16.09.2016, 09:42 Uhr

Gewerkschafter Hebenstreit: "Digitalisierung ist eine große Chance"

Mit der fortschreitenden Digitalisierung bleibt manuelle Arbeit zusehends auf der Strecke, während die Anzahl an höherqualifizierten Stellen steigt. (Foto: ÖBB/Philipp Horak)

Was die Auswirkungen der Digitalisierung betrifft, sind die ÖBB schon seit Jahrzehnten ein anschauliches Beispiel. Digitalisierung bedeutet dabei aber nicht einzig und allein Jobabbau, wie sich im Gespräch mit ÖBB-Betriebsrat Roman Hebenstreit herausstellt.

ÖSTERREICH. Gleisbremsen, automatische Weichenstellung oder Ticketautomaten sind nur einige Beispiele für die Automatisierung ganzer Arbeitsbereiche bei den ÖBB. In 25 Jahren schrumpfte die Zahl der Mitarbeiter um 27.000 auf aktuell rund 40.000. Gleichzeitig ist das Fahrgastaufkommen von 256 Millionen im Jahr 1998 auf 464 Millionen Menschen 2015 angestiegen.

Höhere Gehälter

Eisenbahngewerkschafter und ÖBB-Betriebsratsvorsitzender Roman Hebenstreit ist dennoch vorsichtig optimistisch: "Vor der Digitalisierung darf man keine Angst haben. Sie ist auch eine große Chance", sagt er im Gespräch mit den Regionalmedien Austria (RMA). "Die Jobs werden immer höherqualifizierter, die Verantwortung größer. Das ist eine Möglichkeit, höhere Gehälter einzufordern", so der gelernte Maschinenschlosser und Lokführer.

Neue Jobs entstehen

Er bezweifelt zwar, dass alle durch die Digitalisierung verdrängten Stellen ersetzt werden können. Dennoch: Fahrdienstleiter, die lange Zeit nicht nachbesetzt wurden, werden aktuell wieder gesucht. "Für Manager bedeutet Automatisierung Jobeinsparung", so Hebenstreit. Aber jetzt zeige sich, dass man hier etwas übermütig war und doch mehr Leute braucht, um diese Systeme zu überwachen und zu warten, sagt er zur RMA. Außerdem entstünden neue Jobs, wie die des Notfallkoordinators. Diese erforderten aber eine höhere Qualifikation.

Ausbildung immer bedeutender

Doch auch die ÖBB leidet am Fachkräftemangel. "Es ist schwer, Leute zu finden", so Hebenstreit, dessen Fazit ist, dass es immer weniger niedrig qualifizierte Jobs gibt. Ausbildung spiele daher eine immer größere Rolle. Intern haben die ÖBB schon seit Langem mit der betriebseigenen Akademie vorgesorgt. Dort ist es für Mitarbeiter möglich, sich von der Lehre über berufsgleitendes Matura bis hin zum Fachhochschulabschluss weiterzubilden.

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