25.05.2017, 15:09 Uhr

25. Mai 2017: Badeschiff, Burkini und blinde Wut

Andreas Edler, Chef vom Dienst
WIEN. Freier Eintritt für Burkini-Trägerinnen. So lautet das Statement der Badeschiff-Betreiber zur aktuellen Debatte um Burkinis. Die wurde vor Kurzem vom Neuwaldegger Bad mit einem generellen Verbot der umstrittenen Ganzkörperbekleidung aufgewärmt. Seitdem erntet das Badeschiff Wien einen regelrechten Shitstorm auf Facebook. Hunderte Wiener fühlen sich plötzlich bemüßigt, dem Poolschiff im Donaukanal virtuell die Meinung zu geigen.

Und doch sind sich sowohl Verbot als auch Einladung näher, als es auf den ersten Blick aussieht: Hier wie da reden wir nämlich ausschließlich über Werbung. Hier geht es nicht um Hygiene, Optik oder gar Integration. Hier geht es um PR. Seien wir uns mal ehrlich: Wie viele Burkini-Trägerinnen haben Sie schon live gesehen? Ach, keine? Das liegt wahrscheinlich daran, dass es sich um ein medial aufgebauschtes Phänomen handelt. Der Aufreger darum basiert auf einer Fiktion. Es mag sie schon geben, die Schwimmerinnen in Ganzkörperbekleidung. In Summe und Relation sprechen wir aber über so wenige Menschen, dass es schlicht und einfach keine Rolle spielt. Und doch polarisiert das Thema ganz extrem. Dasselbe gilt übrigens für die Burka. Aber dem Thema werden wir uns früh genug wieder widmen.

Was machen die beiden Schwimmbäder? Das Neuwaldegger Bad und das Badeschiff werben mit ihren Statements bei zwei vollkommen unterschiedlichen Besuchergruppen. Die einen am Stadtrand und insgesamt im konservativen Milieu, die anderen in der Stadtmitte und damit in einer liberalen Schicht. Die Hassposter kommen allerdings tendenziell eher von der konservativeren Seite – weswegen die Hassposting-Welle auch beim Badeschiff aufklatscht.

Dem durchschnittlichen Gast des Badeschiffes – dazu zähle ich mich selbst – werden die zahlreichen negativen Bewertungen einfach egal sein – genauso wie die Debatte um die nicht vorhandene Burkini-Flut. Mir persönlich ist das Kleidungsstück jedenfalls wirklich, salopp gesagt, wurscht.

Eines ist mir aber nicht egal: Die emotionsgeschwängerten und teilweise ekelhaften Kommentare zum Thema. Bitte beruhigt's euch ein bisschen!

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