19.08.2016, 09:43 Uhr

ZAMG-Chef Staudinger: "Unser Wetter wird extrem"

"Bauernregeln sind nicht schlecht. Sie enthalten die Erfahrung der letzten 500 Jahre", sagt Michael Staudinger von der ZAMG. (Foto: Arnold Burghardt)

Wie er und seine Kollegen das Wetter vorhersagen, verrät Michael Staudinger, Chef-Meteorologe der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), im Interview.

Herr Staudinger, wie wird man Meteorologe
MICHAEL STAUDINGER: Ich habe Meteorologie an der Universität Innsbruck studiert.

Wie kommt eine Wettervorhersage zustande?
Millionen von Daten über Druck, Temperatur, Wind und Luftfeuchtigkeit zeigen den momentanen Zustand, aus dem wir eine Prognose errechnen. Diese Daten werden von Radiosonden, die mit Ballons bis in 30 Kilometer Höhe aufsteigen, Wettersatelliten, Bojen im Ozean und Flugzeugen gesammelt.

Wie gut werden Vorhersagen in 50 Jahren sein?
Die Qualität, die vor 40 Jahren für den zweiten Tag galt, erreichen wir heute für den sechsten Tag. Wie das in Zukunft sein wird, hängt von Rechnerleistung und Satellitentechnik ab. Laut dem Moore'schen Gesetz verdoppelt sich die Rechnerleistung jedes Jahr. Sie wird aber sicher noch präziser werden und wahrscheinlich wird man die nächsten 20 Tage gut voraussagen können.

Haben Sie einen Bauernkalender?
Ich nicht. Aber viele Meteorologen schauen sich das an und vergleichen. Und einige Bauernregeln sind nicht schlecht. Sie beinhalten die Erfahrung der letzten 500 Jahre.

Michael Staudinger im Interview mit meinbezirk.at
"Wenn wir so weiter machen wie bisher, steigt die Temperatur bis 2100 um bis zu sieben Grad Celsius an", sagt Michael Staudinger im Interview. (Foto: Arnold Burghardt)

Stimmt der Eindruck, dass sich Unwetter häufen?
Teilweise. Die mediale Aufmerksamkeit ist bei Unwetter zwar groß. Aber wir sehen auch, dass sich die Niederschlagscharakteristiken ändern. Das ist ein Riesenproblem für die gesetzten Schutzmaßnahmen. Verbauungen an Bächen und der Vermurungsschutz sind auf eine gewisse Niederschlagsmenge ausgelegt. Wenn diese etwas größer ist, dann hat man sofort größere Schäden. Die Modelle zeigen, dass das Wetter in bestimmten Regionen extremer wird.

Liegt das am Klimawandel?
Trotz natürlicher Schwankungen, spielt er eine große Rolle.

Welche Folgen hat der Klimawandel für Österreich?
Wenn wir so weiter machen wie bisher, steigt die Temperatur bis 2100 um bis zu sieben Grad Celsius an. Gletscher verschwinden, Wien wird bis dahin das Klima Neapels haben und für Landwirte werden Dürren und Bodenerosion problematisch.

Grafik: Zahl der Hitzetage pro Jahr
Quelle: ZAMG; Grafik: RMA

Was kann jeder tun?
Aufhören zu glauben "Was ich tue, macht keinen Unterschied". In Europa haben wir einen zehnfach höheren Energieverbrauch als im Weltdurchschnitt. Alles was wir machen, hat die zehnfache Wirkung. Der Klimawandel ist eine Chance, die Wirtschaft auf nachhaltige Energienutzung umzustellen. Und er bietet für österreichische Unternehmen eine Riesenchance weltweit Technologieführer etwa bei Wasseraufbereitung, intelligenter Energienutzung und dezentraler Energiespeicherung zu werden.

Was ist eigentlich aus dem sauren Regen und dem Ozonloch geworden?
Saurer Regen wurde durch die Verwendung von Kohle und Heizöl schwer verursacht. Das ist ein typisches Beispiel für Vorgaben aus der Umweltpolitik an die Industrie, die ihre Wirkung gezeigt haben. Das Gleiche beim Ozonloch. Hier hat der Emissionsstopp von FCKW dazu geführt, dass die Ozonschicht nicht weiter angegriffen wird und sich das Loch langsam schließt. Im Vergleich zu den Treibhausgasen waren dies jedoch überschaubare Probleme.

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Harald Schober aus Weiz | 22.08.2016 | 07:40   Melden
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Linda Osusky aus Land Österreich | 22.08.2016 | 08:24   Melden
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