22.07.2016, 10:46 Uhr

Franz Fischler: "Populismus ist Gift für Zusammenarbeit"

Franz Fischler bei den Kommunalen Sommergesprächen in Bad Aussee: "Die Brexit-Entscheidung hat auch gezeigt, dass Populisten die Menschen sehr bewusst anlügen und das nachher zum Teil ja auch zugeben." (Foto: event.fotograf.at)

Bei den Kommunalen Sommergesprächen in Bad Aussee widmete sich Franz Fischler, ehemaliger EU-Kommissar und jetziger Präsident des Forums Alpbach den Problemen, die die „Individualismusfalle" mit sich bringt.

ÖSTERREICH. „Wir leben in einem Land, das vermutlich die höchste Dichte an Vereinen in Europa oder sogar weltweit hat. Trotzdem gibt es Bereiche und Formen des Zusammenlebens, in denen wir diese Strukturen auch wieder mit Menschlichkeit, Freude und Zusammenhalt füllen müssen."

Die Kooperation sei eine evolutionäre Entwicklung. „In den letzten paar tausend Jahren hat sich herausgestellt, dass Kooperation und Zusammenarbeit immer bessere Ergebnisse bringt als alleiniges Handeln. Auch wenn Kooperation ein hohes Maß an Organisation und Empathie für den anderen erfordert. Dazu braucht es auch Selbstdisziplin, um getroffene Vereinbarungen zu halten. Kooperation ist aber auch evolutionär ein sehr, sehr langwieriger Prozess. Dafür braucht man oft einen langen Atem. Der Erfolg und das Wesen einer Kooperation ist aber sehr oft eben auch, dass eins und eins auch mehr als zwei ergeben kann."

Populismus gaukelt einfache Lösungen vor

Das Gift für die Zusammenarbeit sei der Populismus, der einfache Lösungen vorgaukle. Die Brexit-Entscheidung habe auch gezeigt, dass Populisten die Menschen sehr bewusst anlügen und das nachher zum Teil ja auch zugeben.

Fischler: „Beim Brexit war es so, dass die politischen, wirtschaftlichen und intellektuellen Eliten weitgehend für den Verbleib in der EU waren. Es ist aber nicht gelungen, dass so zur Bevölkerung durchzutragen. Die Frage ist also, wie die Eliten mit der Bevölkerung künftig kommunizieren wollen. Man darf Kommunikation nicht mit Information verwechseln. Kommunikation ist ein beidseitiger Prozess, sie muss von beiden Seiten gewollt sein, Information ist nur ein Teil davon."

Gesellschaft von unten nach oben bauen

Im Sinne der Subsidiarität müsse man daher die Gesellschaft von unten nach oben bauen, so Fischler, und nicht von oben nach unten regieren. "Man muss erklären können: Dort, wo wir miteinander mehr Nutzen erzielen können, dort müssen wir dieses Potential nutzen, anstatt alleine zur arbeiten. Es braucht viel mehr Miteinander. Den Nutzen muss man aber auch bewerben und erklären, worin er besteht. Es soll uns nicht überraschen oder müde machen, wenn diese Dinge Zeit brauchen."

Lesen Sie auch:
* "Die Gemeinden wollen ein Vorbild sein"
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.