29.05.2016, 09:49 Uhr

Bargeld: Die Zeichen stehen auf Cash-Limit

Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble wünscht sich bei Bargeldzahlungen ein EU-weites Limit von 5.000 Euro. (Foto: MEV)

Die Bargelddebatte sorgt für viel Aufregung. Zeit für einen nüchternen Blick auf den Stand der Dinge.

ÖSTERREICH. Anfang Mai hat die Europäische Zentralbank (EZB) beschlossen, die 500-Euro-Note bis Ende 2018 abzuschaffen. Grund für die Einstellung ist laut EZB die Vermutung, dass diese Banknote illegalen Aktivitäten Vorschub leiste. Für Staatssekretär Harald Mahrer sei dies allerdings nur ein Vorwand. "In Wahrheit geht es darum, Bargeld schrittweise abzuschaffen", sagt Mahrer. Es sei ein Angriff auf alle Sparer, denn so könne der Negativzins leichter an die Bürger weitergegeben werden, so Mahrers Verdacht.

EU-Kommission dementiert

EU-Kommissar Jonathan Hill, zuständig für Finanzmarktfragen, stellte zwar klar, dass die Kommission an keiner Debatte über die Abschaffung von Bargeld oder die Begrenzung von Barzahlungen auf ein bestimmtes Maximum beteiligt ist. Mittlerweile steht zumindest die EU-weite Einführung von Obergrenzen für Bargeldzahlungen zur Debatte, wie aus Unterlagen, die meinbezirk.at vorliegen, hervorgeht. Treiber dieser Forderung sind demnach Deutschland, Frankreich und Spanien.

Ein Blick über die Grenzen

Bargeldobergrenzen sind in den meisten EU-Ländern jedoch schon längst Realität. Nur in fünf EU-Mitgliedsstaaten, nämlich Deutschland, Lettland, Litauen, Österreich und Zypern, dürfen beliebig hohe Summen mit Münzen und Scheinen beglichen werden. Und während hierzulande allein der Gedanke an die Abschaffung von Bargeld für Entrüstung sorgt, findet in Skandinavien, das in vielen Bereichen als Vorbild herhalten muss, ein Wettlauf um die erste bargeldlose Gesellschaft statt.

Spende per Kollektomat

In Norwegen verzichten die zwei größten Banken des Landes komplett auf Bargeld. In Schweden ist die Hälfte der knapp 1.800 Bankfilialen bereits bargeldlos. Sogar die Kirche nimmt dort Spenden per Kollektomat entgegen und Verkäufer von Obdachlosenzeitungen akzeptieren Kreditkarten. Insgesamt werden 95 Prozent des Umsatzes im Einzelhandel bargeldlos abgewickelt. Im Gegensatz dazu bezahlen 92 Prozent der Österreicher lieber bar als mit Karte, wie eine Umfrage von Marketagent ergab. 64 Prozent schätzen dabei die Anonymität beim Barzahlen.

Die Kehrseite der Münze

Der Ökonom Friedrich Schneider, der über organisierte Kriminalität forscht, glaubt nicht, dass die Abschaffung von Bargeld oder der 500-Euro-Scheine Kriminalität, Terrorismus und Pfusch wirksam bekämpfen würde. Der Korruptionswahrnehmungsindex deutet in eine andere Richtung: Weltweit sind gerade die vier skandinavischen Länder unter den besten fünf. Doch rechtfertigt das einigen Experten zufolge nicht den Eingriff in Freiheitsrechte. "Bei der Bekämpfung von Geldwäsche kann man nicht wahllos Maßnahmen setzen. Das wäre wie ein Verbot von Autos, um Unfälle zu vermeiden", sagt Robert Kert, Professor für Wirtschaftsstrafrecht. Er ist überzeugt, dass illegales Geld immer seinen Weg finden werde.

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Karl Maurer aus Krems | 29.05.2016 | 11:50   Melden
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Josef Lankmayer aus Lungau | 29.05.2016 | 18:09   Melden
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Linda Osusky aus Land Österreich | 30.05.2016 | 09:03   Melden
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Josef Lankmayer aus Lungau | 30.05.2016 | 10:33   Melden
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