15.11.2016, 16:00 Uhr

"Vorteil für beide Seiten"

Diskutierten über Arbeitszeit (v. l.): Bernhard Glawitsch, Cornelia Pöttinger, Doris Hummer, Werner Schöny, Karl Lehner. (Foto: Cityfoto)

Brauchen wir flexiblere Arbeitszeiten? Dieser Frage ging der Wirtschaftsbund bei einer Enquete nach.

OÖ (pfa). Für den Wirtschaftsbund (WB) – das ist die Vertretung der Unternehmer in der ÖVP – steht fest: Das derzeitige Arbeitszeit-System ist nicht mehr zeitgemäß. Vor allem die Regel, dass Mitarbeiter nicht mehr als zehn Stunden pro Tag arbeiten dürfen, stellt für drei Viertel der Unternehmer ein großes Problem dar. 95 Prozent wünschen sich mehr Kompetenz auf der betrieblichen Ebene – also dass Chefs und ihre Mitarbeiter im Einvernehmen die Arbeitszeit regeln können. Diese Ergebnisse einer Umfrage unter den WB-Mitgliedern präsentierte deren Obfrau Doris Hummer am Montag bei einer Podiumsdiskussion. Der Tenor: Eine Flexibilisierung der Arbeitszeit komme beiden Seiten zugute, nach dem Motto "Mehr arbeiten, wenn viel Arbeit da ist – mehr Freizeit, wenn weniger Arbeit da ist".

Information und Dialog

Das Wort "Arbeitszeitflexibilisierung" löse bei vielen Arbeitnehmern Verunsicherung aus, berichtete Cornelia Pöttinger, Betriebsratsvorsitzende des OÖ Hilfswerks. "Müssen wir immer zur Verfügung stehen? Habe ich dann noch Zeit für die Familie?" Solche Fragen quälen viele Mitarbeiter. Daher seien Information und der Dialog zwischen Unternehmern und deren Mitarbeitern das Um und Auf.
Psychiater Werner Schöny referierte von den medizinischen Auswirkungen einer längeren Arbeitszeit. Arbeit sei ein wesentlicher Aspekt zum Gesundbleiben. Zwei Dinge seien dabei für das Wohlbefinden von Bedeutung: Transparenz und Selbstverantwortlichkeit. In der Praxis heißt das, dass die Mitarbeiter verstehen müssen, warum temporär mehr gearbeitet werden soll und man ihnen Freiräume bietet.
Rechtsanwalt Bernhard Glawitsch sprach sich für eine Reform aus, da das Gesetz keine Rechtssicherheit mehr biete: "Regeln, die man in der Praxis nicht mehr einhalten kann, sind unwürdig und reformbedürftig!"
Aus der Praxis berichtete am Podium gespag-Chef Karl Lehner. In den Landesspitälern gebe es rund 150 verschiedene Arbeitszeitmodelle: "Es ist weder nachhaltig noch zielführend, etwas zu tun, das die Mitarbeiter nicht wollen."
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