13.09.2018, 08:00 Uhr

Pandemie wütete wie die Pest

Zahlreiche Notlazarette mussten eingerichtet werden. (Foto: Everett Historical / Shutterstock)

Die Spanische Grippe überschattete das Kriegsende

Gegen Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Welt von der bisher schwersten Grippeepidemie heimgesucht. Die rege Reisetätigkeit während der Kriegsjahre bot einem hochaggresiven Virus – einem mutierten Vogelgrippevirus – ideale Bedingungen, um sich rasch auf allen Kontinenten auszubreiten. Zwischen dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Jahr 1920 raffte die Spanische Grippe zig Millionen Menschen hin. Eines der prominentesten österreichischen Opfer war der gerade einmal 28 Jahre alte Maler Egon Schiele. Das ist typisch für die Spanische Grippe: Die meisten Betroffenen waren zwischen 15 und 40 Jahre alt. Auf das Virus reagierten die Erkrankten mit überschießenden Immunreaktionen. Sie wurden von schweren Fieberschüben gebeutelt, häufig führte eine zusätzliche bakterielle Infektion zu lebensbedrohlichen Lungen- oder Rippenfellentzündungen. Damals bekannte Medikamente, wie Aspirin oder Chinin, brachten nicht den erhofften Heilungserfolg. Besser wirkte schließlich ein spezielles antibakterielles Serum. Heutzutage können sich Risikogruppen durch eine Impfung schützen, Symptome können mit modernen Medikamenten gut behandelt werden.

Medial kaum präsent

In weiten Teilen lag das öffentliche Leben lahm. Doch trotz der verheerenden Auswirkungen der Pandemie war damals in der heimischen Presse kaum etwas darüber zu lesen. "Die Spanische Grippe stand medial im Schatten des Ersten Weltkrieges obwohl sie mehr Todesopfer forderte als der Krieg", erzählt der Historiker Herwig Czech von der Medizinischen Universität Wien. Man wollte wohl in den Kriegswirren die Bevölkerung nicht zusätzlich verunsichern. Wesentlich präsenter war die Spanische Grippe in den Medien jenes Landes, das der Erkrankung ihren umgangssprachlichen Namen gab. Im neutralen Spanien gab es im Jahr 1918 keine Militärzensur, und so konnte dort über den Verlauf der unheilvollen Grippe berichtet werden. Der Name bezieht sich also nicht auf das Herkunftsland. Viel wahrscheinlicher hatte die Spanische Grippe ihren Ursprung in Amerika.


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willi kuchling aus Schwaz | 15.09.2018 | 18:35   Melden
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Ernest Ganster aus Mürztal | 16.09.2018 | 17:00   Melden
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