06.02.2018, 15:46 Uhr

Leserbriefe zum Thema: Die Wölfe sind zurück in Österreich - Teil 3

Leserbriefe zum Thema "Die Wölfe sind zurück in Österreich" - Teil 3 (Foto: Wild Wonders of Europe/Gorshkov)

Die Wölfe sind zurück in Österreich. Das sorgt nicht nur für Freude, wie wir in unserer Ausgabe vom 31. Jänner berichtet haben.

Vor allem Almbauern fürchten um ihre Tiere. Was aber tun?
Sollen Wölfe begrenzt zum Abschuss frei gegeben werden wie in der Slowakei? Oder sollen sie wie bisher ohne Wenn und Aber geschützt bleiben?

Dazu sind zahlreiche Leserbriefe bei uns eingelangt. Manche Leserinnen und Leser freuen sich über die Rückkehr der Wölfe, andere meinen, dass eine Regulierung notwendig sei.

Hier die Leserbriefe im Überblick:

Lösung des Problems kann nur Abschuss heißen

Ich bin ein Bergbauer und in meinem Bereich auch Tierschützer und halte alle diesbezüglichen Vorschriften ein: Stallmaße, Fenstermaße, Auslauf. Ich knie mich wenn nötig zu jedem Vieh nieder, damit es aufkommt, und hole bei Bedarf auch den Tierarzt. Im Sommer auf der Alm werden meine Tiere womöglich vom Wolf zerrissen oder durch Zäune hindurch in den Graben gehetzt. Wo bleibt da der Tierschutz für Nutztiere? Solche katastrophalen Zustände können nie abgegolten werden. Es ist nämlich ein Unterschied, ob so ein Raubtier unter Wildtieren wütet oder unter arglosen Haustieren. Die Ansage, dass ein Wolfsvorkommen ein Beweis für intakte Umwelt ist, erscheint mir lächerlich: siehe Wölfe im verstrahlten Tschernobyl.

Oft wird behauptet, in anderen Ländern hat man gelernt mit dem Wolf zu leben. Verlassene Dörfer und entsiedelte Landstriche sprechen eine andere Sprache. Vielleicht ist das bei den sogenannten Naturschützern so gewollt. Wir Bauern werden uns durch die großen Räuber nicht schleichend enteignen lassen. Wir wollen nicht zu Vertriebenen und Landflüchtigen in der eigenen Heimat werden.

Der Vorschlag von Herdenschutzzäunen und Schutzhunden ist bei unseren Besitzstrukturen und der Topographie im Alpenraum unmöglich, ja ein Narrenstück. Man bedenke auch die natürlichen Wildwechsel und die Wegefreiheit im Tourismus!

Vor 150 Jahren wurden Wölfe und Bären bei uns nicht unbegründet ausgerottet, weil mit diesen Räubern kein Nebeneinander möglich war. Weder haben diese Tiere seither im Menschen geprägten Ökosystem gefehlt, noch werden sie vernünftigen Menschen abgegangen sein. Es darf auch in Zukunft im Ostalpenraum keine Wölfe geben!

Der Mensch hat sich immer gegen die Wildnis und die wilden Tiere wehren müssen und auch dürfen. Jetzt will man uns wehrlos und hilflos machen. Die Antwort auf die Frage nach der Lösung des Problems kann nur Abschuss heißen. Das werden die Ökoromantiker einsehen müssen. Die FFH-Richtlinie zum hundertprozentigen Schutz des Wolfes ist ein unerträglicher Affront gegen die wirtschaftende Landbevölkerung und hätte niemals eingeführt werden dürfen. Es ist höchste Zeit für eine Revision!

Johann W. aus Salzburg

Wölfe an die Leine

Ich habe im Bezirksblatt Flachgau-Süd, Ausgabe 5 über die Wölfe gelesen.

Zuerst möchte ich über den Schaden, den Wölfe anrichten, informieren. Wölfe sind Fleischfresser und brauchen regelmäßig eine bestimmte Menge Fleisch. Sie bevorzugen Rehe, vor allem Kitze , Hase, Hirsche, Schafe, Ziegen, Jungrinder und sind im Stande als Rudel auch ein ausgewachsenes Rind zu töten. Wölfe greifen angeblich keine Menschen an, aber die englische Touristin, die in Griechenland zerfetzt und gefressen wurde, gibt mir zu denken.

Der wirtschaftliche Schaden ist bestimmt auch sehr hoch. Die Jäger zahlen Jagdpacht, erlegen nur eine vorgegebne Anzahl von Wildtieren und regeln so den Bestand und sorgen für eine gesunde Population an Wildtieren. Die erlegten Tiere werden verkauft und gelten als Delikatesse. Wenn wir das Wild den Wölfen überlassen, werden sie das Wild sehr stark reduzieren und vermehrt unter Schafen und Ziegen ihre Beute suchen. Wenn sie genug zum Fressen finden, vermehren sie sich stark und wenn ein Gebiet leergefressn ist, ziehen sie weiter. Folglich wird niemand mehr bereit sein, eine Jagd zu pachten, auch die Landwirte werden die Almen auflassen und in kurzer Zeit sind solche Almen verwildert und zugewachsen. Gerade das Wild und die Tiere auf unseren Almen sind 100% Bio. Wenn das eintrifft ist es auch bald mit dem Fremdenverkehr vorbei und es gibt zusätzliche Arbeitslose. Die Wertschöpfung von Wild und Weidetieren geht dann auch verloren und unser Finanzminister müsste auf Steuereinnahmen verzichten.

Hütehunde sind teuer, müssen alle Tage gefüttert werden, brauchen eine sehr gute Ausbildung und können den Schaden nur etwas minimieren. Zäune müssten sehr hoch sein und die Gefahr, dass ein Wanderer ein Tor nicht schließt ist sehr hoch.

Eine Möglichkeit wäre, die Wölfe so wie Hunde an der Leine zu führen. Laut ihrer Zeitung leben derzeit 15 Wölfe in Österreich. Nur die Dunkelziffer ist viel höher. Wenn man für 15 Wölfe eine Rundumbetreuung erreichen möchte, das sind jährlich 5475 Stunden , bräuchte man 1825 Mitarbeiter plus Urlaubs – und Krankenstandsvertretung, dazu kämen die Kosten für Futter und Hund-(Wolfs-)hütten. Auch für die Administration sollte man noch einige Posten vergeben. Damit das Projekt nich zu teuer kommt, sollte man diese Wolfsführer so wie einfache Hirten entlohnen. Bezahlt wird alles ja sowieso aus dem Topf für landwirtschaftlich Förderung. Aber jetzt Spaß beiseite. Der Fasching ist vorbei.
Ich schlage vor, ein Areal in einem Talschluß großräumig einzuzäunen, das müßten einige Quadratkilometer sind und als Tierpark, ähnlich dem Tierpark Grünau zu betreiben. Interessierte (und Lebensüberdrüssige) dürften dann gegen Eintritt und Lebensversicherung Bär, Wolf und Luchs hautnah erleben und hoffentlich überleben. Die Leute könnten dannn zusehen wie ein Wölf ein Rehkitz reißt. Vielleicht denken sie dann über diese Rehleinmörder etwas anders. das Futter für die Wölfe könnte aus Gatterrevieren und den Landwirten zum üblichen Preis zugekauft werden. Damit wird diese Region auch wirtschaftlich belebt.

Man könnte die EU um finanzielle Unterstützung ersuchen, sie haben ja für so viele unnötige Sachen Geld und das wäre endlich wieder eine vernünftige Lösung eines dringenden Problems.

Auf keinen Fall dürfen die Landwirte wieder zur Kasse gebetn werden. Sie erhalten unsere schöne Landschaft und tragen dadurch zum Wohle für uns alle und für den Fremdenverkehr bei.

Den Befürwortern von Wölf, Bär, Luchs aber auch Fischottern empfehle ich einmal zu bedenken, dass auch andere Tiere das Recht auf Leben haben. Das was sie machen ist einseitiger Tierschutz und das ist zu verurteilen. Ich habe diese Tiere in Kanada erlebt und ich mag sie. Trotzdem bin ich dafür, dass bei Überpopulation oder großem Schaden auch eine bestimmte Menge erlegt werden darf. Dafür haben wir ja unsere Jäger.

Herbert W. aus Salzburg

Plädoyer für sachliche Diskussion


Sehr geehrter Herr Unterhuber,

danke für Ihren interessanten Artikel. Er spiegelt exemplarisch die vermeintliche Widersprüchlichkeit von Ökologie und Ökonomie und nicht zuletzt der damit einhergehenden subjektiven Ängste wieder. Umso wichtiger ist also wieder einmal die sachbezogene Diskussion. Um dem Rechnung zu tragen: Die Fakten zeigen, dass ein kleines, „ärmeres“ Land wie die Slowakei mit 2000 Wölfen besser zurecht kommt als das doppelt so große Österreich, welches bei einer Wolfs-Population von 15(!) Exemplaren schon eine Art Notstand sieht?

Die slowakische Vorgehensweise nämlich eine Abschussquote von 5% auf Österreich umgelegt, würde bedeuten, dass 0,75 Wölfe pro Jahr zum Abschuss freigegeben würden. Der Abschuss von Rotwild in Österreich wird nicht problematisiert. Ein weidmännisch geschossener Wolf leidet so gut wie gar nicht bzw. ungleich weniger als ein industriell gezüchtetes Nutztier.

Das alles bedeutet noch nicht, dass eine Abschussquote die beste aller Lösungen wäre. Aber fragen wir doch unsere slowakischen Nachbarn, wie sie mit den verbleibenden 1900 Wölfen zurechtkommen.

Ich plädiere für eine Diskussion welche auf der Basis der Verhältnismäßigkeit und der Zumutbarkeit für Mensch und Tier stattfindet.

Mit besten Grüßen,

Wolfgang L.



Schützen wir unsere Haus- und Nutztiere

Guten Tag Herr Unterhuber!

Mit großer Spannung las ich den Bericht über die Wölfe in Österreich- hier meine Meinung dazu:

Ein überzeugter Tierschützer bin ich, da ich selber auch (Nutz-)Tiere halte. Das die Wölfe jetzt wieder kommen, mag ja den einen oder anderen freuen, jedoch müssen diese Menschen meist auch nicht mit den Nachteilen leben.

Der Wolf ist ein Raubtier und greift unsere Weidetiere an, für den Landwirt ein immenser Schaden. Ich denke dafür sollte auch nicht die Allgemeinheit aufkommen, sondern den Grund finden, benennen und entsprechende Maßnahmen dagegen setzen.

Denken wir es weiter, die Wolfspopulation wird steigen, die Almen zusehends leer werden und verwalden. Den Landwirten fehlt die Lebensgrundlage und unsere von den Touristen und Einheimischen so geliebte schöne und gepflegte Landschaft wird sich massiv verändern.

Auch die Ideen mit Hirten und Herdenschutzhunden finde ich liebenswert, realistischerweise klingt das nicht nach einer Lösung aufgrund der vielen Nachteile.

Tierschutz geht für mich vor- schützen wir also unsere (Haus- und Nutz)Tiere und im weitesten Sinn auch uns Menschen vor der Bedrohung die vom Wolf ausgeht.

Mit freundlichen Grüßen, Martin M.

Eine seltsame Doppelmoral

Sehr geehrter Hr. Chefredakteur!

Irgendwie ist es komisch: Tierschützer freuen sich, dass der Wolf wieder in den Alpenraum zurückkehrt, finden aber anscheinend andere Tiere (Rehe, Schafe etc.) als Beute für Wölfe gut genung. Frage mich nur - haben diese kein Recht zu leben? In meinen Augen eine seltsame Doppelmoral.

Mit freundlichen Grüßen
Franz J.

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Wölfe in keinster Weise gerechtfertigt

Die Diskussion rund um die die Rückkehr der Wölfe in unseren Alpenraum sollte sich an sich erübrigen, denn dieser Wunsch kann nur von Leuten kommen, die keinen Bezug zur Land-, im Besonderen zur Almwirtschaft und noch nie mit Nutztieren gearbeitet haben.

Das Argument eines touristischen Nutzens des Wolfes ist allein dadurch widerlegt, dass u.a. auch mit öffentlichen Mitteln in der Vergangenheit Almen gepflegt und revitalisiert wurden, um sie für die Beweidung für Rinder, Schafe und auch Pferde frei zu halten. Gerade diese und möglichst nachhaltige Beweidung ist die beste und billigste Pflege zur Freihaltung der Almen und gleichzeitig auch Voraussetzung, um für den Tourismus interessant zu bleiben.
Wölfe und Land- bzw. Almwirtschaft kann nebeneinander niemals funktionieren. Das selbe gilt auch für die Wildbewirtschaftung.

Nicht beweidete bzw. bewirtschaftete Almen wären ein enormer ökonomischer aber auch ein mehrfach nachgewiesen ökologischer Schaden, - auch für den Städter, der vielleicht hin und wieder gerne "Wolfschaun" möchte, das eine Ausbreitung einer Wolfpopulation in unseren Regionen in keinster Weise rechtfertigt.

Hans E. aus Kärnten

Lasst den Wolf unbedingt leben

Ich liebe alle Tiere, also auch den Wolf. Die Bauern und die Jäger wollen den Wolf ausrotten, ich möchte ihn aber in unseren Wäldern haben. Dass er einige Schafe frisst, ist normal, er ist eben ein Räuber. Wie so viele andere Tiere auch. Das muss der Bauer und Jäger auch verstehen.

Es ist eben auch ein Tier, welches leben will. Kaum kommt ein Tier ins Revier, wird es schon gnadenlos abgeschossen. So wie die armen Bären ausgerottet werden. Der Wolf und der Bär sind in der freien Natur unterwegs und freuen sich, wenn man sie in Ruhe lässt. Leider sind die Bauern nur auf Geld aus, und nicht um alle Tiere zu schützen. Der Wolf ist zudem für den Tourismus sehr wichtig. Leider sind die Landmenschen schon immer für den Abschuss. Lasst den Wolf unbedingt leben, es ist sehr wichtig. Stirbt das Tier, stirbt der Mensch!
Johann S. aus Niederösterreich

Lamas schützen Schafe!

Der WWF fordert zum Thema Wolf nachhaltige Maßnahmen. Nach Meinung des WWF sollte dabei nicht über Abschussquoten sondern besser über Entschädigungszahlungen für gerissene Tiere gesprochen werden. Als Salzburger Landessprecher der Grünen Bäuerinnen und Bauern verweise ich dazu auf einen Fernsehbericht aus der Schweiz. Dort griff ein 78-jähriger Schafhirte zu einer völlig unblutigen Selbsthilfeaktion. Auf fast 2000 m Seehöhe setzte er zum Schutz seiner Schafe auf Lamas. Viele leben Sommer und Winter mit der Schafherde, bewachen sie, schützen sie. Bei Gefahr laufen Lamas nämlich nicht davon. Ihre Hufe treffen tödlich, das kann Wölfte vertreiben. Wie der Schafhirte sagte, rissen Wölfe bei seinem Nachbarn 46 Schafe, aufgrund seiner Erfahrungen mit den Lamas hofft er, dass seine Schafe sicher sind. Mein Leserbrief stützt sich auf ein Youtube-Video, dass unter dem Link „Lamas in den Schweizer Bergen“ abgerufen werden kann. Als Schlussfolgerung daraus, fordere ich in Österreich ein Pilotprojekt: „Lamas contra Wölfe“. Dazu sollten staatliche Ankaufsbeihilfen für Lamas bereitgestellt werden. Ich hoffe auf entsprechende Schritte noch heuer, vor dem Almauftrieb.

Georg S. aus Salzburg

Schafe und Kälber sind Tierschützern egal

ch ärgere mich schon lange darüber, dass selbsternannte Tierschützer in Lamento über verfolgte Wölfe ausbrechen, dass ihnen die gerissenen Schafe und Kälber aber vollkommen egal sind! Bären und Wölfe sind meiner Meinung nach zu Recht in unseren Breiten ausgerottet worden, es sind Raubtiere, die in besiedelten Gegenden nichts zu suchen haben! Und wenn obgenannte Tierschützer ihre Herdentiere verlieren würden, wäre es mit der Toleranz wahrscheinlich auch bald vorbei. Aber sie sind eben realitätsfremd und agieren aus einem geschützten Bereich. Die Sorgen der Bauern bzw. der gesamten Bevölkerung kümmern sie nicht. Man sollte sie nicht beachten und tun, was vernünftig ist - nämlich, statt Raubtiere wieder hier anzusiedeln, schleunigst alles daransetzen, dass sie wieder dorthin verschwinden, wo sie keinen Schaden anrichten können!

Dr. Margit K.

Es geht um schreckliches Tier-Leid

Sehr geehrter Herr Unterhuber,

meiner Meinung ist unsere Tierhaltung auf Weiden und Almen mit den Raubtier Wolf nicht vereinbar. Zu groß wäre der Aufwand für Schutzmaßnahmen und dazu nicht wirklich effektiv. Zynisch sind die Aussagen der sogenannten Tierschützer, der finanzielle Schaden würde doch eh ersetzt. Darum geht es primär aber nicht sondern um schreckliches Tier-Leid.

Andreas M. aus Kärnten
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