15.12.2017, 14:00 Uhr

Jubiläum: Kataster wird 200 Jahre alt

Wernher Hoffmann, Präsident des Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen, mit einem Blatt der Urmappe, die im BEV aufbewahrt wird. (Foto: Arnold Burghardt)

Offshore-Leaks, Panama oder Paradise Papers: Steuergerechtigkeit ist in aller Munde. Dass dieses Thema seit Jahrhunderten ein Dauerbrenner ist, zeigt anschaulich der Franziszeische Kataster, der am 23. Dezember 200 Jahre alt wird.

ÖSTERREICH.  Als Grundlage für eine gerechte Besteuerung ließ Kaiser Franz I. vor 200 Jahren das gesamte Kaiserreich vermessen vermessen und alle Grundstücke in Katasterblättern, der sogenannten Urmappe, dokumentieren.

Kaiser Franz I. setzt sich durch

Zum Unmut von Klerus und Adel. Ohne einheitliches Grundverzeichnis war es für die Stände einfacher, wenig bis gar keine Steuern zu zahlen. Schon Maria Theresia und ihr Sohn Josef II. machten Anläufe für dieses Mega-Projekt, das aber vor allem auch am Widerstand der Stände letztlich scheiterte.

Fundamentalwerk mit Hilfe des Militärs

Die Vermessung dauerte 44 Jahre:  300.000 Quadratkilometer der österreichisch-ungarischen Monarchie mit mehr als 50 Millionen Grundstücken und ihren Grenzen wurden in der sogenannten Urmappe auf rund 165.000 Mappenblättern dargestellt. "Ein Fundamentalwerk, für das der Kaiser nicht mit Ressourcen sparte", sagt Wernher Hoffmann, Präsident des Bundesamts für Eich- und Vermessungswesen (BEV), wo die Urmappe aufbewahrt wird, zu meinbezirk.at. Ausgeführt wurde die Erstaufnahme im Großen und Ganzen vom Militär. "Die Landvermessung und Kartenerstellung war bis dahin nur für das Militär für Landesverteidigungszwecke von Interesse. Daher hatte das Militär auch das für die Vermessung nötige technische Werkzeug", erklärt Hoffmann.

Ausland beneidet Österreich um Kataster

Heute spielt der Kataster weniger steuerlich als vielmehr bei der Sicherung von Grundeigentum und Raumplanung eine Rolle. Das ist anderswo keine Selbstverständlichkeit, wie in Griechenland deutlich wird. "Dort können Besicherungen nicht erteilt werden, weil es bis heute kein rechtssicheres System zur Grundbucheintragung gibt", sagt Rudolf Kolbe, Kammernvizepräsident der Ziviltechniker, im Gespräch meinbezirk.at. Franz I. hat mit seinem Kataster jedenfalls Weitblick bewiesen. "Viele Länder beneiden uns darum", so Hoffmann. Bis heute haben nur 30 Prozent der Weltbevölkerung Zugang zur gesicherten Registrierung von Grundeigentum.
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