10.11.2016, 14:38 Uhr

Hagelversicherung-Chef Weinberger warnt: "Unwetter werden noch häufiger werden"

Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Hagelversicherung, über die dramatischen Folgen des Klimawandels und warum er gegen das Zubetonieren von Grünland ist.

Kann man die heurigen Unwetterschäden schon beziffern?
KURT WEINBERGER: Der Gesamtschaden in der österreichischen Landwirtschaft beläuft sich heuer auf rund 270 Millionen Euro.

Wie sehr ist Österreich vom Klimawandel betroffen?
Österreich ist hauptbetroffen. Seit 1880 wurde eine Temperaturzunahme um zwei Grad Celsius festgestellt. Global sind es 0,85 Grad Celsius.

Stimmt es, dass Österreich ein Zentrum für Hagelunwetter ist?
Ja, in Österreich aber auch in Süddeutschland und Südtirol hagelt es öfter als sonst in Europa.

Was heißt das für die Zukunft?
Unwetter und extreme Wetterereignisse werden noch intensiver und häufiger stattfinden. Wir gehen davon aus, dass in Österreich alle zehn Jahre eine große Dürre stattfinden wird. Sogenannte Jahrhunderthochwasser wird es laut unseren Annahmen alle 15 Jahre geben. Und die Hagelunwetter werden heftiger werden.

Drohen in Europa Tornados so wie in den USA?
Noch nicht. Aber die Stürme werden auch hier heftiger.

Was heißt der Klimawandel für die Landwirtschaft?
Die Landwirtschaft ist am meisten betroffen. Über 80 Prozent der Erträge hängen vom Wetter ab. Die Landwirtschaft ist gebunden an den Standort. Auslagern wie sonst in der Wirtschaft geht nicht.

Wird sich die Landschaft verändern?
Im Wald wird der Bestand an Fichten zurückgehen, weil Fichten wegen ihrer flachen Verwurzelung den Stürmen nicht standhalten. Der Maisanbau wird wegen der Trockenheit zurückgehen, wie jetzt schon im Süden Niederösterreichs oder der Steiermark.

Wie stehen Sie zu TTIP und CETA?
Ich bin grundsätzlich für den Freihandel. Das Gegenteil ist das ehemalige Sowjetsystem. Nur: die standortgebundene Landwirtschaft steht im Freihandel massiv unter Druck und kann zum großen Opfer werden. Sie bedarf daher sowie die Umwelt eines besonderen Schutzes.

Warum ist für Sie Grund und Boden so ein Thema?
Der Boden ist unsere Lebensgrundlage. Aber Österreich ist Europameister im Zubauen. Wir haben pro Kopf die höchste Supermarktfläche pro Quadratmeter und die meisten Straßen. Zugleich stehen 13.000 Hektar Industriegebäude leer. Das ist die Fläche der Stadt Graz.

Hat das auch Folgen fürs Klima?
Ja, denn zubetonierter Boden kann kein Wasser speichern: ein Grund für die Hochwasser. Und zubetonierter Boden kann kein Kohlendioxid speichern. Deshalb wird es in den Städten im Sommer immer heißer werden.

Aber Bauern die aufgeben, sind heilfroh, wenn sie umwidmen können.
Bei allem Verständnis dafür, aber das darf die öffentliche Hand nicht zulassen.
Raumordnung ist eine hohe gesellschaftspolitische Aufgabe, die man nicht Einzelinteressen opfern darf.

Und wie wollen Sie verhindern, dass die Gemeinden Bauerngrund in Baugrund umwidmen?
Indem man das Problem bei den Wurzeln packt. Und das ist die Kommunalsteuer. Wenn ein Bürgermeister seine Aufwendungen teilweise mit den Einnahmen der Kommunalsteuer zu decken hat, dann ist das ein falscher Ansatz. Denn da ist man als Bürgermeister förmlich gezwungen, Projekten zuzustimmen, die eine höhere Einnahme in Aussicht stellen.

Der Ausweg?
Wenn die Kommunalsteuer auf Landesebene eingehoben werden würde und dann die Einnahmen auf die Gemeinden verteilen würde, dann hätten wir eine andere Raum-Entwicklung

Danke für das Gespräch.
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