15.03.2017, 12:54 Uhr

Erfreuliche Bilanz: Steiermark führend in der Kindersicherheit

Präsentierten die neue steirische Unfalldatenbank (v.l.): Markus Pedevilla (Abteilung für Medizininformatik und Prozesse der KAGes), Holger Till (Präsident des Vereins "Große schützen Kleine"), Gesundheitslandesrat Christopher Drexler, Peter Spitzer ("Große schützen Kleine") (Foto: KK)

Der Kinderunfall-Report bestätigt unser Bundesland für das Jahr 2016 als "Vorzugsschüler": Die Steiermark hat die wenigsten Kinderunfälle.

Jährlich passieren in der Steiermark rund 30.000 Kinderunfälle. Die Vermeidung dieser zählt zu den primären Zielen des Vereins "Große schützen Kleine" und des Gesundheitsressorts des Landes Steiermark.
Mit Unterstützung der Abteilung für Medizininformatik und Prozesse der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft und des LKH-Univ.Klinikums Graz werden im „Styrian Injury Surveillance System“ erstmals alle Unfälle der steirischen Bevölkerung erfasst, ausgewertet und analysiert – besonders detailliert die Kinderunfälle. Der darauf basierende Kinderunfall-Report bildet härteste Fakten zum Unfallgeschehen ab. Diese zeigen: Das Bundesland Steiermark ist führend in der Kindersicherheit. Und: Langfristig angelegte Unfallpräventionsprojekte wirken.


Steiermark weist niedrigste Anzahl an Kinderunfällen auf

Die Ergebnisse des Kinderunfall-Reports 2016 zeigen erfreuliche Ergebnisse: in der Steiermark passieren im Bundesländervergleich am wenigsten tödliche Kinderunfälle. Diese ereignen sich vor allem im Verkehr, gefolgt von Ertrinken und (Fenster-)Stürzen.

Was passiert wo in welchem Alter

„Mit der ersten Bewegungsphase ab dem 1. Geburtstag kann man einen Anstieg im Unfallgeschehen beobachten. Nach einem geringen Rückgang am Ende des Kindergarten- beziehungsweise am Anfang des Volksschulalters gibt es mit der Pubertät ab dem 10. Lebensjahr einen neuerlichen, deutlichen Anstieg der Unfallzahlen“, so Holger Till, Präsident des Vereins "Große schützen Kleine", Vorstand der Grazer Uniklinik für Kinder- und Jugendchirurgie und Autor des Kinderunfall-Reports.

Wo passieren nun die meisten Kinderunfälle? „Insgesamt ereignen sich steiermarkweit 30 Prozent der Kinderunfälle im Wohnbereich, weitere 30 Prozent in der Kategorie „Freizeit/Sport/Spiel“ und 15 Prozent in der Schule. Auf den Verkehr fallen zwar nur 4 Prozent, diese Unfälle gehen aber am häufigsten tödlich aus“, ergänzt Peter Spitzer, der gemeinsam mit Till den Kinderunfall-Report verfasst hat.

Die Unfallschwerpunkte liegen je nach Alter in anderen Bereichen: In der Altersgruppe der 0–5-Jährigen findet sich das „Wohnen“ an erster Stelle. Im Volksschulalter passieren die meisten Unfälle in der Kategorie „Freizeit/Sport/Spiel“. Zusätzlich ist das Risiko für Verkehrsunfälle in diesem Alter am größten. Bei den Ältesten (0 -14 Jahre) sind die Bereiche „Schule“ und „Freizeit/Spiel/Sport“ ganz vorne in der Unfallstatistik zu finden. Die Buben sind zudem insgesamt einer leicht erhöhten Unfallgefährdung (57 Prozent der Kinderunfälle) ausgesetzt.
Die Analyse der Versorgungsart zeigt, dass rund zwei Drittel der Patienten nur einmal in der Ambulanz der Klinik vorstellig werden. Ein Drittel der Verletzungen bedingt jedoch, dass die Kinder wiederbestellt oder stationär versorgt werden müssen. Im Gesamten handelt es sich bei mehr als einem Viertel der Verletzungen um Frakturen, Bandrupturen, Verletzungen innerer Organe oder operative Versorgungen, was sich letztlich unter dem medizinischen Begriff einer „schweren Verletzung“ subsumieren lässt.

Unfallprävention wirkt

Der Kinderunfall-Report bestätigt die Wirkung von langfristig angelegten Präventionsprojekten zur Kinderunfallvermeidung wie sie der Verein "Große schützen Kleine" entwickelt und durchführt: Der Vergleich der tödlichen Kinderunfälle in der Steiermark im Zeitraum 1996–2000 mit 2011–2015 zeigt einen
Rückgang um 81,5 Prozent. Österreichweit gingen die tödlichen Kinderunfälle in diesem Vergleichszeitraum weniger stark (75,5 Prozent) zurück. Die tödlichen kindlichen Verkehrsunfälle sanken in der Steiermark zwischen 1996–2000 und 2011–2015 gar um 89 Prozent – in Gesamtösterreich hingegen nur um 67,5 Prozent.
Dieser enorme Rückgang ist sowohl auf bessere Präventionsarbeit, bessere technische Maßnahmen und Standards (Autokindersitz, Helm etc.) als auch auf eine bessere medizinische Versorgungskette (Notarztsystem, Hubschrauberversorgung) zurückzuführen.

Pionierarbeit bei Unfallerfassung

„Die Steirische Unfalldatenbank, das sogenannte „Styrian Injury Surveillance System“ ermöglicht erstmals eine detaillierte Vollerfassung des Unfallgeschehens in einem österreichischen Bundesland. Dies stellt einen Riesenschritt in der Unfallforschung und -analyse dar“, betont der steirische Gesundheitslandesrat Christopher Drexler.
Markus Pedevilla, Leiter der Abteilung für Medizininformatik und Prozesse der Steiermärkischen KAGes erläutert die großen Benefits der Unfalldatenbank „Nebst einer regionalen Analyse der Unfälle mit darauf abgestimmten Präventionsmaßnahmen und letztlich erzielter Kostenersparnis durch verhinderte Unfälle ist der Effekt vor allem in einer Erhöhung der Qualität im Sinne eines gesunden und unfallreduzierten Lebensraumes zu sehen.“
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