19.05.2017, 11:14 Uhr

Der Landwirtschaft droht ein Hitzschlag

Hermann Schultes, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich: "Ohne Gegenmaßnahmen, wird der Pflanzenanbau in den Trockengebieten Österreichs immer schwieriger."

Der Sommer steht vor der Tür. Und damit stehen uns wieder Hitze und Dürre bevor. Dazu kommt, dass durch den Klimawandel viele Regionen Österreichs ohnehin schon mit immer weniger Niederschlag rechnen müssen.

Laut Landwirtschaftskammer Österreich misst man im östlichen Waldviertel, im Weinviertel, im Wiener Becken, speziell im Marchfeld und ebenso im Nordburgenland bereits weniger als 600 mm Niederschlag pro Jahr (ein Millimeter ist gleich ein Liter pro Quadratmeter).

Zum Vergleich: Im Zentralalpenraum beträgt der Jahresschnitt 2.000 Millimeter und darüber. Neben dem Nordosten ist dann auch noch der Südosten Österreichs von zunehmender Trockenheit betroffen.

Mehr als 40 Grad Celsius

Dazu kommt die Hitze. "In den nächsten Jahrzehnten muss man damit rechnen, dass auch immer häufiger Maximaltemperaturen jenseits der 40 Grad Celsius auftreten", so einer der führenden Klimatologen der Wiener Universität für Bodeskultur, Herbert Formayer.

Bei einer Veranstaltung der Landwirtschaftskammer zum Thema "Lebensquell Wasser: Wie lange noch?" präsentierte Formayer folgende Prognose: "Derzeit werden in den wärmsten Regionen Ostösterreichs durchschnittlich jährlich 20 Hitzetage mit dem Temperaturmaximum von 30 Grad plus gezählt. In den kommenden Jahren und Jahrzehnten könnte diese Zahl auf 40 steigen."

Dramatische Konsequenzen

Für den Ackerbau und damit für die heimische Lebensmittelversorgung hat das dramatische Konsequenzen. "Wasser ist der Hauptbestandteil unserer Produkte. Spinat etwa besteht zu 95 Prozent aus Wasser" erklärt uns Jan Haspeslagh.

Haspeslagh ist der Chef des größten europäischen Tiefkühlgemüseherstellers Ardo, der auch ein Werk im Marchfeld betreibt und dort jährlich 50.000 Tonnen Tiefkühlgemüse verarbeitet.

Freilich: ohne künstliche Bewässerung geht im Marchfeld schon lange nichts mehr. In ganz Niederösterreich werden derzeit 100.000 Hektar künstlich bewässert. Durch den Klimawandel könnten es bald 250.000 Hektar sein. Das wäre dann ein Viertel der ganzen Agrarfläche Niederösterreichs.

Der Grundwasserspiegel sinkt

Problem: die bevorzugte Ressource für die Bewässerung ist das Grundwasser. Der Grundwasserspiegel aber sinkt. Nun soll die Donau in diesen Regionen besser angezapft werden. Die Landwirtschaftskammer hat daher soeben eine dringliche Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

Diese soll aufzeigen, welche technischen Möglichkeiten es für die Bewässerung mit Donauwasser gibt, so der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Hermann Schultes. "Ohne Gegenmaßnahmen, wird der Pflanzenanbau in den Trockengebieten Österreichs immer schwieriger."

Landwirtschaft vor großen Veränderungen

Wie überhaupt Schultes die heimische Landwirtschaft generell vor großen Herausforderungen sieht, wenn sie weiterhin die Lebensmittelversorgung sicher stellen soll. "Wenn der Wassermangel breiter und länger wird, werden sich alle Landwirte anpassen müssen, was die Wahl der Kulturen und Sorten und die Fruchtfolge im Ackerbau betrifft."

Wiederaufforstung wird schwieriger

Auch die Tierhalter werden die Nutzung ihrer Grünlandflächen und die Zusammensetzung der Futtermittel neu ausrichten müssen, so Schultes. Und nicht zuletzt steht auch der Wald durch den Klimawandel unter Stress.

Die Wiederaufforstung wird durch den Niederschlagsmangel immer schwieriger. Eine drohende Karst-Bildung sieht Schultes freilich nicht. Eine Strategie zur Wasserzukunft sichere aber unsere besondere Stellung in Europa, so Schultes abschließend zum Thema.
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