13.06.2018, 07:00 Uhr

Nova-Air im Anflug: Soviele Flieger passen auf (m)ein Dach

Fast bereit für das "Boarding" sind die beiden Event-Locations über den Dächern von Graz. Aus der Iljuschin (l.) wird ein Bar- und Event-Jet. Die Boeing wird zum Restaurant umfunktioniert. (Foto: Foto Jörgler)

Novapark-Chef Helmut Neukam schafft mit seinem Mini-Flughafen am Hoteldach gerade eine Premiere in der Gastroszene. Aber wie lassen sich solche überfliegenden Ideen statisch realisieren?

Ab September kann man in Gösting die Boardingkarten zücken, dann nämlich wenn man die Nova-Air-Location, eine neue Attraktion in der Grazer Gastroszene, betreten möchte. Höhepunkt sind zwei Flugzeuge, die auf dem Dach des Novapark-Hotelkomplexes, auf einem eigenen Flugdeck für den Restaurant- beziehungsweise Bar- und Eventbetrieb bereitstehen sollen. Und das sind keine handlichen Cessnas, sondern tonnenschwere Vögel: Die Iljuschin, die einst als tschechische Präsidentenmaschine diente, wiegt stolze 70 Tonnen und die Boeing 727, zuletzt als Transportmaschine einer US-Baseballmannschaft im Einsatz, ist nur um 20 Tonnen leichter. Wie belastbar ist also ein Gebäude, das bei seiner Errichtung sicherlich nicht dafür ausgestattet wurde, ein Flugzeug zu tragen?

"Möglich ist viel"

Der Obmann der Fachgruppe Bauwesen in der Kammer der Ziviltechniker Steiermark bringt es auf den Punkt: "Möglich ist prinzipiell vieles, aber es ist auch immer eine Frage der Wirtschaftlichkeit", so Gustav Spener. Eine Verantwortung, die wiederum in den Händen von Helmut Neukam liegt, der die Idee zur "Überflieger"-Event-Location hatte. "Ursprünglich war ein Flugzeug als eine Art Hotelsuite angedacht, aber wir wollten uns noch mehr abheben", sinniert Neukam, der nun gemeinsam mit Hoteldirektor Ricardo Nickel an der Umsetzung des 2-Millionen-Euro-Projekts arbeitet.

"Prüfverfahren hat mehr Spaß gemacht"

Zunächst galt es, die Grazer Baubehörde für das ausgefallene Projekt zu "gewinnen", schließlich gehören am Flugzeuge am Dach nicht gerade zur Routine. "Natürlich wurden sämtliche Instanzen durchlaufen und die Statikvorgaben sind in einem baurechtlichen Verfahren immer zu erfüllen", bestätigt die Leiterin der Bau- und Anlagenbehörde Doris Jurschitsch. "Ich muss allerdings zugeben, dass dieses Prüfverfahren – trotz des enormen Aufwands – sehr viel Spaß gemacht hat, es ist eben außergewöhnlich." Städtebaulich gesehen stellen sich der Nova-Air keine Hindernisse in den Weg. "Wir befinden uns da mitten im Gewerbegebiet", so Jurschitsch.

Hausherr rechnet selbst

Natürlich war in die Planung und Umsetzung des Megaprojekts von Anfang an auch eine Statikfirma eingebunden, doch vieles wurde vom Hausherrn selbst berechnet – nicht nur bei der Kosten-Nutzenrechnung, sondern auch bei der Statik: Mittels im Boden verankerter Stahlseile sollen die Flieger auch starken Windgeschwindigkeiten trotzen.
Um wiederum das Gewicht zu tragen, werden beide Flugzeuge an zwei Stellen am Rumpf mit Beton- beziehungsweise Stahlträgern gestützt. "Diese Stellen kann man natürlich nicht willkürlich wählen, sondern sie müssen bis auf wenige Dezimeter stimmen, sonst entsteht eine Delle im Rumpf." Ähnliches gilt auch für das Hotel. Während die Platzierung der Boeing weniger Probleme aufwirft, da sie auf einem ohnehin neu entstehenden Gebäude stehen wird, galt es das derzeitige Hotel für die Iljuschin am Dach zu rüsten. Wer allerdings denkt, dass nun sämtliche Wände von Stahlträgern durchzogen wären, irrt: Die Maschine liegt an zwei Stellen auf rund 15 cm breiten Betonträgern auf. Diese leiten die Last verteilt in das darunter liegende Gebäude ab. "Ein Schwimmbad am Dach wäre statisch gesehen jedenfalls ein schwererer Brocken gewesen", erklärt Nickel.

Alle Infos zur Eröffnung von Nova-Air:
Am 5. September 2018 wird das Flugdeck im Hotel Novapark, das Nova-Air, offiziell eröffnet. Der Eintritt kostet fünf Euro pro Person. Die Gesamtkapazität des Decks umfasst ca. 250 Personen.
Die Boeing 727-200 wird als Restaurant mit Abendbetrieb genutzt werden. Geboten wird eine kleine à la carte-Auswahl sowie ein saisonal wechselndes 4-Gänge-Menü.
Die Iljuschin wird als Bar- und Eventlocation mit einer Kapazität von ca. 100 Personen dienen. Neben Clubbings sind hier auch geschlossene Veranstaltungen wie Jubiläen oder Geburtstage geplant und möglich.
Kontakt: www.nova-air.atevents@novapark.at
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