03.11.2017, 14:40 Uhr

Papa und die parallelen Buben: Gerechtigkeit muss sein

Martin Wolfram, Zwillingsvater und Unternehmer
WIEN. Sie haben sich sicher schon gefragt, welcher von den beiden parallelen Buben gerne Erster sein möchte. Die Antwort haben Sie vielleicht schon erraten: Das ist natürlich abhängig von der Frage „Wobei?“. Und dann sind es selbstverständlich beide oder keiner. Nehmen wir als Beispiel das Abendritual im Badezimmer: Wenn ich frage, wer als Erster die Zähne putzen möchte, dann will das keiner der beiden. Stelle ich jedoch in Aussicht, dass der Erste beim Zähneputzen anschließend auch die Gute-Nacht-Geschichte aussuchen darf, ist das wie ein Startschuss zum Wettlauf ins Bad – mit Regeln wie beim Rugby, falls diese brutale Sportart Regeln hat.

Nachdem wir ein Haushalt voller Gerechtigkeitsfanatiker sind, muss immer für Ausgleich gesorgt werden. Meine Denksportaufgabe dabei ist, mir zu merken, wer als Erster sein Getränk bekommen hat, auf die Schaukel durfte, auf meinen Schultern um den Wohnzimmertisch geritten ist oder den Playmobil-Drachenflügel montiert bekommen hat. Denn beim nächsten Mal darf ja dann der andere anfangen. Jedes Zuwiderhandeln gegen die Gerechtigkeitsliste wird mit einem Ausbruch der Trotzphase beantwortet. Aber ich darf mich nicht beschweren, denn die parallelen Buben haben ein ausgeprägtes Gefühl für Benachteiligung – und das wird in Zeiten wie diesen immer wichtiger.
Vielleicht wächst hier eine neue Generation von Politikern heran. Das wäre ja kein Nachteil. Denn Gerechtigkeit muss sein.
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