren einen stabilen Heimmarkt. Entscheidend ist, dass wir die Wertigkeit von Bier hochhalten. Es gibt aber einige Sachen in Österreich, die verbesserungswürdig sind.

Welche?
Liebl:
Die Arbeitszeitregelungen zum Beispiel. Wenn wir im Juni nicht geliefert und nicht etliche Überstunden gemacht hätten, hätten wir den regnerischen Sommer niemals weitgehend ausgleichen können. Die steuerliche Situation ist natürlich auch ein Thema, von der eh ein jeder weiß. Und da gibt es noch etliche weitere Sachen.

Welche noch?
Liebl:
Die Energie beispielsweise. Da sind wir aber auch konzernintern sehr gut unterwegs und machen viel in Richtung Energieeffizienz.

Weil Sie aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus dazu gezwungen werden?
Liebl:
Natürlich auch. Es ist immer eine Mischung aus Ökonomie und Ökologie.

Wie schaut es mit der Wertschätzung der Österreicher für die Bierkultur aus?
Liebl:
Das ist ganz wichtig und wir müssen viel dazu beitragen. Da gehören die Regionalität oder die Vielfalt der Produkte dazu.
Hunger: Auch die Gläserkultur oder die Qualität bei der Ausschank. Oder auch Bierkarten.

Ähnlich den Weinkarten.
Hunger:
Genau. Wir drucken davon jährlich etwa 100.00 Stück und bei etwa 4000 Wirten sind diese Bierkarten bereits im Einsatz.

Wie ist es um die Wirtshauskultur bestellt?
Hunger:
Ganz gut. Wir sind auch sehr darum bemüht und arbeiten da auch eng mit der Wirtschaftskammer zusammen.
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