06.09.2016, 14:10 Uhr

Grauzone Crowdwork: Studie untersucht Situation von Klickarbeitern

Einige Plattformen verbieten ihren Crowdworker den Kontakt untereinander. (Foto: Shane Adams/CC BY 2.0)

Die Digitalisierung bedroht nicht nur die bisherige Arbeitswelt, sie schafft auch neue Arbeitsmöglichkeiten. Etwa über Crowdwork-Plattformen. Allerdings überholen die technischen Möglichkeiten den Gesetzgeber, denn die Beschäftigungsverhältnisse von Crowdworkern befinden sich in einer rechtlichen Grauzone.

ÖSTERREICH. Eine Studie der University of Hertfordshire und des Marktforschungsinstitut Ipsos Mori in Zusammenarbeit mit der Arbeiterkammer Wien (AK) beleuchtet erstmals Klickarbeiter in Österreich. "Wir wollen Crowdwork nicht verhindern. Aber auch wer online arbeitet, hat ein Recht auf soziale Absicherung, faire Bezahlung und sich gewerkschaftlich zu organisieren", sagte AK-Chef Rudolf Kaske während der Präsentation der Studienergebnisse am Dienstag in Wien.

EU-Richtlinie für Crowdworker

"Die Motivation für Crowdwork sind Geld verdienen und die Flexibilität", sagt Sylvia Kuba, Expertin für Crowdwork bei der AK Wien. Probleme, mit denen Crowdworker häufig konfrontiert sein können, sind niedrige Bezahlung, willkürliche Ablehnung von Arbeitsergebnissen und unfaire Ratings, die für den Erhalt weiterer Aufträge entscheidend sind. Wird ein Crowdworker etwa nicht bezahlt, so sei es schwierig, Ansprüche durchzusetzen, wenn der Plattformbetreiber außerhalb Österreichs ansässig ist, so Kaske. Außerdem verhinderten einige Plattformen die Vernetzung der Crowdworker untereinander. Auch dass die Auftraggeber den Crowdworker meist unbekannt bleiben, sieht Kaske problematisch. Er wünscht sich daher, dass die Bundesregierung die EU-Präsidentschaft 2018 zum Anlass nimmt, um eine europäische Richtlinie für Crowdworker auf den Weg zu bringen.

Zu wenig Wissen

Von den 2.000 Befragten gaben 18 Prozent an, mindestens einmal im Jahr Crowdworker zu sein. Fünf Prozent gaben an, regelmäßig Crowdwork zu verrichten. Zu absoluten Zahlen konnte die Studienautorin Ursula Huws allerdings nichts sagen, da dies aufgrund der fehlenden empirischen Daten unseriös wäre. "Wir sind erst am Anfang einer neuen Entwicklung", so Huws.

Mehr Nebenjob als Hauptjob

Aus den USA wisse man, dass die Crowdworking-Plattformen vor allem 2008, also im Krisenjahr, eine enormen Zuwachs erlebten. Die Studie ergab für Österreich, dass die überwiegende Mehrheit der Crowdworker diese Form der Arbeit nur als Zuverdienst nutzt. Der Anteil des Einkommens aus Crowdwork beträgt für knapp 60 Prozent aller Crowdworker nämlich weniger als die Hälfte des Gesamteinkommens. Immerhin 30 Prozent konnten dazu keine Angaben machen. Obwohl das Spektrum der Tätigkeiten sehr breit gefächert ist, so sind Büroarbeit, kleinere Aufgaben und "Clickwork" besonders häufig. Tätigkeiten im kreativen sowie IT-Bereich sind ebenfalls stark vertreten.
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