12.10.2017, 12:30 Uhr

Hinter den Fassaden prunkvoller Palais: Der Adel und seine Baumeister

Georg Hamann in der Ferstel-Passage. Bereits bei der Planung des Ferstel wurden Bazars – damalige Geschäftslokale – gewünscht.

Der Historiker Georg Hamann verrät in seinem Buch unbekannte Geschichten über bekannte Palais in Wien.

WIEN. Durchquert man das gut besuchte Café Central, hält sich links und folgt einem kleinen Gang, steht man vor dem Eingang zum Arkadenhof, dem Prachtstück des Café Central und – wenn es nach dem Historiker Georg Hamann geht – des ganzen Palais Ferstel. "Diese frühe Form des Historismus hat noch so etwas Verspieltes und Detailverliebtes", verrät er. Mit strahlenden Augen weist er auf die verschnörkelten Säulen und die Wandmalereien. "Alles handgefertigt. Wunderschön, nicht?" Der Name Palais Ferstel ist irreführend. Denn dieses Gebäude war nie zum Wohnen gedacht, daher war es nie ein Palais. Und den Namen Ferstel erhielt es erst Jahre nach dem Tod seines Baumeisters Heinrich von Ferstel.

Es war ein Mehrzweckgebäude, das die Börse, die Österreichisch-ungarische Bank, sogenannte Bazars, also Geschäftslokale, und ein Kaffeehaus beherbergen sollte. Es ist eines der Gebäude, hinter deren Fassade Hamann für sein neuestes Buch "Großer Herren Häuser" genauer geblickt hat.

Das Gespenst der Hofburg

Zwölf sind es an der Zahl und darunter befinden sich weitere Berühmtheiten wie die Hofburg oder das Belvedere. Es war für Hamann gar nicht so leicht, Geschichten zu finden, die nicht schon überall erwähnt wurden: "Ich glaube, dass ich dennoch einige gefunden habe, wie zum Beispiel das Hofburg-Gespenst. Zugegeben, eine Anekdote. Aber wie jede gute Anekdote hat sie einen wahren historischen Kern und darüber erzähle ich."
Neben der eigentlichen Baugeschichte geht es um das Leben, das in den Häusern stattgefunden hat. Es handelt von Baumeistern, ihren Auftraggebern und teils tragischen Familiengeschichten, die sich in den Herrschaftshäusern ereignet haben.  Man liest vom Aufstieg und Fall von Gustav Ritter von Epstein, lernt einiges über den Börsenkrach von 1873 und den Konkurrenzkampf zwischen den Barockbaumeistern Johann Lucas von Hildebrandt und Johann Bernhard Fischer von Erlach.  "Wenn man sich nur ein bisschen in die Wiener Geschichte vertieft, dann ist es so, als würden uns die Häuser beim Vorbeigehen ihre Geschichten zuflüstern", ist Hamann überzeugt. Sofern man sich darauf einlässt und zuhört.

Zur Sache

In "Großer Herren Häuser" entführt der Historiker Georg Hamann seine Leser in die Vergangenheit. Er wirft einen Blick in Wiens bekannteste Palais und erzählt deren Geschichten.  Ein Buch für alle, die sich für die Geschichte Wiens interessieren und schon immer wissen wollten, was sich hinter den Toren großer Herren Häuser abgespielt hat.

Das Buch ist im Amalthea Verlag erschienen, umfasst 269 Seiten und kostet 25 Euro.
ISBN: 978-3-9905009-7-2.
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