05.04.2018, 09:27 Uhr

David Krems' Roman "Falsches Licht": Liebesgeschichte mit Fototheorie - mit Gewinnspiel

Der Experimentalfilmemacher und gebürtige "Kaisermühlener" David Krems zeigt auch als Schriftsteller Talent. (Foto: Paul Feuersänger)

Der Medienwissenschaftler und Experimentalfilmemacher David Krems beweist mit seinem im Picus Verlag erschienen Debütroman, dass er nicht nur visuell, sondern auch literarisch ein Talent zum Geschichten erzählen hat. Und eigentlich geht es die ganze Zeit um Fototheorie – nur merkt das der Leser nicht.

ÖSTERREICH. Im Zentrum steht ein altbekanntes Foto, das die Vergangenheit des Protagonisten, einfach nur Schotter genannt, in ein neues Licht wirft. Dazu kommt eine vor vielen Jahren zu Ende gegangene Affäre mit einer verheirateten Frau, dessen Ehemann sich überraschend bei Schotter meldet und ein Unbekannter namens Alka, der plötzlich auch noch in Schotters Leben auftaucht und seiner Ex-Geliebten erstaunlich ähnlich sieht. Das ist der Stoff, aus dem David Krems einen ausgefinkelten Debütroman gestrickt hat. Es ist eine Hommage an die analoge Fotografie, verpackt in eine Liebesgeschichte mit Genre-Elementen. meinbezirk.at traf sich mit dem gebürtigen Kaisermühlener im Stadtcafe gleich gegenüber dem Kunstforum der Bank Austria, wo gerade die Ausstellung über den Fotografen Man Ray läuft.

Wer ist dein Lieblingsfotograf?
DAVID KREMS: Ich tue mir schwer, jemanden herauszuheben. Vor allem was die historischen Fotografen angeht – da ist schon alles so überladen.

Wie steht es mit Man Ray und die Ausstellung gegenüber im Kunstforum?
Genau das meine ich: Auf dem Plakat für die Ausstellung ist das berühmteste Foto von ihm zu sehen ("Die Violine von Ingres", 1924). Damit ist das Thema oft auch schon wieder erledigt. Ein Fotograf wird so auf ein Bild verkürzt. Das ist schade.

Aber in meinem Buch gibt es klare Referenzen, wobei ich diese nie kenntlich mache. An jener Stelle etwa, an der Schotter künstlerische Arbeiten für eine Ausstellung anfertigt, hatte ich ganz klar die Arbeiten des Spanischen Fotografen Jose Manuel Ballester vor Augen. Was jetzt aber nicht heißen soll, dass immer so dick aufgetragen werden muss. Grundsätzlich ist das tolle an Fotografie ja, dass sie auf ganz unterschiedliche Weise faszinieren kann. Ich mag auch ganz spontane Aufnahmen, wie man sie von der Straßenfotografie her kennt. Es gibt im Buch deshalb auch eine versteckte Referenz an Garry Winogrand, der als „Vater“ der US-amerikanischen street photography gilt.

Aber jetzt zur Handlung? Was war das Motiv für den Roman?
Ausgangspunkt für den Roman ist der Rückgriff auf eine Fotografie, die nicht neu ist, einen aber veranlasst, seine Vergangenheit neu zu bewerten. Das ist in der Fototheorie ein immer wiederkehrendes Thema: Eine Fotografie kann abhängig von der Situation des Betrachters unterschiedlich interpretiert werden.

Das Buch entstand parallel zu deiner Dissertation über Fototheorie und gleichzeitig hast du eine Familie mit zwei kleinen Kindern. Wie schafft man diesen Spagat – geistig und zeitlich?
Der Roman war eher Katalysator für die Dissertation. Beim Schreiben konnte ich Aspekte der Fototheorie zu dem werden lassen, wie ich es mir vorstelle. In der Wissenschaft ist das Korsett ja sehr eng. Und was die Zeit angeht: Sobald meine Familie schlafen gegangen ist, habe ich mich mit meinem Laptop an den Küchentisch gesetzt und geschrieben - und dafür oft mit ein, zwei Stunden weniger Schlaf bezahlt.

Die Handlungsorte des Romans wechseln zwischen den Reisen des Paars und dem Heimatort Schotters ab. Das Zuhause des Protagonisten, wirkt im Gegensatz zu den Urlaubsorten blass. Man erfährt nur beiläufig, dass es Wien ist. Warum?

Weil in dem Roman die Orte abseits der Heimatstadt zentral sind, denn nur dort kann das Paar zusammen sein und intensiv leben. Wohingegen das Zuhause einen entemotionalisierten Raum darstellt.

Obwohl der Roman in der Gegenwart spielt, kommen weder Smartphones noch Digitalkameras explizit vor, dafür aber Telefonzellen, Festnetzanschlüsse und jede Menge analoge Fotokameras. Was bedeutet für dich die Digitalfotografie?
Wie schon der Titel des Buches andeutet "Falsches Licht" (lacht). Ich gehöre zu denjenigen, die der Meinung sind, dass der Sprung von der analogen zur digitalen Fotografie so ähnlich bewertet werden muss, wie der Sprung von der Malerei zur Erfindung der Fotografie. Aber auch ich habe zwei Digitalkameras – das darf aber niemand wissen.

Findest du Wien fotogen?

Das kommt auf die jeweilige Situation an. Für Touristen ist Wien natürlich vor allem aufgrund seiner historischen Bausubstanz interessant. Das ist nachvollziehbar, dabei aber nicht wahnsinnig spannend. Wenn man selbst hier lebt, fallen einem dann andere Dinge auf. Ich denke etwa an die Arbeiten des Wiener Fotografen Stefan Oláh, der hier immer wieder ganz spezielle Aspekte aufzeigt. Sei es die Architektur der 50er-Jahre oder eine Serie über Würstelstände. Ich selbst bin gerade wieder einmal umgezogen. Eine Gegend, die ich zu Kennen geglaubt hatte. Dennoch entdecke ich jetzt jeden Tag Neues. Jedes Grätzel hat eben seine eigene Geschichte und damit verbundene Motive.

Was meinen „Geburtsort“ Kaisermühlen angeht, gibt es einen interessanten Aspekt. Hier gab es in den letzten Jahrzehnten große städtebauliche Entwicklungen. Wenn man sich Fotos ansieht, sind es deshalb vor allem die Veränderungen, die überraschen. Auch wenn die Fotos noch gar nicht wahnsinnig alt sind. Die Bebauung der Donauplatte etwa. Es gibt Fotos aus meiner Kindheit, auf denen ist die Uno City noch das größte Gebäude. Ich kann mich auch an ein Foto erinnern, das meinen Bruder im Kinderwagen zeigt. Im Hintergrund die eingestürzte Reichsbrücke. Hier ist einfach unheimlich viel geschehen. Es verfügt wohl jeder Kaisermühlner über sein eigenes Vienna Vintage-Fotoarchiv.

Gewinnspiel

Schick' uns 1 Foto aus deiner Wiener Kindheit, auf dem ein Gebäude, Park, Straße, Platz etc. zu sehen ist. Wie hat sich das Stadtbild verändert (oder auch nicht)? Schreibe ein paar Zeilen zum Foto (Datum, Ort, Situation, was ist zu sehen) und gewinne das Buch "Falsches Licht" von David Krems! Das Gewinnerbild wird von einer Jury gewählt.

Einsendemöglichkeiten:
>> Als Regionaut (Leserreporter): Melde dich auf www.meinbezirk.at an und lade das eingescannte Bild in diesem Beitrag hoch! 
>> Per Post: An bz-Wiener Bezirkszeitung c/o Linda Osusky, Weyringergasse 35, 1040 Wien (Foto wird auf Wunsch wieder zurückgesendet)
Einsendeschluss ist der 30. April (Poststempel).

Jetzt mitmachen (Teilnahmeschluss 30.04.2018)

Foto hochladen

Teilnahme

Um teilzunehmen, müssen Sie sich registrieren. Dies können Sie gleich im Anschluss tun, wenn Sie auf Registrieren und mitmachen klicken.

2 Bilder zur Aktion:

2
Diesen Mitgliedern gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.