07.12.2017, 00:30 Uhr

Agrana zeigt Stärke: Interview mit CEO Johann Marihart (+ Video)

Agrana-Vorstandsvorsitzender Johann Marihart: "Weltweit hat Österreich einen exzellenten Namen als Produzent von biologischen und gentechnikfreien Produkten." (Foto: Arnold Burghardt)

Die Agrana ist ein Weltkonzern aus Österreich, der uns im Alltag ständig begegnet. Bei Zucker unter dem Markennamen "Wiener Zucker". Im Bereich Stärke verarbeitet man Mais, Kartoffeln und Weizen. Stärke kommt in allen möglichen Lebensmitteln wie etwa Backwaren oder Babynahrung aber auch in Papier und Wellpappe sowie in Textilien und Kosmetika vor.

Und dann ist die Agrana noch der weltweit führende Hersteller von Fruchtzubereitungen für die Molkereiindustrie, die Backwarenindustrie und die Eiscremeindustrie. Rund um den Globus arbeiten in 55 Agrana-Werken 8.600 Leute, die zuletzt einen Konzernumsatz von 2,6 Milliarden € erwirtschafteten. Chefredakteur Wolfgang Unterhuber hat mit Agrana-Vorstandsvorsitzenden Johann Marihart über Asien, die EU und unsere Landwirtschaft gesprochen.

Wo liegt Ihrer Meinung nach der globale Zukunftsmarkt?
MARIHART: In Südostasien. Wir sind ja etwa in Indien, Südkorea und China präsent, wo wir gerade unser zweites Fruchtzubereitungswerk bauen.

Die Chinesen mögen Joghurt?
In den hochentwickelten Gebieten ist westliche Ernährung für die Chinesen ein ganz großes Thema. Und unser Potenzial ist hoch. Pro Kopf konsumiert ein Chinese zwei bis drei Kilo Joghurt pro Jahr. In der EU sind es zwölf Kilo.

Und Südamerika?
Südamerika ist natürlich ein Markt für uns, unterliegt aber immer wieder starken konjunkturellen Schwankungen. In Südostasien ist das nicht so.

Wie ist das mit der Bürokratie in China?
Die Behörden unterstehen dort stark dem politischen Willen. Und von der Politik waren und sind wir willkommen. Das ganze Genehmgungsverfahren für das Werk nahe Shanghai wurde zügig abgewickelt. Aber dafür haben wir vor Ort auch ein spezielles chinesisches Team. Sonst wäre das so nicht möglich.



Sie sind ja auch Präsident der europäischen Zuckerindustrie. Was erwarten Sie sich von der EU in Zukunft?
Man hat in der Vergangenheit oft versucht, die Dinge über einen Kamm zu scheren und damit wenig lokales Verständnis gezeigt. Aus meiner Sicht wird man gewisse Bereiche re-nationalisieren müssen. Und ich erwarte mir von der EU konsequenter als bisher eine unternehmensfreundliche Politik. Vor allem was die Industrie betrifft. Die durch die Industrie erzeugte Wertschöpfung ist sozusagen die harte Währung einer Volkswirtschaft.

Die EU-Zuckerquote ist heuer gefallen und damit der fixe Mindestpreis für die Zuckerrüben. Was heißt das für die 6.500 Rübenbauern?
Das Problem bei Zucker ist, dass der Markt völlig unelastisch ist. Auch wenn sie den Zucker verschenken, es wird kein Kilogramm mehr gegessen. Der Export außerhalb der EU ist da ein Ventil. Denn mit dem Wegfall der Quote sind auch die Exportschranken gefallen. Aber in- und außerhalb Europas wird derzeit zuviel Zucker produziert.

Deshalb ist also der Zuckerpreis am Weltmarkt heuer so eingebrochen.
Langfristig wird sich das einpendeln. Aber jetzt stehen Landwirtschaft und Verarbeiter wie Agrana vor einer großen Herausforderung.

Wie kann Österreichs kleiner Agrarsektor am Weltmarkt überleben?
Ein Beispiel: Wir stellen bekanntlich auch Produkte aus Weizen-, Mais- und Kartoffelstärke her. Für die Nahrungs-, Papier-, Textil- und Babynahrungsindustrie. Wir bieten dabei ausschließlich gentechnikfreie und eine Vielzahl von Bio-Stärkeprodukten an.
Weltweit hat Österreich einen exzellenten Namen als Bio- und gentechnikfrei-Produzent. Das ist eine Chance. Wir bieten unseren Bauern da auch entsprechende Möglichkeiten. Wir haben heuer aus etwa 60.000 Tonnen Bio-Rüben 10.000 Tonnen Bio-Zucker produziert. Das ist ein Teil unserer Spezialisierungsstrategie. Aber das kann natürlich nur ein Teil einer Strukturveränderung sein, der die Landwirtschaft ja permanent ausgesetzt ist.

Also Spezialisierung.
Spezialisierung, Flexibilität, Know-how, innovative und kundenspezifische Produkte. Auf dieses Potenzial werden wir auch in Zukunft setzen.

Kommen wir noch zur Agrana. Wie lautet Ihr Wachstumsziel?
Wir wollen unseren Umsatz von derzeit rund 2,6 Milliarden € bis 2020 auf drei Milliarden € erhöhen. Dazu erweitern wir unsere Kapazitäten deutlich. Weltweit und auch in Österreich. Wir bauen die Produktion in unseren drei österreichischen Stärke-Werken massiv aus. In Aschach um über 80 Millionen €, in Pischelsdorf um 92 Millionen € und in Gmünd um 40 Millionen €. Im Bereich Fruchtzubereitungen sind wir Weltmarktführer und haben in den vergangenen zwölf Monaten in Argentien und Indien je ein Fruchtverarbeitungswerk gekauft.

Danke für das Gespräch!
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