29.03.2017, 16:06 Uhr

Hagelversicherung schlägt Maßnahmen zum Schutz des Bodens vor

von links: Beate Friedl (KIHS), Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung Kurt Weinberger, Präsident der Österreichischen Nationalbank Claus Raidl, Alexander Schnabl (IHS) (Foto: ÖHV)

"Macht Österreich so weiter wie bisher, gibt es in 200 Jahren keine Agrarflächen mehr", begründete Vorstandsvorsitzender Kurt Weinberger das Anliegen der Hagelversicherung, den Bodenverbrauch zu verringern.

ÖSTERREICH. Zwei Faktoren macht Weinberger für den Bodenverbrauch aus: Leerstände und Verbauung. Um Maßnahmen zur Eindämmung des Flächenverbrauchs zu entwickeln, hat die Österreichische Hagelversicherung das Institut für Höhere Studien Wien (IHS) und das Kärntner Institut für Höhere Studien und wissenschaftliche Forschung (KIHS) mit einer Studie beauftragt, deren Ergebnisse am 29. März 2017 bei einer Pressekonferenz in Wien vorgestellt wurden.

Brachliegende Flächen und Verbauung

Schätzungen des Umweltbundesamtes zufolge stehen in Österreich rund 50.000 Hektar an Industrie- und Gewerbeflächen sowie Wohnimmobilien leer. Das entspricht einer Fläche von rund 75.000 Fußballfeldern und nimmt mehr Fläche ein als die Bundeshauptstadt Wien, die 41.400 Hektar umfasst. Jährlich kommen österreichweit etwa 1.100 Hektar – oder 1.650 Fußballfelder – an brachliegenden Standorten dazu.

Während also Flächen brach liegen, wird allerdings auch weiter gebaut. "Die Verbauung von durchschnittlich 20 Hektar pro Tag während der letzten zehn Jahre gefährdet die Versorgung Österreichs mit heimischen Lebensmitteln und gleichzeitig den Bestand von 500.000 Arbeitsplätzen rund um die Landwirtschaft", sagte Weinberger.

Überschwemmungen und Dürre als Folge

Verbauter Boden könne weder Kohlendioxid noch Wasser speichern, so Weinberger, wodurch Unwetterschäden durch Dürre oder Überschwemmungen steigen. Zu bedenken seien weiters auch Einbußen im Tourismus, die eine "Verschandelung der Landschaft mit sich bringt."

Wiederbelebung stillgelegter Flächen als Chance

Welche Maßnahmen Österreich treffen könnte, um den Flächenverbrauch und daraus resultierende Schäden zu vermindern, war Thema der von der Hagelversicherung in Auftrag gegebenen Studie. Die Ergebnisse zeigen, dass das Wiederbeleben stillgelegter Industrie- und Gewerbeflächen sowie verfallener Häuser zur Schonung der Ressource Boden beiträgt, Folgen durch Dürre und Überschwemmung mindert und neue Arbeitsplätze schafft.

Die Studienautoren Beate Friedl (KIHS) und Alexander Schnabl legten einen Maßnahmen-Katalog vor, mit dessen Umsetzung der Bodenverbrauch einzudämmen ist. "Zuerst sind die gewidmeten Flächen zu nutzen, ehe neue Flächen erschlossen werden", erläuterte Friedl eine der möglichen Maßnahmen. "Weiters sollten die Obergrenzen für den Verbrauch an Flächen verbindlich festgelegt werden, eine kommunale Nachweispflicht eingeführt und die landwirtschaftlichen Flächen als Vorrangflächen ausgewiesen werden."

Staatliche Unterstützung bei der Umsetzung

Um die Brachflächen wiederzubeleben, sei staatliche Unterstützung nötig. "Stellt der Staat in den nächsten zehn Jahren jährlich 100 Millionen Euro dafür zur Verfügung – etwa für Förderungen –, dann würden in diesem Zeitraum mehr als 24.000 Vollzeitarbeitsplätze geschaffen, eine Wertschöpfung von 2,14 Milliarden Euro erwirtschaftet und an den Staat wieder 680 Millionen Euro an Abgaben zurückfließen", erklärt Studienautor Alexander Schnabl (IHS) den wirtschaftlichen Effekt einer staatlichen Unterstützung.

Nationalbank-Chef Raidl unterstützt Revitalisierung

Claus Raidl, Präsident der Österreichischen Nationalbank, unterstützt die Initiative der Hagelversicherung. "Wir müssen unsere gesellschaftspolitische Verantwortung wahrnehmen, um brachliegende Standorte wieder in Nutzung zu bringen und somit den Boden Österreichs für die heimische Lebensmittelproduktion zu erhalten", sagte er im Rahmen der Pressekonferenz. Er sprach sich für wirtschaftliche Anreize für Industrie und Gewerbe aus, um die Nutzung leer stehender Gebäude attraktiv zu machen. Häufig sei es für Unternehmen bisher nämlich günstiger, einfacher und schneller, "auf der grünen Wiese neu zu bauen."

Appell an politische Entscheidungsträger

Gemeinsam appellierten Weinberger und Raidl an die politischen Entscheidungsträger, den vorgestellten Katalog an Maßnahmen zur Eindämmung des Flächenverbrauchs umzusetzen: "Der Boden ist unsere einzige Ressource, mit der Lebensmittel produziert werden können, und deshalb ist sein Schutz für die Ernährung der steigenden Bevölkerung unverzichtbar. Verbauen wir nicht die Zukunft unserer Kinder!"

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* Hagelversicherung-Chef Weinberger warnt: "Unwetter werden noch häufiger werden"
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