18.10.2017, 09:30 Uhr

Wo Leseratte auf Planierraupe trifft

Blick über die mehr als 6.000 m2 umfassende Baustelle der neuen Universitätsbibliothek. (Foto: Prontolux)

Alles neu wird derzeit in der und um die Universitätsbibliothek. Die WOCHE hat sich die Baustelle angeschaut.

Für Studierende sämtlicher Studienrichtungen gilt sie als der Treffpunkt schlechthin: Hier rauchen nicht nur die Köpfe, sondern in den Pausen auch die Kaffeebecher und die Glimmstängel. In der Universitätsbibliothek – im Studierendenjargon auch einfach liebevoll UB genannt – sieht man sich in erster Linie zum Lernen, in zweiter Linie werden hier auch romantische Dates vereinbart und die besten Tipps und Tricks vor Prüfungen ausgetauscht. Dieses pulsierende Herzstück der Karl-Franzens-Universität wird derzeit in einem rund dreijährigen Bauprojekt auf komplett neue Beine gestellt. Insgesamt 27,6 Millionen Euro nehmen die Bundesimmobiliengesellschaft und die Uni Graz für die Sanierung und die Erweiterung der öffentlich zugänglichen Universitätsbibliothek in die Hand.

Abfischen vor dem Umbau

Wer glaubt, dass vor dem Umbau „nur“ die rund 15.500 Kartons und 330.000 Bücherbände gesiedelt werden mussten, der irrt: Bevor die Bagger anrollten, war „der Steirische Fischereiverband da, um die zahlreichen Fische und Krebse in dem Teich zwischen der Bibliothek und dem Resowi umzusiedeln“, berichtet der Vizerektor der Uni, Peter Riedler bei der Baustellenbesichtigung. Statt des herben Charmes des Zubaus aus den 1970er-Jahren sollen die Blickfänge der neuen Bibliothek die wieder freigelegte Originalfassade des historischen Lesesaals sowie der dort aufgesetzte imposante Glasquader sein. „Ingesamt entsteht ein modernes und lichtdurchflutetes Gebäude, das in Verbindung mit einem neuen, großzügigen Vorplatz das Zentrum des Campus der Universität bildet“, erklärt Rektorin Christa Neuper.
Wo früher das Magazin mit seinen riesigen Drehregalen beherbergt war, wächst ein viergeschoßiger Bau, in dem neben Büros und dem Magazin auch ein 430 Sitzplätze fassender Hörsaal untergebracht ist. „In einer Fundraising-Aktion haben Absolventen, darunter auch einige Prominente, mehr als 120.000 Euro für diesen Hörsaal gespendet“, so Riedler. „Jeder Sitzplatz trägt nun einen dieser Namen – von Monika Martin bis hin zu Heinz Fischer.“

Bücherbus einmal anders

Die mehr als 1.000 Bücherausleihen und -rückgaben pro Tag werden vor dem Hintergrund einer logistischen Meisterleistung abgewickelt. Neben dem Ausweichquartier in der Beethovenstraße sind viele der gesamt vier Millionen Informationsträger auch in einem Depot in Andritz untergebracht. Ein Bücherbus der etwas anderen Art verkehrt also mehrmals täglich zwischen diesem Lager und der Uni. Im Sommer 2019 soll die neue Universitätsbibliothek schließlich wieder eröffnet werden.
Zur Ruhe kommt die Uni Graz deshalb aber noch lange nicht. Die Bagger rollen dann nämlich eine Station weiter. In der Schubertstraße weicht das wenig einladende Gebäude vor dem ÖH-Servicecenter „dem künftigen Zentrum für Wissens- und Innovationstransfer. Dieses öffnet den Campus Richtung Süden“, freut sich Peter Riedler schon. „Die Villa, in dem die ÖH untergebracht ist, bleibt erhalten.“
Wer den UB-Umbau übrigens live miterleben möchte, kann dies im eigens eingerichteten Blog tun. Hier finden sich auch alle wichtigen Service-Informationen und Termine während der Bauphase.

Alle Zahlen zum Umbau im Überblick:

Ausmaß der Baustelle: Das Baufeld umfasst insgesamt 6.300 Quadratmeter. Es erstreckt sich vom Vorplatz des Resowi-Gebäudes über die Universitätsbibliothek bis hin zur Schubertstraße.
Anzahl der Lernplätze: Insgesamt werden 650 Lern- und Arbeitsplätze geschaffen. Dazu kommt noch ein großzügiger „24/7“-Bereich, zu dem Studierende mit ihrem Ausweis rund um die Uhr Zutritt haben.
Bauarbeiter im Einsatz: Im Schnitt bewegen sich 35 Personen auf der Baustelle. Die tatsächliche Anzahl der Arbeiterinnen und Arbeiter variiert nach Wetterlage und Einsatzgebieten.
Bauschutt – Erdbewegungen: Bislang wurden 7.000 Tonnen Bauschutt bewegt. Diese Masse entstand durch den Abriss des 1970er-Jahre-Zubaus mit einem 40 Tonnen-Bagger und die Demontage-Arbeiten.
Anzahl der Benutzer: 22.000 aktive Benutzer zählt die Universitätsbibliothek. Mehr als 1.000 Ausleihen und Rückgaben werden pro Tag abgewickelt.
Das älteste Buch: Die ältesten Schriftstücke an der UB sind Georgische Handschriften aus dem 8. Jahrhundert nach Christus aus dem Katharinen-kloster auf dem Berg Sinai.
Außerdem gibt es noch Papyrusfragmente aus dem 3. Jh. vor Christus.
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