14.12.2017, 13:07 Uhr

Neue Biermarke "Wasted": Wenn Semmeln und Kornspitze zu Bier werden

Tobias Judmaier mit seinem Wasted-Bier aus alten Semmeln.

Semmelsaft statt Gerstensaft: Für die neue Marke "Wasted" brauen die Betreiber einer Biogreißlerei Bier aus Gebäck, das nach Ladenschluss nicht verkauft wurde.

WIEN. Wenn auf Bieretiketten "Semmel" und "Kornspitz" steht, handelt es sich nicht um Plastikflaschen aus der Puppenküche, sondern um ein neues Bioprodukt. Die Aufschrift ist auch kein Scherz, sondern gibt tatsächlich an, woraus die Biere der neuen Marke "Wasted" hergestellt worden sind. "Der Gersteanteil wird bei unserem Bier entweder durch alte Semmeln oder Kornspitze ersetzt", erklärt Tobais Judmaier, der vergangene Woche das innovative Getränk gemeinsam mit seinem Partner David Groß auf den Markt brachte.

Wobei man bei dem Wort "alt" nicht an Gebäck aus dem Müll denken darf. Es handelt sich um Restbestände aus dem "Iss mich"-Greissler  von Judmaier und Groß. "Ein Drittel aller Lebensmittel in Europa landet im Müll. Abseits vom moralischen Aspekt ist diese Verschwendung auch ein ressourcentechnisches Thema. Gerade Brot ist ein Hauptproblem. Der Kunde erwartet um sieben Uhr abends frisches Brot im Regal ohne der Frage, was kurz nach acht mit dem Gebäck geschieht", so Judmaier.

Beliebtheit: Semmel vor Kornspitz

Um die eigenen Restbestände aus den Bioläden im ersten und siebten Bezirk zu verwerten, griffen die Unternehmer die alte Idee auf, aus diesen Beständen Bier zu brauen. "Die Idee stammt nicht von uns. Bereits die alten Ägypter und Römer wußten, dass man alte Brotbestände vergären und aus ihnen Bier brauen kann." Statt aus Brot lassen Judmaier und Groß aus Semmeln und Kornspitzen Bier in einer kleinen bio-zertifizierten Brauerei in Maria Enzersdorf brauen. Das Gebäck schmeckt man laut Judmaier übrigens aus dem Getränk heraus. "Ich finde schon, dass das Bier eine gewisse Note hat, aber das soll es auch haben. Den Kornspitz schmeckt man eher, dafür ist die Semmel ein bißchen beliebter. Dieses Bier schmeckt aber auch leichter."

Ein Jahr dauerte die Umsetzung von dem Recyclinggedanken bis zur ersten Bierflasche, die vergangenen Dienstag über die "Iss mich"-Ladentheke in der Biberstraße in der City ging. Ihr folgten binnen einer Woche weitere 699 Flaschen, sehr zur Überraschung von Judmaier. "Mit diesem Erfolg haben wir nicht gerechnet. Das Bier ist ausverkauft und es gibt bereits viele Vorbestellungen." Da es sich bereits in der ersten Woche abgezeichnet hat, dass die eigenen Restbestände für den Ansturm nicht ausreichen, ist Judmaier derzeit aktiv auf der Suche nach Partnern aus dem Bäckereisektor. Gebraut wird in einer kleinen bio-zertifizierten Brauerei in Maria Enzersdorf. "Die Finanzierung ist natürlich schwierig, daher versuchen wir, sie über ein Crowdfunding auf www.wasted-bio-bier.at zu sichern." 

Obwohl "Wasted" noch in den Kinderschuhen steckt, hat Judmaier bereits neue Ideen im Kopf: "Ich überlege schon, wie man mit Kipferl, Brioche und Schwarzbrot brauen kann. Das sind aber bislang nur Überlegungen." Wer die leeren "Wasted"-Regale im "Iss mich" beachtet, kann sich allerdings ausrechnen, dass es aufgrund des großen Erfolges nicht mehr lange dauern wird, bis man sich ein kühles, blondes Kipferlbier aufmacht.

"Wasted"-Bier ist sowohl in der Iss Mich"-Biogreisslerei in der Biberstraße 22 im 1. Bezirk als auch im "Iss mich"-Impact Bistro in der Lindengasse 56 im 7. Bezirk erhältlich.
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