06.09.2016, 15:32 Uhr

"Sanktionen gehören zu unserem Tagesgeschäft"

"Unsere Sanktionen scheitern oft am System", bedauert AMS-Geschäftsführer Karl Heinz Snobe. (Foto: AMS)

Klare Worte findet AMS-Geschäftsführer Karlheinz Snobe zur "Scharfmacherei" der WKO gegen Arbeitsverweigerer.

Es ist eines der prägenden Sommerthemen des Jahres: die Forderung der Wirtschaftskammer Tirol, notorische Arbeitslose aufzudecken, indem die Unternehmen jene Personen melden, "die sich bei Unternehmen nur ihren Stempel abholen würden". Was an sich nach einer guten Theorie klingt, ist im Tagesgeschäft des Arbeitsmarktservice nichts Neues. "Denn unser Job ist es, nach einem vermittelten Vorstellungstermin Kontakt mit dem Betrieb aufzunehmen, um zu erfahren, wie der Termin gelaufen ist. Tatsache ist, dass es unseren Beratern sehr schwer fällt, Feedback von den Betrieben zu bekommen", berichtet der steirische AMS-Geschäftsführer Karl Heinz Snobe.

Systemsurfer sind die Ausnahme

Jene Arbeitsverweigerer, die die Tiroler Wirtschaftskammer aufspüren möchte, seien laut Snobe ohnehin die Minderheit. Diese "Systemsurfer" beherrschen unser Sozialsystem exzellent, sind aber die Ausnahme. "Viel öfter haben wir mit Menschen zu tun, die zwar vermittelbar wären, aber nicht mehr in ihrem ursprünglichen Beruf arbeiten möchten", so Snobe. Das sind beispielsweise Kellner, die sonntags frei haben wollen oder Friseure, die plötzlich mit Arztattesten kommen, die bestätigen, dass sie keine Haare mehr färben können. "Im Prinzip gilt die ersten 100 Tage nach Meldung beim AMS aber bekanntlich der Berufsschutz, das heißt, einem Kellner werden Jobs in der Gastronomie vermittelt", erklärt der AMS-Boss. Da könne es dann auch vorkommen, dass Jobangebote nicht wahrgenommen oder vereitelt werden. Hier folgen dann natürlich Sanktionen, doch sitzt das AMS meist am kürzeren Hebel. "Die Betroffenen erheben vielfach Einspruch am Bundesverwaltungsgericht, mit Rückendeckung der Arbeiterkammer."


Spagat zwischen Kunden

"Wir sind da in einem Dilemma, denn unsere Kunden sind einerseits die Arbeitssuchenden, andererseits die Betriebe", so Snobe. "Wenn sowohl Wirtschaftskammer als auch AMS intensiver an einem Strang ziehen würden, wäre vieles einfacher und man könnte sich viele Umwege ersparen."
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