10.10.2016, 12:00 Uhr

Steirische Arbeitswelt setzt auf Wertschätzung

Weil Wertschätzung zählt: Franz Gosch (Vizepräsident AK Steiermark), Christina Lind (stv. Geschäftsführerin AMS Steiermark), Karl-Heinz Dernoscheg (Direktor WKO Steiermark), Sabine Varetza-Pekarz (Geschäftsführerin Social Innovators), Florian Simon (Geschäftsführer Social Innovators) und Paul Jiménez (Universitätsforscher und Arbeitspsychologe) (v. l.) (Foto: Fischer)
Seit Mitte der 1990er-Jahre haben sich die Krankenstandstage infolge psychischer Erkrankungen fast verdreifacht. Aktuelle Studienergebnisse zeigen aber, dass Betriebe mit einem guten Arbeitsklima davon deutlich weniger betroffen sind: Unternehmen, die einen wertschätzenden Umgang pflegen, weisen nicht nur weniger Fehlzeiten auf, sie sind auch innovativer und produktiver. So ist etwa die Zahl der „höchst engagierten Mitarbeiter“ in solchen Betrieben mehr als doppelt so hoch als in Firmen, wo dem Thema kein besonderes Augenmerk zukommt. Um Wertschätzung auch in der Praxis in die Betriebe zu bringen, gibt es nun die weltweit erste „Wertschätzungs-Ausstellung".

Umgangsformen als Erfolgsfaktor

Aber nicht nur Stress und Termindruck machen krank: Wenn Mitarbeiter, Führungskräfte und auch Unternehmer für ihre Leistung nicht wertgeschätzt werden, kann das äußerst negative Auswirkungen auf das Unternehmen haben. Das zeigt ein Vorab-Auszug aus der aktuellen Studie „Arbeitswelt Österreich 2015", die von der Universität Graz in Zusammenarbeit mit der Firma „research team“ durchgeführt wurde. „Ein ganz zentrales Ergebnis darin ist, dass die Zahl der höchst-engagierten Mitarbeiter in besonders wertschätzend geführten Unternehmen bei 52,3 Prozent der Belegschaft liegt, während sie in Unternehmen, die ein nur sehr geringes Augenmerk auf Wertschätzung legen, lediglich bei rund 11,7 Prozent liegt", erklärt einer der Studienautoren, der Universitätsforscher und Arbeitspsychologe Paul Jiménez. Darüber hinaus zeigt die Studie, dass in wertschätzenden Unternehmen nur fünf Prozent der Mitarbeiter angeben, in einem „kritischen Beanspruchungsbereich" zu sein, während sich in nicht wertschätzenden Unternehmen rund 45 Prozent kritisch belastet sehen. Außerdem wirkt sich laut Studie eine wertschätzende Führung wesentlich auf die Arbeitseinstellung aus: In solchen Betrieben geben lediglich 8,8 Prozent der Mitarbeiter an, mehrmals im Jahr absichtlich langsam zu arbeiten. In nicht wertschätzend geführten Betrieben sind es hingegen rund 28 Prozent.

Faktor Mensch

Ins selbe Horn bläst Franz Gosch, Vizepräsident der Arbeiterkammer Steiermark. „Alle Menschen im und um das Unternehmen sind dabei wichtig, der Mensch muss im Mittelpunkt stehen. Der Faktor Mensch ist wesentlich für die wirtschaftliche Entwicklung von Unternehmen, aber auch für die Gesundheit. Ein Mensch, der wertgeschätzt wird, bleibt nachweislich gesünder, ist motivierter und kreativer", sagt Gosch.

Neue Ausstellung

Um Wertschätzung in der Praxis erfolgreich in ein Betriebsklima integrieren zu können, hat die Firma „Social Innovators" eine Ausstellung entwickelt, die einem grundlegenden Problem begegnen soll, erklärt Geschäftsführer Florian Simon. „Einen kulturellen Veränderungsprozess zu beginnen, ohne ihn „von oben" zu verordnen – das ist die Herausforderung. Die Ausstellung setzt genau an diesem Punkt an und lädt mit insgesamt zehn verschiedenen Stationen, die in einem Betrieb je nach Bedarf aufgebaut werden, zu wertschätzendem Verhalten ein."
So können Mitarbeiter jederzeit etwa einem augenblicklich stark belasteten Kollegen bzw. Führungskraft aus der Station „Wertschätzungsapotheke" ein „Arzneimittel" namens „Lobisdrin" oder ein Teelöfferl „Gemeinschaftsgeist" holen. An einer anderen Station können etwa „Postkarten“ mit wertschätzenden Aufdrucken wie „Großes Danke" oder „Dickes Lob" an einen Kollegen bzw. eine Führungskraft „verschickt" werden. „Damit holen wir das Thema, das man bislang eher in Workshops und Seminaren für einen halben oder ganzen Tag, also in eher künstlichen Situationen, behandelt hat, in das direkte tägliche Arbeitsumfeld. Die Mitarbeiter und Führungskräfte des Unternehmens werden dabei durch die Ausstellungsobjekte über einen gewissen Zeitraum immer wieder an das Thema erinnert. So können wir Wertschätzung in eine Unternehmenskultur transferieren", erklärt Simon.
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