02.06.2015, 09:26 Uhr

Gefälschte Medikamente aus dem Internet können der Gesundheit schaden

v.l.n.r Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, Max Wellan, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer, Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (Foto: Arnold Burghardt)

Schätzungen zufolge werden durch Arzneimittelfälschungen im Internet weltweit 100 Milliarden Dollar pro Jahr umgesetzt. Die Kampagne "Auf der sicheren Seite" soll nun Konsumenten über die Problematik von gefälschten Pillen aufklären und über mögliche Gefahren informieren.

"Oft sind die Heilmittel schlimmer als die Krankheit", besagt ein bekanntes Sprichwort. Führt man sich die Menge an gefälschten Medikamenten vor Augen, die zu tausenden virtuell über den Ladentisch gehen, so stimmt das auch. "Die Angebote aus dem Internet sind mittlerweile unüberschaubar", so Innenministerin Johanna Mikl-Leitner anlässlich einer Pressekonferenz. Viele dieser gefälschten Arzneimittel (besonders beliebt sind in Österreich potenzfördernde Mittel, Muskelaufbaupräparate und Schlankheitspillen) werden unter schlimmsten hygienischen Bedingungen z.B. in Indien, China und anderen südostasiatischen Ländern hergestellt. Sie können mit Staub, Straßenfarbe, Giften und Abfall verunreinigt sein und im schlimmsten Fall der Gesundheit schaden.

Die AGES Medizinmarktaufsicht, die dem Gesundheitsministerium untersteht, hat auf diesen bedenklichen Trend reagiert und in den letzten Jahren mehr als 4.000 Verdachtsproben analysiert. 95 Prozent aller dieser getesten Proben waren gefälschte oder illegale Produkte, oftmals mit anderen Inhaltsstoffen als deklariert und in falscher Dosierung", erklärt Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser die Gefahren.

Aufklärende Offensive gestartet

All das bedeutet für die Politik, einem umfassenden Informationsbedarf nachzukommen. Die Österreichische Apothekerkammer, das Innenministerium und das Gesundheitsministerium warnen daher nun in einer gemeinsamen Aufklärungskampagne "Auf der sicheren Seite" vor gefälschten Medikamenten aus dem Internet. "Ziel der Kampagne ist es, die Bevölkerung zu sensibilisieren und darüber zu informieren, dass mit dem Kauf von Medikamenten im Internet, oft kriminelle Machenschaften unterstützt werden", so Mikl-Leitner.
Von der rechtlichen Situation in Österreich bis hin zu ständig neuen News zu den polizeilichen Aufgriffen von Fälschungen können unter
http://www.auf-der-sicheren-seite.at nachgelesen werden.

Umfrage der Österreichischen Apothekerkammer

Eine repräsentative Umfrage unter 1000 Personen im April und Mai 2015, die vom Österreichischen Apothekerkammer Präsident Max Wellan während der Pressekonferenz vorgestellt wurde, zeigt zudem einen bedenklichen Trend auf. Die Hälfte der Österreicher (48 Prozent) weiß nicht, dass der Verkauf von rezeptpflichtigen Medikamenten im Internet verboten ist. Was rezeptpflichtig ist und was nicht, ist vielen Kunden ebenfalls nicht klar. So gaben 31 Prozent der Befragten an, das Potenzmittel Viagra sei rezeptfrei. Gar 60 Prozent der Österreicher glauben, testosteronhältige Arzneimittel seien erlaubterweise ebenfalls rezeptfrei im Internet zu bestellen. Und sogar 65 Prozent sind der ebenfalls falschen Ansicht, die Schlankheitspille Xenical könne rezeptfrei im Internet bestellt werden. Richtig ist jedoch vielmehr, dass all diese Produktgruppen rezeptpflichtig sind und nur illegal im Internet erhältlich sind.

Ab Juni legaler Versandhandel für rezeptfreie Medikamente

Ab 25. Juni 2015 dürfen nun auch rezeptfreie Medikamente in Österreich über das Internet verkauft werden. Wichtig jedoch: Verkaufen dürfen nur Apotheken, die ihren Sitz in Österreich haben. "Die hohen Qualitätsvorgaben und der Versand ausschließlich über Apotheken schützen die Konsumenten so vor Arzneimittelfälschungen und erhöhen die Arzneimittelsicherheit", erklärt Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser.
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Jochen Mosquera aus Salzkammergut | 02.06.2015 | 10:21   Melden
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