26.01.2018, 10:11 Uhr

Berittene Polizei in Wien angeblich beschlossene Sache

In London sind laut Homepage der dortigen Polizei neun Pferde im Dienst der Polizei. (Foto: Wikimedia Commons)

Schon im Frühjahr 2019 könnten Pferde auf Wiens Straßen Dienst versehen. Das Innenministerium bestätigt die Informationen der Tageszeitung "Kurier" allerdings nicht.

WIEN. Es scheint Bewegung in die Diskussion über berittene Polizisten zu kommen. Laut Informationen, die die Tageszeitung "Kurier" laut einem Informationen aus dem Innenministerium bezogen habe, seien die Pläne für die Reiterstaffel schon sehr konkret: So sollen zwölf Tiere ab Frühling 2019 im Einsatz sein, die Staffel soll auf 24 Pferde aufgestockt werden. Derzeit wird nach einem geeigneten Standort für die Einheit im Prater oder in der Lobau gesucht. Ein fertiges Konzept, das diese Eckpunkte umfasst, soll Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) spätestens im Mai unterschreiben.

Im Innenministerium will man diese Informationen am liebsten gar nicht kommentieren: "Ich weiß nicht, woher sie stammen und sie können gar nicht stimmen", so ein Sprecher. Man sei derzeit in der Evaluierungsphase für die berittene Polizei, konkrete Zahlen könnten also noch gar nicht auf dem Tisch liegen. Geprüft werde derzeit alles: Kosten einer berittenen Einheit, Standort und Größe. Fix sei nur: Sollte man die berittene Polizei, die es in Österreich seit 1950 nicht mehr gibt, einführen, so werde das zuerst in Wien passieren, so der Sprecher.

Einsatz bei Demonstrationen

Was genau die berittenen Polizisten tun soll, werde ebenfalls derzeit geprüft. Laut Medienberichten über Polizisten zu Pferde eignen sich diese vor allem in zwei Gebieten: zur Kontrolle von Massen und zum Einsatz in unwegsamen Gelände, das von Autos nicht erreicht werden kann - also etwa bei Suchaktionen. Dass in Wien vor allem ersteres Thema sein wird, dementiert Kickls Sprecher nicht: "Es liegt in der Natur der Stadt, dass es hier wenig Gelände gibt." Auch der Kurier berichtet von einem hauptsächlichen Einsatz in der Innenstadt, etwa bei Demos.

Dieses Vorhaben hat schon im Vorfeld Kritik von unterschiedlicher Seite hervorgerufen: Der Einsatz von Pferden bei Massenveranstaltungen wie Demonstrationen ist einerseits immer wieder schief gelaufen. So wird davon ausgegangen, dass die Pferde im Juli 1927 bei den Protesten gegen das Urteil von Schattendorf zur Eskalation beitrugen, die schließlich zum Justizpalastbrand und zu 89 Todesopfern unter den Demonstranten beitrug. Auch beim Bergarbeiterstreik in Großbritannien 1984 versahen berittene Polizisten Dienst an Streikposten - und trugen, etwa bei der "Battle of Orgreave" wiederum erheblich zur Eskalation bei.



Auf der anderen Seite kommt massive Kritik auch von Tierschützern: Während ihrer Ausbildung würden die Tiere mit Situationen konfrontiert, die ihrem Fluchtinstinkt widersprechen, heißt es etwa von Vier Pfoten. Ein Arbeitsplatz in der hektischen Wiener Innenstadt wäre außerdem für Pferde nicht mehr zeitgemäß.  „Tiere sollten generell in der Polizeiarbeit nicht gegen Menschen eingesetzt werden. Gerade im Einsatz von Pferden etwa auf Demonstrationen und Fußballspielen sind sowohl Menschen als auch Tiere Verletzungsrisiken ausgesetzt“, wird Martina Pluda, Kampagnenleiterin von Vier Pfoten, in einer Aussendung zitiert. Gegen die Idee der berittenen Polizei hat die Organisation auch eine Online-Petition aufgesetzt.

Hintergrund:

Kickl prüft Einsatz von berittenen Polizisten in Wien
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