27.06.2017, 19:30 Uhr

Elisabeth Köstinger (ÖVP) will mehr Partnerschaft statt Frauenquote (inkl. Video)

Wahlfreiheit für Frauen – dafür will Elisabeth Köstinger politische Rahmenbedingungen schaffen. (Foto: Marco Riebler)

Die Generalsekretärin der ÖVP im WOCHE-Interview über Quotenregelungen in Politik und Wirtschaft.

Sie gilt als enge Vertraute von Parteichef Sebastian Kurz, sie ist die neue "starke Frau" in der ÖVP: Elisabeth Köstinger, zu Gast im "Dienstalk" der Steirer-VP, sprach mit der WOCHE vorab über Frauenquoten und Chancen(un)gleichheit.

Sie haben es es als Frau in der Politik geschafft – wie waren Ihre Erfahrungen dabei?
Elisabeth Köstinger: Freilich wird man in der Politik als Frau anders behandelt als ein Mann. Ich habe von Anfang an versucht, mir Kompetenz anzueignen, es war immer mein Weg, inhaltliche Debatten zu führen. Ich komme ja aus dem Bauernbund und ich muss sagen, dass ich dort viel Wertschätzung erhalten habe.

Welche Rahmenbedingungen braucht es? Kinderbetreuung?
Das ist nur ein, wenn auch ein wichtiger Faktor. Wesentlicher ist: Keine Frau soll sich rechtfertigen müssen, ob und wann sie ein Kind bekommt. Frauen sollen ihr Leben gestalten dürfen, wie sie es wollen.

Frauenquote ja oder nein?
Ich bin eine Verfechterin der Partnerschaftlichkeit, ich will Dinge auf Augenhöhe organisieren und ausreden. Man muss Frauen die Wahlfreiheit zugestehen. Ich sehe das immer wieder in meinem eigenen Umfeld: Frauen zögern, einen Karriereschritt zu machen, weil sie Sorge um die Vereinbarkeit von Job und Familie haben. Eine Quote allein ist keine Frauenpolitik.

Gibt es Vorbilder?
Skandinavien ist da ein gutes Beispiel, da sind die Arbeitswelten ganz andere, niemand würde dort Meetings ansetzen, die bis spät in die Nacht dauern. Es geht dort nicht um die Frauen, sondern um die Familie. Ein gutes Beispiel: Mein schwedischer Kollege im Europaparlament war in seiner Amtszeit schon das zweite Mal für drei Monate in Karenz. Alles andere wäre gesellschaftlich nicht akzeptiert, hätte er keine Chance auf ein Mandat.

Was halten Sie von Gender-Budgets?
Das sind Dinge, ähnlich überzogen wie das Binnen-I. Letzteres ist auch so ein Thema ... – ich halte es da mit Christine Nöstlinger: "Toll, das haben wir jetzt. Aber Frauen verdienen immer noch weniger als Männer."
Das bedeutet?
Wir beschäftigen uns mit Nebensächlichkeiten, für die so viel Energie draufgeht. Entlohnung, Kinderbetreuung, Altersarmut – von der hauptsächlich Frauen betroffen sind –, das wären die echten Themen.

Wie sehen Sie da die Lage in der ÖVP?
Wenn man sich Volkspartei nennt, kann man nicht auf 50 Prozent der Bevölkerung verzichten. Einen Zugang wird man aber nicht mit sturen Prozentsätzen und einer Sprachpolizei erreichen. Wir sollten bei den Mädchen und jungen Frauen ansetzen, ihr Selbstbewusstsein stärken, ihre Wahlfreiheit fördern.

Hier gibt es aber schon eine Verbesserung, oder?
Ja (schmunzelt). Meine Mama schaut oft groß und meint: "Was du dich traust. Das hätte ich mich damals nicht getraut."

Video vom DiensTalk:

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