20.10.2017, 00:30 Uhr

Neue Regierung: Jetzt reden die Industriellen

Die Industriellenvereinigung startet unter ihrem Chef Georg Kapsch eine Gerechtigkeits-Kampagne. (Foto: Arnold Burghardt)

Am Tag nach der Wahl war Christian Kern noch immer im Kampfmodus: "Die SPÖ lässt sich nicht von Konzernen, Superreichen und ihren Medienfreunden in die Knie zwingen", schrieb er auf Facebook. Ein Ton, der Sabine Herlitschka schon den ganzen Wahlkampf über nicht gefallen hat.

"Ich finde es von Seiten der SPÖ höchst irritierend, wenn Konzerne nur noch als die Bösen dargestellt werden, die ihre Mitarbeiter ausbeuten und keine Steuern zahlen", so die Chefin der Infineon Technologies Austria AG am vergangenen "Tag der Industrie" in Wien.

Infineon ist ein weltwelt führender Technologiekonerzn und beschäftigt in Österreich mit Hauptsitz in Villach rund 3.600 Personen. Dass Steuerschlupflöcher gestopft werden sollen, findet Herlitschka freilich in Ordnung und sieht das auch als eine der Aufgaben der neuen Regierung hier in Brüssel entsprechend Druck zu machen.

Industrie startet Gerechtigkeits-Kampagne

Das entspricht auch der Hauptforderung der österreichischen Industriellen, die sich mit einem Wort beschreiben lässt: Gerechtigkeit. Vor diesem Hintergrund hat die Industriellenvereinigung jetzt auch eine Gerechtigkeits-Kampagne gestartet.

"Die Neiddebatte muss aufhören", sagt dazu Georg Kapsch. Kapsch ist Präsident der Industriellenvereinigung und Chef der Kapsch AG, einem Technologieunternehmen aus Österreich, das weltweit 6.800 Mitarbeiter zählt. Von der neuen Regierung wünscht sich Kapsch "weniger Ideologie." Denn die führe nicht zu Gerechtigkeit.

Reduzierung der öffentlichen Ausgaben

Dass eine Reduzierung der öffentlichen Ausgaben eine Einschränkung der sozialen Leistungen bedeuten würde, hält Kapsch für einen Mythos. Beim Wirtschaftsforschungsinstitut Eco Austria stimmt man Kapsch zu.

Würden sich alle Bundesländer in den größten Ausgabenbereichen (Verwaltung, Gesundheit, Pflege, Wohnbau, Schulwesen) jeweils an jenem Bundesland orientieren, welches in einem dieser Bereiche am besten wirtschaftet, würde nur das allein laut Eco Austria knapp fünf Milliarden Euro an Ersparnis bringen - ohne Einschränkung der Leistung.

Arbeitslosigkeit zehn Mal höher als 1973

Wie überhaupt Eco Austria-Manager Tobias Thomas die Meinung, dass Österreich wieder obenauf sei, für eine falsche Sicht hält. "Die deutsche Wirtschaft ist seit 2011 viel schneller gewachsen und die Arbeitslosigkeit ist hierzulande noch immer ganze zehn Mal höher als Mitte der 1970er-Jahre."

Sorgen bereitet Wirtschaftswissenschaftlern und den Industriellen auch der Schuldenstand der Republik. Die betragen derzeit 292 Milliarden Euro. Das sind über 80 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. Rund sieben Milliarden muss die Republik für ihre Schulden an Zinsen zahlen. Jährlich.

"Effizienz im Sozialsystem"

"Nicht auszudenken, wenn die Zinsen steigen", so Georg Knill, Chef des steirischen Technologieunternehmens Knill mit weltweit über 2.000 Beschäftigten und Präsident der steirischen Industriellenvereinigung.

Von der neuen Regierung verlangt Knill daher "Effizienz im Sozialsystem", um die Schulden in den Griff zu kriegen. "Die Schuldenpolitik ist fahrlässig gegenüber den nächsten Generationen. Denn die müssen die Schulden bedienen", so Knill.
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