11.11.2016, 10:49 Uhr

Südafrikanisches Pinzgauer-Beef aus Österreich für die wachsende Mittelschicht

Agar-Landesrat Max Hiegelsberger und Farmer Mitch van den Bos auf dessen Farm in der Nähe von Johannesburg, Südafrika.

Rindfleisch mit Qualität wird in Südafrika stark nachgefragt. Die Lebensmittelproduktion ist allerdings zumeist in den Händen weißer Großbauern. Farmer-Kooperationen wollen schwarze Bauern aus der Subsistenzwirtschaft führen.

OÖ/JOHANNESBURG. Mitch van den Bos bedient eine Marktlücke in Südafrika: Pinzgauer. Allerdings nicht die Pferde, sondern die Rinderrasse. Diese zählt in Österreich zu den gefährdeten Rinderarten. In der Provinz Gauteng, eine Autostunde nord-westlich der größten afrikanischen Stadt Johannesburg gelegen, betreibt van den Bos seit 14 Jahren eine Rinderfarm. Er ist einer der wenigen Pinzgauer-Züchter Südafrikas. Auf seiner 33 Hektar großen Farm tummeln sich 450 Kühe, hunderte Schafe, zahlreiche Schweine – beaufsichtigt von 35 Angestellten, einem halben Dutzend Hunden, umrahmt von Palmen, grünen Bäumen, weiten Feldern, zwitschernden Vögeln, lauem Wind und warmen Temperaturen.

Der 49-jährige Farmer ist Stolz auf seine niederländische Herkunft, genauso wie auf seine Mitgliedschaft in der österreichisch-südafrikanischen Freundschaftsgesellschaft. Und sogar die Rinder haben Wurzeln in Österreich – die Pinzgauer-Spermien, mit denen er seine Rinder besamt, stammen aus Salzburg.
Das Pinzgauer-Rindfleisch des Farmers gilt als "bekannter Geheimtipp" im Großraum Johannesburg: "Die Nachfrage nach qualitativ-hochwertigen Fleisch steigt in Südafrika stark an“, so van den Bos. Der Farmer schlachtet selbst, produziert Steaks, Würste, Schmalz, verkauft Eier und sogar selbst gebrautes Bier.

"Nicht genügend junge Farmer"
Mit der wachsenden schwarzen Mittelschicht, die sich in Südafrika seit dem Ende des Apartheid-Regimes langsam herausbildet, steigt das Qualitätsbewusstsein. Gute Qualität ist gefragt. Speziell zartes, mageres Beef – im Idealfall nicht aus Massentierhaltung – wird am Markt stark nachgefragt. Das Steak gehört in Südafrika zu einem guten Essen, genauso wie eine Flasche Rotwein. „Wir schlachten unsere Tiere stressfrei, deshalb ist das Fleisch auch so zart“, sagt van den Bos. .

In Österreich zählen die Pinzgauer hingegen zu den gefährdeten Rinderarten. Eine staatliche Prämie erhalten jene Bauern, die sich Pinzgauer kaufen – 180 Euro pro Jahr pro Rind. Davon kann man in Südafrika freilich nur träumen. „Stimmt es wirklich, dass es in Österreich Prämien für Pinzgauer gibt?", fragt der südafrikanische Farmer.
"Ja, das ist richtig", so der Agarlandesrat Max Hiegelsberger (ÖVP), der vergangene Woche eine oberösterreichische Delegation an die Südspitze Afrikas anführte.

Abseits der offenkundigen Unterschiede zwischen dem österreichischen und südafrikanischen Landwirtschaftssystem, eint die beiden Länder doch die Sorge um den bäuerlichen Nachwuchs. "Es gibt einfach nicht genug junge Menschen, die Farmer werden möchten. Das wird in Zukunft – speziell für die Absicherung der Nahrungsmittelversorgung ein Problem werden", klagt van den Bos.

Viele schwarze und wenige, reiche weiße Farmer
Obwohl die Apartheid Mitte der 1990er Jahre auf dem Misthaufen der Geschichte entsorgt wurde, gibt es große Ungleichgewichte zwischen den südafrikanischen Farmer. Wenige, meist weiße Großbauern, produzieren 80 Prozent der Lebensmittel Südafrikas. Hunderttausende Schwarze sind im Land am Kap zumeist als Angestellte in der Landwirtschaft beschäftigt, oder leben als selbstständige Farmer von Subsistenzwirtschaft – sie müssen also mit dem Erzeugten sich und ihre Familien versorgen.

Strukturelle Hürden sind ebenfalls allgegenwärtig: Schwarze kommen schwerer an Kredite, da sie meistens kein Vermögen zu dessen Besicherung besitzen. Ebenso sind moderne landwirtschaftliche Maschinen Mangelware. All dem hat die AFASA, eine Vereinigung schwarzer Farmer, den Kampf angesagt. "Es kann nicht sein, dass der Beitrag der schwarzen Farmer zur Landwirtschaft vernachlässigbar ist", sagt AFASA-Geschäftsführer Aggrey Mahanjana. Nachsatz: "Unser Ziel ist es, dass bis 2021 50 Farmer pro Jahr und Provinz den Schritt von der Subsistenzwirtschaft hin zu Bauern, die ihre Produkte verkaufen und an der Wertschöpfungskette teilhaben, schaffen", so Aggrey Mahanjana.

Von Seiten Oberösterreichs sei ein Austausch mit der südafrikanischen Farmer-Vereinigung möglich, so Agarlandesrat Max Hiegelsberger im Rahmen eines Arbeitstreffens in Johannesburg. Konkret sei Oberösterreich daran interessiert, das Konzept der Landwirtschaftsschulen sowie der Landwirteausbildung zu vermitteln – ebenfalls ins Auge gefasst wurden "Train the Trainer"-Möglichkeiten. Dabei erhalten ausländische Bauern eine Ausbildung in Österreich, die diese wiederum in ihren jeweiligen Ländern weitergeben.

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