25.01.2018, 13:41 Uhr

"Jetzt erst recht": Tausende bei Protesten gegen Akademikerball erwartet

Tausende Demonstranten werden auch heuer wieder zu den Protesten gegen den Akademikerball erwartet. (Foto: Offensive gegen Rechts)

Der Skandal um Udo Landbauer verdeutliche die Notwendigkeit der Proteste gegen das Burschenschafts-Vernetzungstreffen, so die Offensive gegen Rechts. Mit Verkehrsbehinderungen ist morgen Nachmittag zu rechnen.

WIEN. Ein Fixpunkt im Wiener Ballkalender auch für jene, die nicht gern im Abendkleid zu Walzerklängen über das Parkett schweben, und das seit mittlerweile zehn Jahren: Der alljährliche Akademikerball in der Hofburg, früher nach dem Dachverband der Wiener Burschenschaften WKR-Ball benannt, ruft Proteste hervor.

Der Skandal rund um den Spitzenkandidaten der FPÖ Niederösterreich, Udo Landbauer, verschiebt Ball und Gegendemo aus der Sphäre der Tradition aber in jene der Aktualität: Udo Landbauer bekleidet eine hohe Position in der Burschenschaft Germania zu Wiener Neustadt, und deren Liederbuch, so berichtet der Falter, enthält NS-verherrlichendes, rassistisches und hetzerisches Material. Landbauer behauptet, nichts gewusst zu haben.

Der Fall verdeutliche einerseits die "Scharnierfunktion zwischen Deutschnationalen und FPÖ", so Käthe Lichtner von der Offensive gegen Rechts, die die Proteste organisiert. Andererseits zeige es einmal mehr, "dass es Rechtsextremismus, Antisemitismus und NS-Verherrlichung in Burschenschaften gab und gibt." Vom Ausmaß, der durch den Fall Landbauer zutage trat, war sie trotzdem schockiert - und auch über die offizielle Reaktion darauf: "Überall sonst wäre Landbauer zurückgetreten - gibt es in Österreich noch eine Grenze?" Bundeskanzler Kurz habe seine Grenze ja mit dem Verbotsgesetz angegeben - diese sei jedenfalls jetzt erreicht. Ein Tweet reiche als Verurteilung nicht - und der Fall Landbauer als "besonders krasser Einzelfall unter einer Reihe von Einzelfällen" zeige einmal mehr, was man sich von einer Koalition mit der FPÖ erwarten könne.

Demo startet um 17 Uhr am Schottentor

Diejenigen, die finden, dass die Grenze schon längst überschritten wurde, treffen sich morgen, Freitag, 26. Jänner, um 17 Uhr beim Schottentor - auch gegen die Politik der schwarz-blauen Regierung möchte sich die Demonstration verstanden wissen. Laut Veranstaltern ist man an einem friedlichen Ablauf interessiert: "Von uns geht keine Gewalt und Eskalation aus", sagt Lichtner, "wir freuen uns auf eine bunte, kämpferische Demo zu der wir auch Eltern mit Kinderwägen oder ältere Leute einladen." 

Anders sieht es die Polizei: Er rechne mit erhöhter Gewaltbereitschaft, erklärte der Wiener Polizeipräsident Gerhard Pürstl im Vorfeld, etwa 3.000 Polizisten werden im Einsatz sein. Sie werden das Platzverbot rund um die Hofburg aufrecht erhalten und dafür sorgen, dass sich Ballgäste und Demonstranten nicht zu nahe kommen. Das Platzverbot umfasst die Ringstraße zwischen Oper und Heldentor, den gesamten Heldenplatz, die Hofburg und den Michaelerplatz. Das Platzverbot tritt um 17 Uhr in Kraft, betreten dürfen diesen Bereich danach nur noch Ballgäste, Staatsbedienstete sowie Menschen, die durch eine Theater- oder Opernkarte zeigen können, warum sie hineinwollen. 


Verzögerungen einplanen

Durch Platzverbot und Demo werden sich sowohl für Autofahrer als auch für Öffi-Nutzer Behinderungen ergeben: Die Wiener Linien raten, auf die U-Bahnen auszuweichen, da mehrere Bus- und Straßenbahnlinien kurzgeführt werden oder gar nicht mehr in Betrieb sind. Die Citybus-Linien werden ab 14 Uhr eingestellt. Ab dem späteren Nachmittag werden folgende Bus- und Straßenbahnlinien kurzgeführt:

• Die Linie 1 fährt zwischen Stefan-Fadinger-Platz und Hintere Zollamtstraße. Zwischen Kliebergasse und Hintere Zollamtstraße fährt sie über die Strecke der Linien 18 bzw. O.
• Die Linie 2 wird geteilt und verkehrt zwischen Dornbach und der U6-Station Josefstädter Straße sowie zwischen Friedrich-Engels-Platz und Schwedenplatz.
• Die Linie 46 verkehrt nur zwischen Ottakring und U6-Station Josefstädter Straße.
• Die Linie 49 fährt nur zwischen Hütteldorf und Urban-Loritz-Platz (U6).
• Die Linie 62 fährt ab Kliebergasse zum Quartier Belvedere.
• Die Linie 71 fährt nur zwischen Zentralfriedhof, 3. Tor und Schwarzenbergplatz.
• Die Linie D fährt in beiden Richtungen zwischen Börse und Schwarzenbergplatz über den Franz-Josefs-Kai.
• Die Linie 4A fährt nur zwischen Wittelsbachstraße und Lisztstraße.
• Die Linie 57A fährt nur zwischen Anschützgasse/Bhf. Rudolfsheim und Gumpendorfer Straße, Amerlingstraße.
• Die Linie 48A verkehrt nur zwischen Baumgartner Höhe und der Haltestelle Burggasse U.
• Die Linie 59A verkehrt nur zwischen Bahnhof Meidling und Margaretenplatz.
• Die Linie 74A fährt nur zwischen St. Marx und Invalidenstraße.
• Die Wiener Lokalbahn fährt nur zwischen Baden und Wolfganggasse.


Der Autofahrerclub ÖAMTC rät Autofahrern großräumiges Ausweichen ab 16 Uhr - am besten soll die Innenstadt komplett gemieden, also etwa über den Gürtel gefahren werden. Folgende Strecken werden gesperrt:

Der Ring wird etwa ab 16 Uhr gesperrt sein. Auch die Zweierlinie wird ab diesem Zeitraum zwischen Neustiftgasse und Schwarzenbergplatz nicht befahrbar sein. Staus werden befürchtet. Auch auf den Einfallstraßen - etwa Rennweg, Prinz-Eugen-Straße, Favoritenstraße, Rechte Wienzeile oder Burggasse - sind erhebliche Verzögerungen einzuplanen.
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