01.09.2014, 17:00 Uhr

Blackout: "Tun alles, um es zu vermeiden"

Ulrike Baumgartner-Gabitzer, Chefin der APG: "Oft wird vergessen, dass erneuerbare Energien Schwankungen unterliegen." (Foto: Christian Schwarz)

Eine Firma mit 437 Mitarbeitern steuert in Österreich alle Übertragungsnetze, doch niemand kennt sie.

WIEN (kast). Erst wenn kein Strom mehr fließt und die Kaffeemaschine am Morgen streikt, wird jedem sofort bewusst, wie abhängig unsere Gesellschaft doch von der Versorgungssicherheit an Strom ist. Ohne Strom geht nichts mehr. Da ist die Kaffeemaschine im Vergleich zu lebenserhaltenden Gerätschaften noch entbehrlich.
So genannte Blackouts, also Teil- und Totalausfälle, hat es in der Vergangenheit in einzelnen Regionen Deutschlands, Italiens und Spaniens schon öfter gegeben. "Wir lernen aus den Ereignissen anderer und sind daher ständig im Austausch mit unseren Partnern", erklärt Ulrike Baumgartner-Gabitzer beim Rundgang. Sie steht der Austrian Power Grid (APG) vor und gewährt einen Einblick in die Schaltzentrale der heimischen Stromverteilung.
An einem verlassenen wie unscheinbaren Streifen zwischen Wien und Niederösterreich liegt das Hauptkommando. Von dort aus werden mehr als 62 Umspannwerke und Schaltanlagen sowie 3.500 Kilometer Stromnetze kontrolliert. Auch die Netze der angrenzenden Länder sind auf dem überdimensionalen Monitor abgebildet. Alles in Echtzeit.

Starke Netzwerke gefragt
Akustische Signale, wie ein Läuten oder ein Gong, weisen darauf hin, dass manche Netze am Limit sind. Nicht so schlimm, beruhigt ein Techniker, alles im Rahmen. Doch würde im Ernstfall ein Kraftwerk ausfallen, müsste insgesamt so viel Kapazität von anderen Kraftwerken vorhanden sein, "dass sich die Netze rasch stabilisieren lassen". Damit spricht der Experte die "N-1-Regel" an. Sie gilt in ganz Eu-ropa, damit sich die Länder bei Ausfällen gegenseitig mit Strom unterstützen können. Ein Blick auf die Landkarte samt eingezeichneter Stromnetze zeigt, wie engmaschig – zumindest am Papier – die europäischen Länder miteinander verwoben sind.

Milliarden-Investition
Aufgrund der Energiewende, vor allem von Deutschland ausgehend, aber auch von Österreich, mehr Strom aus Sonne und Wind zu erzeugen, benötigt es nun stärkere Netze. "Früher stand das Kraftwerk in der Nähe der Verbraucher. Heute stehen die Windräder dort, wo eben Wind weht. Der Konsument ist aber kilometerweit entfernt", erklärt die Vorstandsdirektorin. Daher nimmt die APG für die kommenden zehn Jahre etwa zwei Milliarden Euro in die Hand, um Umspannwerke sowie Netze auszubauen und zu modernisieren.

Floriani-Prinzip beim Ausbau
Doch der Ausbau der Netze stößt auf heftigen Widerstand, wie in der Oststeiermark und in Salzburg ersichtlich wurde. "Die Steiermarkleitung wird jetzt, wo sie fertig ist, als weniger störend empfunden, als befürchtet wurde", meint Baumgartner-Gabitzer. Gleiches könnte sich ihrer Meinung nach auch bei der Salzburgleitung bewahrheiten. Sie hofft, dass dort am Ende das Floriani-Prinzip den Sachargumenten weicht.

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Herbert Saurugg aus Meidling | 01.09.2014 | 20:32   Melden
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