14.06.2018, 15:29 Uhr

Der Wolf in Österreich: Fünf-Punkte-Aktionsprogramm vorgestellt

Die Wolfspopulation steigt. Auch in Österreich. (Foto: Ralph Frank)

Der Wolf ist auf dem Vormarsch. Das ist allerdings kein Grund, um gleich in Panik auszubrechen, meint zumindest der WWF. Die Organisation stellte ein Fünf-Punkte-Aktionsprogramm vor, das den Schutz von Weidetieren in den Vordergrund stellen soll.

ÖSTERREICH. Am 15. Juni tagen im burgenländischen Stegersbach die Agrar-Referenten aller Bundesländer, die in Österreich für den Schutz und das Management des Wolfs zuständig sind. Aus diesem Grund stellte der WWF in Zusammenarbeit mit Praktikern ein Fünf-Punkte-Aktionsprogramm vor, das laut Wolfsexperten Christian Pichler zu sachlicher Lösungsfindung beitragen soll. 

Fünf Punkte für den Schutz der Weidentiere

"Wölfe sind EU-rechtlich streng geschützt, ihr hoher Schutzstatus wird sich so bald nicht ändern", meint Pichler. Da es aber schon jetzt erste Übergriffe auf Weidetiere gegeben hat, bräuchte es rasche Lösungsansätze.

Ein Hauptpunkt wäre laut WWF-Programm der Herdenschutz. Hier möchte man nicht nur auf die klassischen Varianten wie Behirtung oder Herdenschutzhunde, sondern auch auf den technischen Schutz durch Elektrozäune oder Drohnen setzen. Durch kontinuierliches Monitoring, sollen auch regelmäßig Daten erhoben werden, wo sich wieviele Wölfe aufhalten, um jederzeit einen genauen Überblick über die Wolfspopulation in Österreich zu haben.

Falls es zu Tierverlusten kommt, sollen die Betroffenen, laut dem Fünf-Punkte-Plan, unkompliziert und rasch entschädigt werden. Gleichzeitig wünscht man sich eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Bundesländern und den Nachbarländern und eine sachliche Berichterstattung ohne Panikmache.


"Wolf hat Platz, aber nicht überall"

Dieser Meinung ist Franz Puchegger, Obmann des Ökologischen Jagdverbandes Österreich. "Problemwölfe" können zum Abschuss freigegeben werden, wenn sie dem Menschen zu nahe kommen oder gefährlich werden, sagt Puchegger.

Im Ernstfall und bei Gefährdung der Sicherheit ist bereits jetzt, trotz strengem Schutzstatus des Wolfs, die Vergrämung oder Tötung des Raubtieres erlaubt. "Wir züchten uns die 'Problemwölfe' selbst", meint Willi Klaffl, Herdenschutz-Praktiker und Schafhalter aus Niederösterreich. Solange es keinen geförderten Herdenschutz gäbe, würde man den Wölfen eine Nahrungsquelle am Präsentierteller servieren. 

Ein Blick über die Grenzen

Vorbild und Inspiration in dieser Sache sollen Länder wie Rumänien, Schweiz oder Südtirol dienen. So wurde erst vor kurzem in Norditalien beschlossen, dass die Bauern eine Förderung von acht Euro pro Laufmeter Elektrozaun vom Land bekommen.

Auch in der Schweiz gibt es Förderungen vom Bund und über 200 aktive Herdenschutzhunde, die die Landwirte unterstützen. In Rumänien hingegen setzt man zusätzlich zu Hirtenhunden auch auf die humane Behirtung der Schafsherden.

Für rund neun Millionen Schafe gibt es dort rund 60.000 Hirten und Schäfer. In Österreich sollen die Bauern aber selbst entscheiden können, welche Art von Herdenschutz für ihre Herden am besten geeignet ist. So könnte es auch jederzeit eine Kombination aus technischem und klassischem Herdenschutz sein. 

Zur Sache

Aktuell gibt es laut WWF rund 17-20 Wölfe in Österreich. Die genaue Zahl kann man derzeit aber nicht feststellen, da die Jungtiere gerade erst geboren wurden. Bisher wurden in jedem Bundesland, außer in Wien, Wölfe zumindest schon einmal gesichtet. Im Jahr 2017 wurden von 260.000 Schafen auf den Almen, 21 Schafe vom Wolf gerissen.

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Leserbriefe

Klartext

Die Wiederansiedlung des Wolfes ist ein Verbrechen am Bauerntum im Alpenraum. Der aufgenötigte Herdenschutz treibt uns in die Unwirtschaftlichkeit und ist ein Anschlag gegen die Viehhalter und den Steuerzahler. Man bedenke dabei die natürlichen Wildwechsel und die Wegefreiheit im Tourismus. Die gesetzlichen Ansprüche eines Hirten haben sich seit der Nachkriegszeit grundlegend geändert. Bei unserer Betriebsstruktur sind Nebenerwerb und Rationalisierung eine Notwendigkeit. Dem allen steht die Einwanderung von Wölfen entgegen! Wir Bauern wollen nur in Ruhe und Sicherheit unsere Arbeit machen.

Nun zu dieser einfältigen Bezeichnung „Problemwolf“: In unserem Kultur- und Wirtschaftsraum ist jeder Wolf ein Problemwolf und kann nicht geduldet werden. Wer übernimmt die Verantwortung, wenn es an ein Menschenleben geht? Da heißt es dann, der Mensch hat sich falsch verhalten. Der Wolf aber bemerkt den Menschen lange bevor dieser ihn sieht: Verhaltensregel?? Der Rat einer irregeleiteten Tierschützerin beim Kontakt mit einem Wolf: „Nicht davonlaufen, denn das weckt nur seinen Jagdtrieb, also mit ihm reden und ehrlich sein“!! – Sag’s deinem Kinde!

Leider lassen sich die demokratisch gewählten Politiker bezüglich des Wolfes von einer weltfremden NGO-Meute vorhertreiben. Das geht in Richtung eines NGO-Diktates zum Schade der Bauern! Letztendlich befeuert das alles die Landflucht, das Vordringen der Wildnis in unseren Wirtschaftsraum, die Defacto-Enteignung der Almen mit diesen Raubtieren. Das ist doch das Endziel eines enthemmten Naturschutzes!

Johann W., Bergbauer aus Salzburg
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Renate Blatterer aus Favoriten | 14.06.2018 | 19:26   Melden
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Kerstin Wutti aus Land Österreich | 15.06.2018 | 09:31   Melden
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Helmut Böhm aus Waidhofen/Thaya | 17.06.2018 | 12:49   Melden
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