21.11.2017, 10:00 Uhr

Liste Fritz: „Wir sind klein, aber oho!“

Andrea Haselwanter-Schneider im Gespräch mit CR Sieghard Krabichler (Foto: Baumgartl)

Andrea Haselwanter-Schneider wird die Liste Fritz aller Voraussicht nach in den Landtagswahlkampf führen.

Zum Jahresende präsentieren wir die Bilanzen und auch Ausblicke der im Landtag vertretenen und auch für die LT-Wahl 2018 wieder kandidierenden Parteien. Teil 1: Liste Fritz.

Am Ende der Legislaturperiode ist es Zeit, Bilanz zu ziehen. Welches sind die größten Erfolge für Ihre Bewegung?
Andrea Haselwanter-Schneider: „Heuer ist die Ablehnung der Olympia-Bewerbung für 2026 ein großer Erfolg. Wir haben Nein zum Olympia-Milliarden-Wahnsinn gesagt und die Schattenseiten von Olympischen Spielen aufgezeigt. Damit haben wir einen großen Beitrag – als einzige Gruppierung – für Tirol geleistet. In Summe haben wir in den vergangenen fünf Jahren an die 800 Landtagsinitiativen eingebracht, vieles davon Ideen der Tiroler. So waren wir oft die Lokomotive in der Opposition, auch bei der Rechnungshofprüfung der Tiroler Sozialen Dienste. Da geht’s um 55 Millionen Steuergeld. Wir haben bewiesen, dass eine kleine Gruppierung im Landtag gerade bei der Kontrolle sehr viel ausrichten kann.“

Aber gerade die Olympiabefürworter sehen in der Ablehnung eine vertane Chance für Tirol und für die kommende Generation mit vielen negativen Auswirkungen. Trotzdem ein Erfolg?
„Ja, der Erfolg liegt in der Nutzung der direkten Demokratie, in der Einbindung der Zivilgesellschaft und in der Mitsprache der Tiroler bei politischen Themen. Und es ist ein Erfolg, weil die Liste Fritz Steuergeldverschwendung – die Bewerbung hätte bis zu 20 Mio. Euro gekostet – verhindert hat. Chancen haben wir genügend in Tirol, da ist ein Megaevent Olympia kein Allheilmittel. Außerdem werden wir alle guten Ideen, wie Teuerungsverbot, Schaffung von bezahlbarem Wohnraum oder mehr Sport für die Jugend weiterhin durch Anträge einfordern, auch ohne Olympia.“


Was ist für die Liste Fritz noch offen aus den Versprechen von 2013?
„Tirol gerechter zu machen. Die großen Themen, wie bezahlbares Wohnen, die Öffnung des Landes hin zu mehr Demokratie und ein sozialeres Tirol sind noch lange nicht erledigt. Da kämpfen wir mit aller Kraft weiter für die Menschen im Land.“

Frau Haselwanter-Schneider, so wie es aussieht werden Sie die Liste Fritz als Spitzenkandidatin in den Landtagswahlkampf führen. Steht da bei der Liste Fritz nicht etwas drauf, was nicht mehr drinnen ist?
„Über die Spitzenkandidatur entscheiden wir am 2. Dezember beim Bürgertag, aber ich stehe zur Verfügung. Und Fritz Dinkhauser ist als Parteiobmann nach wie vor ‚drinnen’ und unterstützt mich tatkräftig. Die Liste Fritz ist eine Marke mit dem Beinamen ‚Bürgerforum Tirol’, weil wir mit den Bürgern und für die Bürger arbeiten.“


Das heißt, nach viereinhalb Jahren Frontalopposition haben Sie noch die Energie und die Kraft für Ihre Politik für Tirol?
„Und wie, ich freue mich, weiterhin im Sinne des Bürgerforum Tirol für die Menschen zu arbeiten. Die Liste Fritz wird auch weiterhin das ‚Soziale Gewissen’ für Tirol sein. Aber: Wer mich will, muss mich dann auch wählen.“

Umfragen sehen derzeit ein knappes Ergebnis für die Liste Fritz, um wieder in den Landtag einziehen zu können. Wie wird der Wahlkampf aussehen?
„Wir wollen keine Umfragen gewinnen, sondern Wahlen. Ich bekomme viel Zuspruch. Unser Ziel ist ganz klar: Wir streben eine Verdoppelung der Mandate auf vier an.“

Die Liste Fritz ist mit Ihnen und Isabella Gruber derzeit eigentlich eine „Zweifraushow“. Ändert sich das für die kommende Landtagswahl?
(Lacht). „Ja, die „Zweifraushow’ ist durch den Rückzug von Andreas Brugger entstanden. Natürlich haben Männer bei uns Platz. Wir werden unsere spannenden Leute auf der Landesliste zum richtigen Zeitpunkt präsentieren.“

Wirtschaftlich, budgetär und auch arbeitsmarktpolitisch steht Tirol nicht gerade schlecht da. Geht die Kritik da manchmal nicht an der Realität vorbei?
„Klar sind die Arbeitslosenzahlen gesunken, was mich freut. Aber welche Arbeitsplätze sind denn entstanden? Es fehlt weiterhin an qualifizierten Jobs, wo das Einkommen zum Auskommen reicht. Unsere konsequente Kontrolle im Landtag ist wichtig.“

Themen wie Transitverkehr, Skigebietszusammenschlüsse, Kraftwerksbau, Lufthunderter und Umweltschutz dominierten die Themen in den viereinhalb Jahren. Welche Themen werden im Wahlkampf präsent sein?
„Wir werden weiterhin an einem sozialen und gerechten Tirol arbeiten, unsere Themen drehen sich ums ‚Leben in Tirol’, um den Spagat zwischen niedrigen Einkommen und hohen Lebens- und Wohnkosten. Bezahlbares Wohnen ist uns ein zentrales Anliegen. 2018 gibt es unsere Bewegung zehn Jahre in Tirol und anders als so manche politische Sternschnuppe sind wir ein Fixstern am Tiroler Polithimmel.“
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